Rheinbrücken.

Als ich Thomas kontaktierte, ob er mir nicht die „Sieben Rheinbrücken“ Runde zeigen möge, ahnte ich noch nicht, dass mich in Köln ein paar sehr lehrreiche Stunden erwarten sollten.

Thomas hat noch den Zugspitz Ultratrail in den Knochen, weshalb er mir anbietet, mich mit dem Fahrrad zu begleiten. Ein Angebot, dass ich dankend annehme, denn zum einen hätte ich die Runde alleine garantiert nicht zusammengekriegt (trotz .gpx Track) und zum anderen wäre ich alleine ganz bestimmt nicht auf Asphalt und ganz bestimmt nicht in der Kölner Menschenmenge gelaufen. Neugierig bin ich trotzdem, was es mit dieser Sieben-Rheinbrücken-Runde auf sich hat, wo ich doch andauernd Leute sehe, die diese Runde laufen und ihre Bilder in der entsprechenden Gruppe eines sozialen Netzwerks veröffentlichen.

Es ist 19 Uhr und einen besseren Tag hätte ich mir für dieses Experiment nicht aussuchen können. Die untergehende Sonne scheint prall, es ist kein Wölkchen am Himmel und der Rhein stromert vor sich hin und kühlt die Ufer ein wenig. An diesem laufe ich auch schon auf die erste Brücke ganz im Süden zu.

Rodenkirchener Brücke

Rodenkirchener Brücke

An der Rodenkirchener Brücke führt auch der 171km lange Kölnpfad entlang, den eine Horde Menschen am kommenden Wochenende laufen wollen und dessen vierten und letzten Verpflegungspunkt Thomas betreuen wird. Bei der Bruthitze dürfte das ein Heidenspaß werden und so wurde im Vorfeld auch schon eine Karte mit Kiosken und Tankstellen veröffentlicht, an dem man sich zwischendurch abkühlen kann.

Am Rheinufer über schmale Wege geht es zur zweiten Brücke. Die Kölner liegen leicht oder garnicht bekleidet am Ufer rum. In diesem eher ruhigen Teil sind das aneinander klebende Pärchen.

Südbrücke

Südbrücke

Im (vollgepinkelten) Brückenpfeiler erklimme ich die zweite der sieben Rheinbrücken zu Köln. Auf der Südbrücke kommt der Dom immer näher in Sicht. Am Skatepark an der Südbrücke vorbei laufe ich an einer schönen Rheinpromenade vorbei und ziehe die Blicke auf mich. Was mir unangenehm ist, ich aber selbst Schuld bin, wie Thomas richtig konstatiert. Die Leute nehmen ihre Kaltgetränke und Warmspeisen zu sich, während ich unterbewusst schneller werde. Man will ja nicht doof aussehen. Am Sport- und Schokoladenmuseum geht es über die Drehbrücke am Schokoladenmuseum, einer der Hafen- und somit Bonusbrücken. Hier stand mal die Currywurst-Bude aus dem Kölner Tatort. Es ist schon hilfreich, wenn der federführende Streckenchef und Local mit einem läuft.

Severinsbrücke

Severinsbrücke

Der Slalom durch die Menschenmenge wird auch immer von Blicken, Nachäffungen und Gelächter begleitet. Als wir auf der dritten Brücke – der Severingsbrücke – sind und für eine Millisekunde allein, wird mir bewusst, dass es die Ruhe vor großen Menschenmengen und der damit verbundenen Hektik ist, die mich zu Unzeiten in die tiefsten Wälder zieht. Ich muss zugeben, dass die Auf- und Abstiege der Brücken für mich eine willkommene Kurzpause darstellen. Nein, hier kann ich keine große Steigung als Grund vorgeben zu wandern.

Deutzer Brücke

Deutzer Brücke

Über die Deutzer Brücken laufend (und radelnd) laufen wir in das Kölner Herz hinein. Die Leute sitzen mit ihren Bieren am Heumarkt und beobachten unser (oder eher mein) Treiben skeptisch. Ich laufe auf die Hohenzollernbrücke zu. Die fünfte Brücke ist für die Millionen Schlösser an den Gittern bekannt und mir in Erinnerungen, da ich mit dem Fernzug mehrere Dutzend Male diese Brücke überquert habe und mich ab hier sehr heimisch fühlte.

Hohenzollernbrücke.

Hohenzollernbrücke.

Ich gratuliere Thomas zu seiner Rheinbrücken-Challenge und gestehe, dass ich am Anfang sehr skeptisch über all‘ die Challenges war, die plötzlich aus den sozialen Netzwerken schossen. Ich sage ihm auch, dass ich es tunlichst vermied und vermeiden werde, auf Asphalt zu laufen. Jedoch haben viele Leute Spaß an dieser Challenge, es bringt Leute zusammen und zum Laufen und darum geht es ja maßgeblich. In unser beider Augen. Außerdem schlägt Thomas als „City-Explorer“ gewissermaßen eine Brücke zum „Citytrail“ und für den ein oder anderen zum handfesten „Trailrunning“. Hoffentlich.

Zoobrücke.

Zoobrücke.

Während dieser Runde lerne ich fiel über die urbane Kultur Kölns und der Verbundenheit der Leute zum Dom, Kölsch und dem Rhein. Skate-Plazas, Streetball-Courts, urbane Minigolf-Plätze, Strandbars und Wiesen ziehen die Menschen an wie mein stinkendes Shirt Flugdinosaurier im Kleinformat. Es ist eine Welt derer ich mich gerne entziehe, die aber dann und wann auch auf mich einen gewissen Charme versprüht.

Mülheimer Brücke.

Mülheimer Brücke.

Irgendwann erreichen wir das nördliche Ende und den Wendepunkt der Runde. Die Mülheimer Brücke. Als wir den Rückweg antreten läuft eine Gruppe Jugendlicher der Kölner Spaßgesellschaft auf mich zu und fragt mich, ob ich nicht der Typ bin, den er eben schon hat Laufen sehen. Alter! Das mag sein antworte ich und beantworte ihm die Frage, wie lange ich schon unterwegs sei. Er meint ein langgezogenes übertrieben und behauptet, dass das ja voll krass sei und zollt mir Respekt. Alter!

Mir wird bewusst, dass das wir ich hier mache in der Tat garnicht so ohne ist. Man muss sich das bei dem ganzen Höher-Schneller-Immer-Weiter-Immer-Öfter des Laufens vor Augen führen. Es ist nicht selbstverständlich, einfach so circa drei Stunden durch die Kölner Abendsonne rennen zu können. Oder irgendeinen verdammten Anstieg in einem Mittelgebirge.

Es sind Thomas‘ Anekdoten über Köln die diese Runde so besonders und diese Stadt so interessant machen. Ein „Fun-Fact“ hier, ein lustiges Erlebnis dort und plötzlich wird aus einer städtischen Laufrunde über sieben Brücken ein großes Abenteuer. In dieses Konzert der Anekdoten stimmt die hinter dem Dom untergehende Abendsonne harmonisch ein und gibt meiner Seele ein High-Five.

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