03: Ausreden.

Diese Woche habe ich kein Bild für dich. Warum? Weil ich keine Lust dazu hatte und meine beiden Läufe eher von Qual, denn von Freude geprägt haben. Es kommt wieder diese schwer zu beschreibende Übergangszeit zwischen Herbst und Winter, die einfach ätzend sein kann. Ich nenne es das Winterzeittrauma. Wenn die Sonne untergeht und das knackig-bunte Laub idyllisch funkelt, ist es ein leichtes, nach Feierabend nochmal die Laufschuhe zu schnüren und eine Dosis Sonne zu tanken, wo man doch den ganzen Tag unter Büroklimatisierung in Neonlicht gebrütet hat. Nach der Zeitumstellung, wenn man sich freut, dass der Arbeitstag sich dem Ende neigt und man zum zweiten Mal feststellt, dass man auch diese Armbanduhr hat vergessen umzustellen, setzt sich endgültig die Tatsache fest, dass der Winter kommt.

Es ist die Zeit gekommen, in der man morgens im dunkeln zur Arbeit fährt und im dunkeln nach Hause fährt. Das Schwarzwaldpanorama, welches auf der Rückfahrt die Begehrlichkeit weckt, nochmal seine Laufschuhe zu scnüren: Von Dunkelheit verschluckt. Die Moral: Hat sich unter der Decke auf der Couch versteckt. Ist ja auch kalt draußen.

So passiert es, dass man seinen Feierabendlauf auf den nächsten frühen Morgen verschiebt, der Wecker dann tatsächlich um 4:03 Uhr klingelt und man trotzdem nicht den Arsch hochkriegt. Das schlechte Gewissen begleitet mich also auch auf diese Dienstreise und wird noch größer, weil ich bei der letzten noch einen Beutel Laufkleidung mit an Bord hatte und dieses Mal: Nicht.

Die lieblos auf den Hotelteppich geklatschte Rumpfstabi beruhigt das Gewissen auch nicht wirklich, also verzichtet man auf das Käsebrötchen im Flug. Irgendetwas muss man ja mal tun. Und trotzdem bade ich im Käsefondue. Hole ich am Wochenende nach.

Ich kenne mich zu gut, als das ich weiss, dass ich das nicht tun werde. Am Samstag über den Markt schlendern und ausgiebig zu frühstücken lasse ich mir mittlerweile nicht nehmen. Und so vergeht die Zeit. Bis auch der Samstag auf der Couch zu versacken droht. Und als ich dann tatsächlich in Laufschuhen im Wald stehe, freue ich mich, dass dieser Lau vorbei sein wird und ich dann wieder auf die Couch darf. Ruhigen gewissens. Morgen dafür länger. Ich checke die Webcams im Hochschwarzwald: Schnee überall. Zug dorthin? Fehlanzeige. Schienenersatzverkehr braucht geschlagene 90 Minuten. Wenn ich also gemütlich frühstücken, Rucksackpacken und dorthin fahre, dann ist es schon so spät, dass ich im dunkeln nach Hause komme, worauf ich so gar keine Lust habe und außerdem: Schnee!?

Als Neu-Schwarzwälder fand ich das ja ganz toll. So viel Schnee. Aber wenn man zum zweiten Mal in kurzer Hose in hüfthohem Schnee versinkt und sich die Schienbeine aufschürft, weil man „Tauwetter“ falsch interpretiert hat oder sich zum x-ten Mal den Fuß verknackst, weil unter der Schneedecke eben ein Haufen Geröll liegt. Oder die Lieblingswege sind gesperrt: Lawinengefahr. Singletrail oder Leben? Dann doch lieber letzteres.

Also die lange Hausrunde, die – sobald man der Stadt näher kommt – von nichtgrüßenden Sonntagsläufern und Spaziergängern gespickt ist. Immerhin habe ich das Minimalziel erfüllt.

Und mit dieser Einstellung möchte ich nächstes Jahr einen ganzen Tag auf den Füßen verbringen?

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