04: Wankelmut.

Mal wieder habe ich den Wecker auf 4:00 Uhr morgens gestellt und dieses Mal den Akku meiner Stirnlampe geladen, so dass der Ladezustand des Akkus keine Ausrede sein kann. Hat mich aber trotzdem nicht daran gehindert, den Alarm umzustellen und drei Stunden länger zu schlafen.

Wenn man schon am Fuße der Zugspitze weilt, so muss es doch möglich sein, sich eine Zeitscheibe für’s Laufen freizuschneiden. Tatsächlich schaffe ich es und trete den Weg hinauf zum Wank an. Als ich schon früh eine falschen Abzweig wähle, möchte ich entnervt aufhören, entschließe mich aber, den ganzen Weg zurückzulaufen und weiterzumachen. Es ist nicht ganz so kalt wie erwartet. Zum matschigen Boden gesellt sich Nieselregen und irgendwann liegt Schnee neben dem Weg und eine Eisschicht auf dem Weg.

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Allmählich überwinde ich die „Anlauffaulheit“ und finde meinen Rythmus. Stetig geht es bergauf und der dichte Nebel in meinen Hirnwindungen weicht der klaren Alpenluft. Es ist schön, niemandem zu begegnen und ganz allein auf dem Gipfel des Wank zu stehen.

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Zurück im Auto trete ich die fünfstündige Heimfahrt an und habe die wohlige Ankündigung eines ordentlichen Muskelkaters in den Oberschenkeln und das selbstgefällige Grinsen eines fleißigen Läufern im Gesicht.

Mit den Tagen vergeht auch der wank’sche Muskelkater. Es ist nun Sonntag und mein nicht vorhandener Trainingsplan sagt, dass man heute mal länger Laufen könnte. Der Wetterbericht sagt einen herrlichen Herbsttag mit blauem Himmel, viel Sonnenschein und milden Temperaturen voraus. Und ich? Hänge in Jogginghose auf dem Supermagneten namens Couch. Wie schön wäre es, mich in mein Buch zu vertiefen und Stunde um Stunde verstreichen zu lassen…

Als ich also doch antrete, meine große Lieblingsrunde zu laufen, frage ich mich, warum es mir jedes Mal so schwer fällt, mich zu motivieren. Wenn ich denn mal laufe, laufe ich sehr gerne in vermeintlich „widrigen“ Bedingungen. Doch am heutigen Sonntag werde ich von Sonne verwöhnt. Es ist ein herrlicher Tag! Die klare, kühle Luft oben auf dem Hinterwaldkopf erlaubt weite Ausblicke auf den schneebedeckten Hochschwarzwald. Hinterzarten dümpelt verträumt vor sich hin und auf dem Rückweg setzt die schon untergehende Sonne eine warme Blutgrätsche auf Kniehöhe an.

Heute nehme ich meine Kamera bewusst nicht mit. Anstatt permanent nach schönen Motiven zu suchen, genieße ich den Moment und die tollen Ausblicke. Diesen Lauf widme ich nur mir. Es ist Balsam auf der Seele.

Getaggt mit , , ,

Ein Gedanke zu „04: Wankelmut.

  1. trailrunnersdog sagt:

    Hi Orkan,
    das schwere ist sich aus der warmen Wohnung zu begeben, kenne ich im Moment auch gut. Eigentlich dämlich sich wegen ein paar Minuten Anlaufschwierigkeiten um die vielen tollen Minuten zu bringen.

    Grüße
    Sascha

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