Ansichtssache.

Meine Sitzhöcker schmerzen, meine Beine werden von zähflüssigem Laktat durchflutet und ich kann nicht mehr unterscheiden, ob die Tropfen nun von meinem Kopf oder dem Himmel über mir auf das Oberrohr meines neuen Mountainbikes strömen. Versunken in den Gedanken meiner Fragen kurbele ich einen mir unbekannten Forstweg hinauf. Als ich meinen Blick nach rechts wende, sehe ich eine Nebelglocke über dem Bohrertal hängen. Der Himmel darüber? Grau und flankiert von einer Armada Regentropfen. Eigentlich kein sonderlich lohnenswerter Anblick und sicherlich kein Postkartenpanorama, jedoch Antworten auf die Gedanken, denen ich nachhing bevor ich den Blick wendete: Warum füge ich meiner Passion ernsthaften Schaden zu mit einem Ziel, welches ich eigentlich garnicht erreichen möchte? Warum gestehe ich einem selbst-kreiierten, fremd-induzierten, singulären Ereignis soviel Bedeutung zu…?

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Noch dämmert es mir nicht ganz, was diese Nebelglocke symbolisiert. Doch der Türspalt der Erkenntnis ist ein stückweit geöffnen. Ich kurbele weiter und sehe ein älteres Paar mit Hund. Als sie mich sehen, räumen Sie den großen Ast, welcher den Weg versperrt, aus dem Weg. Extra für mich.

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Auf dem Sattel (der Bergkette) angekommen, betrete ich Neuland. Ein Singletrail. Ich rausche konzentriert diesen Singletrail entlang. Die Szenerie ist mir prinzipiell vertraut. Stock. Stein. Wald. Wurzel. Es ist etwas ganz Anderes und trotzdem das Gleiche. Nur das Vehikel ist ein anderes. Vehikel meint sowohl ein Fahrzeug, als auch ein Mittel zu einem bestimmten Zweck. Tatsächlich ist mein Mountainbike nicht nur das Fahrzeug der Wahl, sondern auch das Mittel für Entdeckungsreisen in die Abgründe der eigenen Seele und dem gipfeligen Neuland des Abenteuers.

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Angekommen am Aussichtspunkt ist es in der wirklichen Welt immernoch dichtbewölkt und grau. In meiner Gedankenwelt reißen die Sonnenstrahlen der Erkenntnis jedoch eine Lücke in ebenjene Dunstglocke, welche sich über mein Ausdauerland gelegt hatte: Der Fokus auf ein Ziel vernebelt das Schöne, welches dazwischenliegt. Seien es umliegende Berge oder eine Vielzahl an unentdeckten Seitentälern. Mehr noch: Das eigentliche Ziel ist das Dazwischen.

Ausdauersport ist Lehre, Erkenntnis und Abenteuer. Und Ansichtssache.

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