El Ruc Català.

Fragt mich nicht wieso, aber wenn ich auf deutschen Trails laufe, muss ich irgendwie immer an Mittelalter denken. Ich stelle mir dann vor, wie man mit Pferdekutschen durch Hohlwege fuhr und links und rechts plötzlich eine Räuberbande aus den Büschen sprang, laut „Buh!“ rief und die Pferdekutsche überfiel. Emiliagalottimäßig wurde dann die schöne Prinzessin, die in dieser Pferdekutsche gerade einen Hefezopf naschte auf eine Burg entführt, wo sie ihren 30m langen Zopf aus dem Guckloch ließ, so dass sie von Siegfried befreit werden konnte, welcher im Felsenmeer im Odenwald dann irgendwann unter Steinen begraben wurde. Aussicht. Festlandspanien und Katalonien im speziellen ist für mich ein leeres Buch, welches noch mit Geschichte gefüllt werden will. Die Pyrenäen Kataloniens flüstern mir viele von diesen ins Ohr. Der Tramuntana ist der beste Geschichtenerzähler und er erzählte uns an diesem sonnigen Tag einen gesamte Enzyklopädie ins Ohr…

Am Coll de Banyuls beginnt unsere Expedition. Der Tramuntana erzählt nicht nur Geschichten, sondern auch den Widerstand, welcher in dieser Gegend allgegenwärtig ist. So wurde in Banyuls der Widerstand gegen das Vichy-Regime organisiert, dessen tragische Geschichte unter anderem der Walter-Benjamin-Weg erzählt. In die andere Richtung versuchten katalonische Widerständler vor Franco zu fliehen. In beide Richtung schmuggelte man Waren. Mit Ponys und Eseln.

Grenzrücken.

Während wir auf dem Bergrücken (und somit der spanisch-französischen Grenze) laufen bin ich mal Flüchtling und mal Schmuggler. Der Tramuntana ist die Brücke zu alten Zeiten und ich versuche mir vorzustellen, wie man damals über diese Trails lief. Was man bei sich hatte, in welchem Gemütszustand man zu welcher Tageszeit und bei welchem Wetter lief. Es ist komisch, fröhlich und sorgenlos dort herumzulaufen, wo viele Schicksale tragische Wendungen erfuhren.

Es ist zudem ein wenig absurd: Die Sonne brennt. Es ist heiß. Der Wind weht. Es ist frisch. Ich wähne mich in den Alpen, die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen vor uns, doch wir sind am Mittelmeer unweit von Touries, die sich Biere hinter die Binde kippen.

Die nächste Tour führte uns in die Serra de Montclar und stand in totalem Gegensatz zu der Expedition auf dem Bergrücken. Den baumlosen, windigen Bergrücken mit weidenden Kühen tauschen wir gegen dicht bewaldete, heiße Felsformationen und Geckos, die vor uns fliehen.

DCIM107GOPRO

Es geht zunächst durch mediterrane Korkeichenwälder, bis wir vor dem ersten Felsen stehen. Frei oder mit Ketten gesichert klettern wir auf die Felsen, die senkrecht in den Himmel wachsen. Schulterbreit sind manche Wege und gehen links und rechts senkrecht in den Abgrund, doch der Blick über die „Baix Empordà“ entschädigt für die Gefahren und mulmigen Gefühle, die uns in luftiger Höhe begleiten.

Wir erreichen das Tagesziel: den Puig Montclar. Er ragt zwar nur 406m über das Meer, bietet aber einen hervorragenden 360°-Blick über die Region.

Puig Montclar.

Über sandig-felsige Wege fließen wir wieder ins Tal zurück, mäandern durch die Felsrinnen und schlängeln uns wie die Geckos durch die Baumreihen. Ein Genuss, in diesen Tagen kaum einem Menschen zu begegnen…

el Xeric.

…was am Strand von Calla Montgò anders ist. Weniger als der Strand interessiert uns die Küste und die Wälder, von denen dieser Strand umgeben wird. Die Trails führen am Rande der Klippen und Pinienwäldern entlang. Die messerscharfen Steine, auf denen wir laufen, stehen in krassem Gegensatz zu dem klaren, sanften Wasser, welches unter uns gegen die Klippen schlägt und dem Wind, welcher uns um die Nase weht. Von Bucht zu Bucht hangeln wir uns zum exponierten Punta Ventosa. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass wir auch hier einen einmaligen Blick über die umliegenden Buchten genießen.

Drei Ausflüge in einem Radius von 100km, welche gegensätzlicher kaum sein konnten, doch alle eins gemeinsam hatten: Ihre Einzigartigkeit. Es ist schier unvorstellbar, welche Eindrücke sich einem Menschen darbieten, so lange man neugierig und offen ist. Welche wunderschönen Trails dort auf einen warten, wo man es am wenigsten erwartet. Die Natur ist schön! Ich bin wieder ein Kind: mit grenzenloser Neugier entdecke ich die Welt.

2 Gedanken zu „El Ruc Català.

  1. Steve sagt:

    Wow, geniale Gegend!

  2. Chris sagt:

    Wunderschöne Bilder! Ich muss hier raus …

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