06: Kalte Sonne.

Man sollte meinen, dass meine Lust auf’s Laufen am heutigen Sonntag ins unermessliche steigen müsste, wo ich mich doch letzte Woche so vehement über das trübe grau beschwert habe. Tatsächlich ist die Laune schon ein wenig besser, da sich ein klarer blauer Himmel und viel Sonnenschein ankündigt. So habe ich das siebengebirgige Ziel meiner heutigen Odysee zunächst für mich allein und das genieße ich, denn ich weiß, dass es sich im Verlaufe des Vormittags ändern wird.

Die frühmorgendliche Wintersonne wärmt die zunächst -5°C kalte Luft nicht wirklich auf, tut dem steifen und verfrorenen Gemüt aber trotzdem gut. Das auf dem Wegen liegende Laub ist unten glitschig und oben gefroren. So wird das Laufen jeglicher Steigungen zu einer anstrengenden Angelegenheit. Während man im Frühjahr und Sommer auf den Singletrails des Siebengebirges wunderbar vor sich hin fließen kann, fräst man heute auf dem hartgefroreren Boden herum.

Das schöne und gleichzeitig herausfordernde an meinen Sonntagsläufen – vor allem im Winter – ist es, sich meinem Gemüt und den Gegebenheiten des jeweiligen Tages hinzugeben. Ich versuche fokussiert auf den Weg vor und aufmerksam für die Umgebung um mich zu bleiben. Das Lichtspiel der einfallenden Sonne und der funkelnde Sternenstaub auf den zugefrorenen Wegen streicheln die Laune heute.

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Weiteres Seelenbalsam ist meine Fünf-Sterne-Ration für Langstreckenläufer: Gesalzene Macadamia-Nüsse und Datteln. Der Energieinhalt dieser Kombination ist genauso hoch wie Kernbrennelemente und eine Geschmacksexplosion für die Geschmacksnerven. Neben dem Zuckerspiegel in meinem Blut steigt auch meine Laune in schier unermessliche Höhen. Meine Fünf-Sterne-Ration ist eine feste Größe bei meinen Läufen geworden, da es zum einen eine Abwechslung zum Wasserlutschen aus den Flasks ist und zum anderen die Halbzeit einläutet. Ich stehe dazu: Spaß am Laufen hin oder her, nach einer gewissen Länge ist das schöne am Laufen auch immer deren Ende, wenn man sich ruhigen Gewissens auf die Couch fläzen und die Füße hochlegen kann. Doch dazu muss ich noch einige Kilometer hinter mich bringen.

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Ich denke über meine neue, liebgewonnen Heimat nach und wie sehr ich mich an sie gewöhnt habe. Während ich an Familien mit Hunden und vorbei und an einer Autobahn entlanglaufe fällt mir auf, dass der Schwarzwald zwar stellenweise auch sehr stark frequentiert wird, man aber doch genügend viele und ausreichend große Waldstücke hat, welche zum einen nicht so stark frequentiert werden und zum anderen weit genug von großen, lauten Straßen entfernt sind.

Zeit, Gesundheit und Zugang zur Natur sind die größten Luxusgüter. Und der Liter Schokodrink im Auto. Zur Belohnung.

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Ein Gedanke zu „06: Kalte Sonne.

  1. trailrunnersdog sagt:

    Hey Orkan,

    schön dass du wieder öfter schreibst! Schön von dir zu lesen.

    Gruß
    sascha

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