Gardaseeberge.

Der Gardasee ist schön, keine Frage. Allerdings ist er auch kein Geheimtipp mehr und fast ganzjährig ziemlich überlaufen. Surfer, Segler, Rennradfahrer, Mountainbiker und natürlich auch Läufer buhlen um jeden Quadratmeter am, über oder auch auf dem See. Je mehr Menschen sich an einem Ort tummeln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich diesen Ort meide. Man will schließlich seine Ruhe haben. Warum ich dort nun schon zum zweiten Mal war?

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Es sind die Gegensätze (welches das obige Bild veranschaulicht), die irgendwie schon wieder harmonisch sind. Zum Einen: Die Einsamkeit auf den Trails passt kaum zu den Menschenmassen am Ufer. Je höher man kommt, desto einsamer wird man. Die Menschenmenge verläuft sich. In der Regel.  Trotzdem kann man nach dem Lauf noch ein paar Einkäufe erledigen, an der Promenade entlangflanieren (die meisten Leute sind eh verschwitzt) und gemütlich ein Eis schlecken. Zum Anderen: Die Berge der Alpen, die überlicherweise sehr schroff, hart und gnadenlos daherkommen und keine Fehler verzeihen, hier aber vom Gardasee umgarnt werden, wie eine zufriedene Katze die Schienbeine des Herrchens oder der Blick ein süßes Hundewelpen. (Geschmeidigkeit wird in den Bergen des Gardasees jedenfalls nur geheuchelt)

Oder von einer gemischten Herde Ziegen und Schaafe wie bei meiner ersten Begegnung mit den Gardaseebergen. Wenn man auf dem Bergrücken der Berge eine halbe Stunde lang von Ziegen begleitet wird, die einen an den Schnürsenkeln zupfen, die schwitzigen Beine lecken und ein Orchester aus Trampelei und Glockengeläut anstimmen, dann ist das eines dieser einmaligen, unvergesslichen Erlebnisse des Trailrunnings, die mir morgens auf der Arbeit ein Lächeln auf die Lippen zaubern und mir in Erinnerung rufen, warum mir diese Lauferei soviel Freude bereitet.

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(Dabei wollten wir eigentlich nur die Strecke des Limone Extreme Skyrace ablaufen)

Damals bekriegte man sich erbittert in den Bergen des Gardasees. Bunker und Fahrwege zeugen noch heute davon. Heutzutage streitet man friedlich auf dem See mit Segelbooten um Platzierungen oder den besten Platz am Eiscafé des Ufers. Man kann dort betagte deutsche Touristen beobachten, die den Touristenbooten entsteigen, sich eine Flasche des obligatorischen Limoncello kaufen, keuchend im Eiscafé Platz nehmen und sich um halb Zehn in der Früh ein Bier sowie einen Obstbrand hinter die Binde kippen und stur deutsch redend ihren selbst mitgebrachten Limoncello in den mitgebrachten „Pinnchen“ im Eiscafé zu probieren. Neben Bier und Obstbrand. Um halb Zehn Uhr morgens.

Wir schämten uns ein wenig und flohen auf den Monte Brione, die geöffnete Muschel von Berg, die am Nordufer Torbole und Riva voneinander trennt, sowie ein paar schmucke Trails und tolle Aussichten bietet.

Wo viele Menschen, da viele Ärgernisse. Wenn beim Abendessen der Nebentisch nach fünf Minuten schon seine Vorspeise bekommt und man selbst seit einer halben Stunde an Grissini und dem trockenen Brötchen vom Frühstück knabbert, kann man sich entweder tierisch aufregen, oder einen der unendlichen vielen Gipfel der Gardaseeberge besteigen. Den Cima S.A.T. zum Bleistift. Von Riva führt der Weg an der „Bastione“ vorbei zur Kappelle „Santa Barbara“ hinauf auf den schroffen Gipfel, dessen Italienfahne man vom Ufer aus erkennen kann.

Oben angekommen ist man dann auch „bedient“. Nach Abstieg über die (im frühen Frühling teilweise noch schneebedeckte) Nordseite des Berges kann man sich in einer der Eisdielen weiter „bedienen“ lassen und ein köstliches Eis schlecken.

Man kann seine Energie in destruktive Sachen stecken. Oder eben nicht. Die Gardaseeberge bieten jedenfalls genug Möglichkeiten, seine Energie in schmale Wege und steile Felsstufen zu stecken oder sie mit den Köstlichkeiten der Städte wieder aufzufüllen. Im Zweifel immer rauf auf den Berg.

Bis demnächst.

Getaggt mit , , , , , ,

2 Gedanken zu „Gardaseeberge.

  1. koppdaniel sagt:

    Wieso ist die geile Matte wieder unten?

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