Keepers of the Trail.

Es ist eine Situation, die symbolisch für den Geist steht, den Trailrunning für mich verkörpert: Vom Parkplatz direkt auf Trails rennen vier Menschen in den Wald. Zwiebel kenne ich seit meiner ersten Trailveranstaltung. Ein gemeinsamer Freund von Zwiebel und mir (Danke Olaf!) stellte den Kontakt zu Holger her, mit dem ich ein paar Monate zuvor in Freiburg laufen war. Wir stellten dabei fest, dass wir ähnliche Interessen, akademische Ausbildungen und Passionen hatten. Ein bis dato wildfremder Mensch inspirierte mich zu neuen Abenteuern. Das Quartett komplettierte Jan, welcher sich an diesem Morgen seine ersten Trailschuhe gekauft hat und mit uns die schönsten Trails lief. In einer Nußschale: Durch alte Freunde findet man neue Freunde, zeigt neue Reviere, wird in alten Revieren herumgeführt, rennt der Neuling mit alten Hasen. Und alles ist so selbstverständlich wie der Dreck unter unseren Schuhen.

Das Wetter meint es heute ziemlich gut mit uns und dementsprechend ausgelassen ist die Stimmung. Es wird viel gescherzt und gelacht. Imaginäre Waren wandert über Ladentheken, potentielle Projekte werden diskutiert und ordentlich gefachsimpelt. Und es wird gerannt als gäbe es kein Morgen mehr.

Mit den  bekannten Abschnitten der Route werden Erinnerungen an gemachte Bekanntschaften, entstandene Bilder und epische Läufe wach. Mit dem Siebengebirge verbinde ich einfach eine gute Zeit.

Während die neuen Abschnitten mich zum x-ten Mal von der Schönheit des Siebengebirges überzeugen. Falls man das Siebengebirge nur von den Autobahnschildern der A3 kennt, ist es spätestens jetzt Zeit die Raststätte und den Tankschlauch gegen Wanderparkplatz und Laufschuhe einzutauschen. Die sieben Berge bieten krasse Trails und unbegrenzte Möglichkeiten seine Beine mit Höhenmetern aufzupumpen.

Das die Jungs mich an jedem Anstieg stehen lassen verzeihe ich ihnen. Aber laut Zwiebel muss der „Berzerker“ eben „berzerkert“ werden. „Voll das Mopped!“.

Man verspricht mir, beim „Entsafter“ am Samstag ganz gemütlich zu machen und ich glaube es ihnen. Ein wenig mulmig ist mir trotzdem als ich Rudi erblicke, der gerade (eine Strecke die wir heute laufen sollten) angeradelt kommt. Rudi ist am vergangenen Wochenende 4. beim Zugspitz Ultratrail gewonnen, hat seine Altersklasse gewonnen und bei der Ultratrail-Weltmeisterschaft dieses Jahr einigen jungen Kerls aus meiner Altersklasse in den Hintern getreten. Das ich ein wenig ehrfürchtig erstarre liegt aber keinesfalls an Rudi, sondern an meiner Fähigkeit, um Topsportler eine gewisse Aura zu kreieren. Das Trailrunning im Vergleich zu anderen Sportarten ziemlich allürenfrei daher kommt ist einer der Gründe, warum ich nach 18 Jahren meinen alten Sport endgültig an den Nagel gehangen habe.

Man sollte wissen, dass ich eine Sportart ausgeübt habe, in der der bessere den schlechteren in Dauerschleife die Hackordnung hat spüren lassen. Es lag im Prinzip der Sache. Hier im Siebengebirge und auf schmalen Wegen ist es das normalste der Welt, dass einer von Deutschlands besten Trailläufern in unserer Mitte läuft und Anekdoten mit uns austauscht.

Ehrlich gesagt erinnere ich mich nur an wenige Gespräche dieses Samstages, was heisst, dass ich mich ziemlich wohl gefühlt haben muss. Es ist immer wieder schön, wenn für einige Stunden nichts wirklich wichtig ist, außer der gemeinsamen Freude an der Natur um dem Laufen.

Ein Gedanke zu „Keepers of the Trail.

  1. gojacob sagt:

    Schönes Ding! Möchte man am liebsten auch gleich dort durch die Gegend „berzerkern“. XD

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