Portfoliomanagement.

Es gibt sie und jeder hat sie: Strecken für verschiedene Zwecke. Die Einflussfaktoren für die Streckenwahl sind so mannigfaltig wie regional abhängig. Im Sommer können wir aus dem Vollen schöpfen. Wir sorgen uns weniger vor mangeldem Tageslicht, als vor Hitzeschlägen, weshalb wir unsere längeren Wochenendläufe in schattenspendende Wälder verlegen und exponierte Höhenlagen vermeiden. Oder vermeiden sollten. Es ist die ideale Zeit für berufstätige, da die frühen Morgen- bzw. späten Abendstunden angenehm wärmendes, goldgelbes Sonnenlicht bieten und gleichzeitig wohltemperiert daherkommen, so dass wir auf kürzere Ründchen zurückgreifen und diese – je nach Laune – mit mehr oder weniger Höhenmetern garnieren können. Wir unternehmen mehr oder weniger regelmäßig Ausflüge in greifbares Hochgebirge.

Im Herbst sieht die Sache schon anders aus. Zunächst machen uns die sinkenden Temperaturen zu schaffen, welche wir mit gut gewählter Laufbekleidung kompensieren können. Irgendwann rauben uns kürzer werdende Tage und die Zeitumstellung jegliches Tageslicht. Unsere Feierabendrunden weichen aus in westliche Hanglagen, so dass wir vielleicht noch ein wenig Licht abbekommen. Letzten Endes entscheidet die Stirnlampentauglichkeit der Runde darüber, ob wir sie laufen oder nicht. Unsere Wochenenderunden sind noch relativ flexibel, werden aber zusehends in die Tagesmitte gelegt. Immerhin will man sich ja nichts abfrieren. Die Ausflüge in die Alpen gehen gegen Null.

Der Winter raubt uns jeden Nerv. Tageslicht ist quasi keines mehr vorhanden, die Temperaturen sinken so stark, dass man so lange mit Ankleiden beschäftigt ist und die ein oder andere Runde deswegen ausfallen lässt. Viele Wege sind so fies beschneit, dass man ständig Gefahr läuft, unter der so schnuckelig anmutenden Schneedecke auf Geröll zu treten und sich jegliche Bänder zu zerstören. Expeditionen auf den Nanga Parbat möchte man keine Unternehmen, so dass man jeden halbwegs hohen (Mittelgebirgs)Gipfel meidet und an den Talrändern anlangzuckelt. Idealerweise verirrt man sich auf seinen Ausweichrunden, da der schmale Trail vom Vorjahr einer zugefroreren Harvesterspur gewichen ist, die so breit ist, dass die gesamte Personalabteilung einer mittelständischen Firma nebeneinander dort winterwandern kann. Wenn man nicht auch dort Gefahr laufen würde, sich sehenden Auges die Bänder zu zerstören. Dann doch lieber seine intakten Bänder auf „echten“, dafür schneebedeckten Trails riskieren.

Wohl dem der ein breites „Portfolio“ an Strecken hat, dieses gut zu „managen“ weiss oder ein paar neue Strecken „aquirieren“ kann. Oder man wartet geduldig auf den Frühling.

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