El Gos Binari.

Die Wohnung ist leergeräumt. Schweiß klebt auf der Haut, Staub in Haaren und Kleidung. Ein sechs Jahre währendes Kapitel geht nun zu Ende. Wie ein Etappenlauf hatte es seine Höhen und Tiefen, bla bla bla…

Für emotionales Gesülz habe ich an diesem Morgen keine Nerven. Die Sonne brennt mir auf die Augen, der Himmel ist blau. Es ist Anfang Frühling und ich laufe in kurzer Hose und T-Shirt über wundervolle Trails, während es in Deutschland schneit, windet und Scheisswetter ist. Ein selbstgefälliges Lächeln zieht mir die Mundwinkel gen Ohren, während ich durch das Geröll pflüge und wir uns hoch in Richtung blauem Himmel bewegen. Der Schweiß vom Umzug weicht schnell dem Schweiß des Laufens und der Staub in Haaren und Kleidung ist nicht mehr der Staub, welcher sich durch sechsjähriges, studentisches Reinemachen in Möbeln angesammelt hat, sondern jahrtausendealter Staub der Pyrenäen.

Das Castell de Montgri ist eine Festung, die zu Verteidigungszwecken gebaut und aufgrund mangelndem Krieg nicht ganz fertiggestellt wurde. Nun thronen die Außenmauern auf dem Hügel, der von der Landstraße garnicht so wild aussieht. Die Trails werden aber schnell steil und sind geröllig. Man läuft wie auf Eierschalen und kommt unweigerlich auf den Gedanken, dass der Steinschutz in meinen Schuhen hier erfunden wurde.

Wir laufen auf das Meer zu und wahnsinnige Downhills hinunter. Der Tramuntana weht uns fast um. Wir durchqueren Pinienwälder, die zur Befestigung von Dünen angelegt wurden. Wilder Rosmarin, Thymian und Anis wächst links und rechts. Ich bekomme Lust auf Spekulatius und Kräutertee. Wir sagen „Olá“ und laufen an der Kirche Santa Catarina vorbei wieder zum Ausgangspunkt. Tränen der Freude kullern meine Wangen hinunter und Fallen hinter mir in den staubigen Boden, aus dem sofort Lotosblumen sprießen. Immerhin bin ich Weltherrscher!

Ich fühle mich wie ein Pirat, als wir unseren Kurztrip auf Trails direkt am Meer in St. Marti beginnen. Das Örtchen ist der älteste Ort in Katalonien und war mal eine Insel. Heute gibt es hier Spielwaren statt Goldschätze. Interessiert mich weniger, denn der eigentliche Schatz sind die Trails am Meer. Wir laufen auf der Strandpromenade und überholen Radfahrer und Inline-Skater und wisst ihr was? Mich juckt es nicht, denn die Sonne scheint und ich habe Urlaub!

Das Wetter ist gut. Immernoch. Während Batteriesäurepiraten mit ihren Nachkommen an der winterlich-schneebedeckten Zugspitze wüten, wüten wir an der Ermita Sant Onofre. Wir schlängeln uns an den Dolmen – Kultstätten vergangener Tage – vorbei hoch. Die steinigen Pfade werden plötzlich zu kleinen Bachläufen, durch welche der GR92 führt. Am Berg entlang haben wir wundervolle Ausblicke über die Bucht und rüber zu den Pyrenäen. Wir kraxxeln und kraxxeln und erreichen Sant Onofre. Ob die Eremiten hier auch Trailrunner waren? Wahrscheinlich. Am Berg bläst der Tramuntana und wir steigen wieder hinab in den Ort. Das Wetter ist perfekt. Sonne, Wind und angenehme Temperaturen. Eine Wohltat nach dem kalten, deutschen Wetter.

 

Oberhalb der Ermita Sant Onofre ist die Ruine des Castell de Sant Salvador de Verdera. Sie befindet sich auf dem Bergrücken, welchen wir heute besteigen möchten. Wir parken in La Selva de Mar, dem vor Piraten versteckten Hauptörtchen des Hafens Port de la Selva. Ein Mittelmeerörtchen wie aus dem Bilderbuch. Schmale Gassen und ein Bächlein, welches durch den Ort fließt. Schnell sind wir raus aus dem Ort und ebenso schnell auf Trails am Coll de Saint Genis. Hier beginnt unser Ritt auf dem Bergrücken und spätestens hier, wo uns der Tramuntana begrüßt, wird klar, warum diese Region so besonders ist. Wir laufen auf die höchsten Berg der Pyrenäen zu, die uns schneebedeckt in der Ferne zuwinken. Links von uns ist die Ebene mit seiner sichelförmigen Bucht. Rechts von und hinter uns die rauen, felsigen Buchen des Cap de Creus. Wir begegnen keiner Menschenseele an diesem wundervollen Frühlingstag. Wir klettern über die Felsen, laufen an Steilhängen entlang, schauen hinunter in die Tiefe, laufen durch Schulterhohes Gestrüpp, schnuppern an wildem Rosmarin, Thymian und Anis, zerkratzen uns die Waden an Sträuchern und lassen die Tränchen der Freude vom Tramuntana trocknen, während wir auf das Castell de Sant Salvador de Verdera zulaufen. An diesem Ort hat sich eine Königin – der Legende nach – vor ihren arabischen Verfolgern in die Tiefe gestürzt. Wir naschen Kekse und stürzen uns die Serpentinen hinab gen Monestir Sant Pere de Rodes, welches diverse Postkarten schmückt. Nach schier unendlichen Serpentinen laufen wir durch Korkeichenwälder wieder hinab in den Ort, kaufen uns im Supermarkt Sesambaguettes, Käse und katalanisches Cacaolat, welches wir am Strand verspeisen. Wir wähnen uns im Paradies.

Und der Urlaub hat gerade erst begonnen…

Ein Gedanke zu „El Gos Binari.

  1. Steve sagt:

    Oh yeah…was will man mehr?

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