Die drei Schluchten.

Hmm.

„Guck mal, das können wir doch mal machen!“ ruft mir meine Freundin zu und drückt mir eine Wanderzeitschrift auf die Brust. Neugierig schaue ich mir den Text an und lese die Bilder. Klingt interessant und liegt auf unserem Kontinent. Mit Kartenmaterial und dürftiger Wegbeschreibung bastele ich die Route zusammen, welche uns nach Bachheim führt. Dieser verschlafene Ortsteil Löffingens liegt in der Baar-Hochebene zwischen Schwarzwald und schwäbischer Alb. Im sogenannten „Tränkebachtal“ gelegen, wird es wie ein Hufeisen von den drei Naturschutzgebieten der „Engeschlucht“, der „Gauchachschlucht“ und der „Wutachschlucht“ eingekesselt. Das deutsche „Grand Canyon“ beherbergt 40% aller in Europa vorkommenden Pflanzenarten und jede in Süddeutschland vorkommende Gesteinsart. Die Baar-Hochebene erinnert mich ein wenig an den Odenwald. Ländlich, verschlafen, hügelig und ziemlich ruhig.

Am Wanderparkplatz stehen eine Handvoll Autos und am Rast-/Spielplatz sitzen ein paar Menschen, die sich wenig um uns scheren. So habe ich das gern. Über grüne Wiesen, vorbei an einem Bienenstock geht es in ein gelbes Feld, geradewegs auf den Waldrand zu. Der Übergang von Feld zu Wald ist schroff. Das grüne Tor schirmt uns sofort ab vom Sonnenlicht und führt hinab in die Engeschlucht.

Vom gestrigen Unwetter sind die Wege weich und schmierig. Der Tränkebach kommt erst mit Verzögerung zu uns in die Schlucht hinunter, wo umgestürzte Bäume und Insekten schon lange sind. Ich wähne mich ein wenig im mittelamerikanischen Urwald. Schwül, heiss und voller Insekten. Das permanente auf und ab spuckt uns an der Gauchachschlucht aus. Ein wenig bizarr sehen die Wände der Schlucht aus. Ein bischen so wie ein halb abgetragenes Backsteinhaus mit naturfarbenen Backsteinen. Der Mensch hat an so manch einer Stelle der Schlucht Pfade abgerungen. An diesen halb abgetragenen Wänden führen schmale Steinpfade an dem rauschenden Fluss entlang. Die Bäume oberhalb der Schlucht und das fließende Wasser sorgen für Abkühlung an diesem eher heißen Nachmittag.

Die enge Schlucht weitet sich und führt am Wanderheim Bachheim vorbei. Das Wanderheim hat ein Dutzend Bierbänke aufgestellt, an denen man in der Schlucht dem Wasser beim plätschern zuhören kann. Wir sind die einzigen Gäste, was die junge Kellnerin jedoch nicht davon abhält in Seelenruhe ihr privates Telefongespräch zu Ende zu führen. Sie hat Wasser. Wir wollen Wasser. Ergo sitzt sie am längeren Hebel und ich setze ein Lächeln auf.

Ich frage mich, warum diese wunderschöne Schlucht an einem so wunderschönen Samstagnachmittag so (wunderschön) leer ist. Über die Holzbrücke, die uns wie in Super-Mario katapultartig Hüpfen lässt, queren wir den Fluss zum gefühlt dreihundersten Mal. Das Rauschen des Flusses tut der Seele richtig gut. Am Amselfelsen vorbei laufen wir auf den Kanadiersteg zu. Dieser Steg ist gleichzeitig der Übergang der Gauchach- in die Wutachschlucht. Die „wütende Ach“ entspringt am Feldberg, wechselt bis hierhin ca. sechs Mal den Namen und mündet irgendwann in den Rhein. Entlang der Wutachschlucht führt sowohl der Querweg Freiburg-Bodensee, sowie der Schluchtesteig. Hier beginnt der imposanteste Teil des ohnehin schon sehr imposanten „Drei-Schluchten-Weges“.

Die zurückgelegten Höhenmeter beim auf und ab werden immer mehr und mir wird plötzlich klar, dass wir uns hier zwischen 60 und 170 Meter (!) unterhalb der Felder bewegen. Ich fühle mich wie Super-Mario, der in eine Röhre geklettert ist und nun unter der Erde rumläuft. Wir laufen den wandnahen Steinwegen der Schluchtenwände entlang und befinden und plötzlich etliche Meter über dem Fluss. Die nun geschmeidigen, immernoch-wandnahen Wege wechselt schroff in riesige Steinstufen, so dass wir wieder direkt neben dem Fluss laufen.

Wutachschlucht.

Wie surreal diese Expedition war, wird mir klar, als wir aus der Wutachschlucht aufsteigen und in ein weiteres, verschlafenes Dörfle gelangen, auf dessen Wald- und Wiesenwegen wir zurück zum Wanderparkplatz Bachheim laufen. Die herausgeputzten Bilder aus der Wanderzeitschrift sehen in der Realität noch imposanter aus und auch das tonunterlegte Video wird der Realität nicht ansatzweise gerecht. Die Schluchten werden uns wiedersehen und dann zu sehr frühen Uhrzeiten, wenn die Natur aufwacht und man Flora und Fauna persönlich einen „Guten Morgen“ wünschen kann.

Ein Gedanke zu „Die drei Schluchten.

  1. Fox sagt:

    Die Gegend ist awesome! War dann schon einige Tage wandern – wirklich ein schönes Fleckchen Erde!

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