07: Im Nebel.

Als Kind des Flachlandes musste ich mich an die Launen des Wetters im Hochschwarzwald gewöhnen. Der Vorgang ist noch nicht abgeschlossen. Webcams zeigen meistens nur einen Bruchteil der Wahrheit und haben mich nicht davor geschützt, im Frühjahr in kurzen Hosen durch hüftenhohen Schnee zu laufen oder eben heute auf vereisten Felsen. Ich mochte schon bei Super Mario und Donkey Kong die Eiswelten nicht sonderlich, obwohl Sie doch immer sehr hübsch anzusehen waren.

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Auf meiner heutigen Odysee wurde ich von Regen begrüßt, der immer graupeliger wurde, je höher ich lief. Im unteren vierstelligen Höhenmeterbereich gesellte sich auch noch zäher Nebel dazu, der mich den ganzen Weg über treu begleitete. Das „fiese“ Wetter lockt die Spaziergänger und Wanderer am heutigen Sonntag nicht aus ihren Häusern. Und so steht auch der Feldsee vereist und einsam am Fuße des Feldbergs. Die Rinnsale, die die Wege oft queren sind nun zu eisigen Teppichen geworden.

Der Felsenweg oberhalb des Feldsees ist auch bei gutem Wetter nicht unbedingt einfach zu laufen und die vereisten Wasserfälle machen es heute auch nicht gerade besser. Die zum Steilhang hin abschüssigen Wege werden für mich zur Mutprobe.

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An der Talstation der Feldbergbahn stehen die Lifte bereit oder drehen menschenleer ihre traurigen Runden. Die Geschäfte bieten Winterkleidung an und Cafés locken mit Heißgetränken und Kuchen. Doch es ist niemand da, der sich locken lässt. Der Winter ziert sich. So gern ich auch meine Ruhe habe, es ist doch ein wenig gespenstisch heute.

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Der vor mir liegenden Hangweg am Silberberg ist einer meiner Lieblingswege und wurde in die Streckenplanung extra eingeflochten. Das Eis macht die spaßig zu laufenden Wege zu einer eher riskanten Sache und der Nebel raubt mir die wohlverdiente Aussicht auf den ebenso geliebten Belchen.

Ich kann es mir nicht erklären, doch obwohl die Bedingungen heute eher bescheiden sind, vergeht die Zeit relativ schnell. Ehe ich mich versehe, habe ich den letzten Gipfel – das Herzogenhorn – erreicht.

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Alpenblick gibt es heute keinen, aber einen neuen Abstieg, den ich zum ersten Mal laufen werde. Beim bergablaufen lasse ich den heutigen Lauf Revue passieren und meine Gedanken kreisen.

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Ich bin stolz, mal wieder meiner Faulheit widerstanden und die Strecke spontan nicht auf zwei Drittel gekürzt zu haben. Weiterhin kann ich sagen, dass ich den Sonntag für mich zu einem fester Größe etabliert habe. Dafür stehe ich sogar extra früh auf, damit ich mich danach länger in dem wohlig-müden Gefühl nach einem langen Lauf suhlen kann. Mein Körper passt sich langsam an die steigenden Anforderungen an und gibt Rückmeldung. Neben dem Willen, sehr lange laufen zu wollen, braucht es noch den physischen Rahmen, sehr lange Laufen zu können. Ich schleppe eben zu viel Masse herum, so dass die Schwerkraft ein „schwer“wiegender Faktor bei den Läufen wird. Da hilft es auch nicht gerade, die durch mühsam zerlaufenen Kalorien mit zwei Zimtschnecken zu ersetzen.

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