Neurotischer Eisbär.

Ich bin kein Freund des Winters und das hat diverse Gründe: Zum einen muss man als Mittelgebirgsläufer stets befürchten, dass die „Nachhaltige Forstwirtschaft“ mit ihren Harvestern Ackerbau betreibt und seine Hausrunde plötzlich dem Vorgarten Mordors ähnelt. Zum anderen ist da die sch**ss Kälte. Wenn man zum Anziehen seiner 38 Kleidungsstücke länger braucht, als für den eigentlichen Lauf, ist das nicht nur lästig, sondern raubt einem auch das Tageslicht. Von dem ist im Winter ja sowieso kaum was vorhanden. Positive Gemüter packen ihre Stirnlampen aus und freuen sich darauf, endlich in der Dunkelheit mit ihren Flutlichtern laufen zu können. Ich glaub diese Leute haben von den tollwütigen Dinosauriern und neurotischen Eisbären nichts gehört, die im Winter in Deutschland Schabernack treiben und reihenweise Menschen reissen.

Ich lasse mich gerne eines besseren Belehren und muss sagen: Der Winter und ich, wir werden uns so langsam warm (hahahaha)! Das Erlebnis vom Wochenende hat mich ein wenig milder gestimmt. Mit profilierten Schuhen auf einer harten, griffigen Schneeschicht bei strahlendem Sonnenschein und klarem Himmel durch die Gegend laufen lässt jede vorrausgehende Mühe vergessen.

Die Schneedecke legt sich immer dicker auf den Boden, erst knietief und kurz vor dem Gipfel hüfthoch. Die Schilder sind zugeschneit und die Wege nicht mehr erkennbar. An Laufen ist nicht mehr zu denken und die absolute Stille bemerke ich, als ich meinen Atem kondensieren höre. Es ist so still, dass die Wasserpartikel vor meinen Augen knisternd kristallisieren und nur von dem Rauschen der meiner Blutautobahn übertönt werden, welche dessen rote Blutkörperchen hupend an meinem Ohr vorbeirauschen.

Die zwei Wandererinnen sind überglücklich uns zu sehen und leicht panisch, da sie ihren Weg bis kurz unter den Gipfel erraten mussten. Eine von ihnen macht vor einem umgestürzten Baum kehrt, die andere nehmen wird im Schlepptau hinauf auf den Gipfel des Hochblauen. Ja, die zauberhafte Landschaft hier oben auf dem Gipfel entschädigt für alles. Immer wieder. Es scheint, dass die Belohnung desto schöner ist, je unwegsamer der Aufstieg.

Der Winter und ich sind nun per Du.

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