Schwarzwald Episode II: Der Westweg schlägt zurück.

Verbringt man seine Zeit laufend im Schwarzwald, wird man den Namen früher oder später hören: „Der Westweg“. Faktisch ist der Westweg der erste vom Schwarzwaldverein gegründete Wanderweg und führt von Pforzheim 285 km nach Basel. Im Jahre 1900 wurde der Weg angelegt und seitdem mehrmals geändert, so dass er sich heute Prädikatswanderweg nennen darf. Tatsächlich ist es der wichtigste, berühmteste und schönste Wanderweg für jeden Schwarzwaldliebhaber. Als Höhenweg nimmt der Westweg so ziemlich alle hohen Berge des Schwarzwaldes mit und bewegt sich gerade in dem von uns abgelaufenen Abschnitt zwischen Feldberg (1493m), Belchen (1414m) und Hochblauen (1165m) immer über 1000m. Dieser ca. 42km lange Abschnitt gilt als imposantester Abschnitt mit den spektakulärsten Ausblicken. In Vergangenheit haben wir die drei Gipfel einzeln in mehreren Varianten erklommen und sind Teilstücke des Westweges gelaufen, doch nun wollten wir uns dem Westweg als solches widmen…

…und starteten am Fuße des Feldbergs. Entlang des Westwegs sind solche Tore aufgestellt und im Boden dieser der Westweg symbolisch in Metall gegossen. Man kann sein „Wanderkärtle“ mit dem Stempel der jeweiligen Station abstempeln und wenn man alle sammelt bekommt man eine Schwarzwälder-Kirschtorte und einen Bollenhut. Glaube ich.

Der Feldberg ist schnell erreicht und frühmorgens noch ziemlich leer. Das Panorama ist wolkenverhangen und die kahle Kuppe des Feldberges nicht sonderlich schön. Doch das ist eine andere Geschichte. An der St. Wilhelmer Hütte vorbei geht es über Stübenwasen zum Notschrei, Gabelung der regionalen Landstraße und im Sommer inoffizielle Rennstrecke für Motorradfahrer. Üblicherweise bin ich sehr pingelig was Forstwege auf Trailstrecken angeht, doch heute stelle ich meine enormen Ansprüche ein wenig zurück und genieße die herrliche Aussicht die für den anfänglichen Schotter doch sehr entschädigt. Permanent auf der Höhe laufend genießt man die herrlichsten Blicke in den Schwarzwald, für welche der Westweg auch überregional bekannt sein soll.

Im Winter kamen wir an einem Steilabschnitt vorbei, an dem besonders „nachhaltig“ geforstwirtschaftet wurde. Der Westweg wurde an dieser Stelle komplett umgepflügt, so dass wir über frostige Vollernterspuren manövrieren mussten und im Frühling ein paar Monate später die Folgen sehen: Ein breiter Forstweg, der sich nicht wirklich von den Strapazen erholt hat und Fußgänger die am Rande dieser Matschwüste den Hang hinaufgehen. Was folgt, entschädigt:

Wir verlassen den Wald und laufen über eine almartige Wiese ein wenig hangabwärts. Dieser schmale Weg verdeutlicht mir, was der Schwarzwald für mich geworden ist: Ruhiges Höhenidyll. Ein Bauernhof ziert den Weg, Täler und Hügelketten der Ferne das Panorama. Das Wiedener Eck könnte gegensätzlicher kaum sein. Hier verkehrt ein Bus, welcher Horden von Wanderern ablädt, die möglicherweise direkt in die Einkehr stürzen und sich dort über die Motorradfahrer beschweren, die hier ihre Privatrennen abhalten. Rennrad und Tourenradfahrer, die an einer weiteren Pforte des Westweges rasten. Und wir.

So schnell man in die Zivilisation kommt, so schnell entfernt man sich beim Westweg auch von dieser. Das ist ein Vorteil. Es folgt ein steiles Stückchen Forstweg, der am Rand des Waldes Panorama genießen lässt. Links Wald, rechts Wiese und Tal (je nachdem in welche Richtung man läuft). Der Weg ermöglichst uns den Blick zu einer kleinen Hütte, die wir von unseren Belchen“skyraces“ wiedererkennen. Der Forstweg verliert sich im Wald und wird zu einem schönen Trail. Wir nähern uns auf schmalsten Pfaden dem Belchen und immer wieder erhaschen wir durch den dichten Wald Blicke auf das, was wir so gern zurücklassen: Straßen, Städte und Zivilisation. Nachdem wir die „Krinne“ erreichen, beginnt der steile Aufstieg zum Belchen. Was folgt ist einer der schönsten Trails die ich je gelaufen bin. Man tritt hinaus aus dem Wald, auf einen steinigen, wurzeligen, schwierigen Hangweg und blickt westwärts auf die elsässer Vogesen, die man an diesem (mittlerweile) herrlichen Tag sieht. Unter uns liegt das Münstertal und vor uns ein paar „asoziale“ Serpentinen die uns hinauf zum Belchen führen.

Am Belchen ist „Bergfest“ des Ausfluges. Das meiste haben wir nun hinter uns. Was ich besonders mag ist die Tatsache, dass man vom Belchenvisier sowohl unseren Startpunkt, als auch das Ziel sehen kann. Vom Rundumpanorama ganz zu schweigen.

Ein alkoholfreies Weizenbier (natürlich aus dem Schwarzwald) und eine Apfelsaftschorle retten mir den mittlerweile ziemlich ausgedörrten Hintern. Der Belchen tut der Seele immer wieder gut, denn hier gibt es die schönsten Trails und die schönsten Ausblicke im ganzen Schwarzwald. Ich wiederhole mich. Für mich persönlich beginnt nun absolutes Neuland. Den Westweg vom Belchen zum Blauen kenne ich im Gegensatz zu meiner Freundin noch nicht. Mein Eindruck vom Belchen bestätigt sich, denn auch dieser Weg, der vom Belchen zum (Hoch)Blauen führt strotzt vor tollen Trails und Panoramen. Große Unterhaltung!

Nach einem kurzen Abschnitt Panoramaschotter tauchen wir wieder ab in ein dichtes Waldstück mit einem ca. 4 km langen, fabelhaft-flowigen Trail. Wir genießen, laufen schweigend und vergessen die Tatsache, dass wir schon ca. fünf Stunden unterwegs  und nicht mehr ganz die frischesten sind. Es ist wieder einer dieser Gänsehautmomente. Obwohl mir warm ist bekomme ich Gänsehaut.

Das letzte Teilstück zum Hochblauen ist einfach nur steil und fluchend beugen wir uns unserem selbstgewählten Schicksal. Am Hochblauen angekommen ist die Freude ziemlich groß. Hier, am Außenposten des Schwarzwaldes lassen wir unsere Blicke schweifen. Diesmal in den Süden, wo der Schwarzwald sich gemütlich in Richtung deutsch-schweizerischer Rheingrenze absenkt. Im weiten Süden sieht man die Silhouetten der Alpen und im Westen die Vogesen. Ich fühle mich sehr gut. Mein alkoholfreies Siegerweizen schmeckt nicht ansatzweise so gut wie jenes am Belchen doch was soll’s. Uns kann heute keiner mehr was.

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