Die Wahrheit.

Oft kommen Leute zu mir und fragen mich: „Warum lieben dich die Menschen so sehr? Warum siehst du auf den Bildern so krass und dynamisch aus?“
Nun, auf die erste Frage kann ich antworten, dass ich einfach ein charismatischer, gut aussehender Typ bin und immer einen „kessen Spruch auf Lippe“ habe. Bei der zweiten Frage muss ich ein wenig ausholen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, wie ihr einfachen Läufer manchmal denkt.

Tatsächlich ist man als zukünftiger Weltherrscher darauf bedacht, den Schein zu wahren. So richtig laufen kann ich nämlich nicht. Die Zeiten sind vorbei. In einem heroisch-epischen Lauf, über dessen Gelingen ich bis heute stolz bin und sein muss, habe ich bewiesen, dass ich es kann. Es mal konnte. Auf dem Zahnfleisch. Schon damals wurde ich von Wanderern überholt, die mich auslachten, ich solle mit den „Stecken“ und dem „Kackhut“ mal nicht auf großer Sportler miemen. Ich war darauf bedacht, den mobilen Veranstaltungsfotografen früh auszumachen und bei Erspähen loszulaufen, so dass es auf den Bildern des Tages so aussieht, als ob ich wirklich gelaufen bin.
Ähnliches Konstrukt gilt für Fotofallen. Diejenigen, die ich nicht sah und welche mich gehend aufnahmen, sind auf – bis heute ungeklärte –  Art und Weise verschwunden.

Da ich diesen Schein bei regelmäßiger Teilnahme an Veranstaltungen nicht ewig hätte wahren können, beschloss ich, mir so eine „Actioncam“ zu kaufen und selber Bilder zu machen. Meine konsequente Nicht-Teilnahme an Veranstaltungen verkaufe ich bis heute damit, dass es doch viel cooler sei, seine eigenen Strecken zu basteln und eigene Abenteuer zu erleben, statt auf „Mainstream“-Veranstaltungen zu gehen. Nein, dumm bin ich nicht. Aber ein Lutscher.

Ich fing also an, mich in Szene zu setzen und das tat ich immer so: Schöne Stelle aussuchen, Kamera positionieren, mehrmals durch die Kamera laufen und dasjenige Bild aussuchen, welches nach „Dynamik“ schreit. Mittlerweile habe ich dieses System perfektioniert. Ich habe aufgehört, zu den Stellen hinzulaufen und fahre mit Bus und Bahn an den „Spot“. Der Weg von den öffentlichen Verkehrsmitteln zur „Location“ ist nun minimal. Manch einer fragt sich jetzt, warum ich dabei so authentisch aussehe. Nun, ich schwitze schnell. Kommt mir ganz gelegen. Ich habe übrigens auch das Millenium-Problem des „Travelling Salesman“ gelöst. Allerdings müsste ich dafür meine Methode offenlegen und das ist mir ein bischen peinlich. Außerdem habe ich das Geld und den Ruhm nicht nötig. Davon habe ich bekanntlich genug.

Mit steigender Anzahl an Terminen ist auch die Zeit rar, oft in die Natur zu gehen, was den Rucksack und die Trinkflaschen erklärt. Ich trage nämlich Kleidung mit mir. Man gehe einmal bei guten und einmal bei schlechtem Wetter zu einer „Location“ und lichte sich mehrmals und mit unterschiedlicher Kleidung ab, und voila: fertig sind die Archivbilder von denen man sich prima eine lange Zeit lang bedienen kann.

Meine längsten Läufe dauern ca. 20 Minuten, da ich gelegentlich für ein Snickers (und um die Kamera aufzuladen) eine Tankstelle besuche.

Komparsen habe ich im Laufe der Zeit auch akquiriert. Es sind besonders loyale Freunde, die in den sozialen Medien penetrant verbreiten, wie fit ich sei. Die Redaktion des TRAIL Magazins habe ich auch geschmiert. Im Gegenzug haben sie mir einen Revierguide zugeschanzt, bilden mich gelegentlich ab, rufen bei jedem Auftauchen meinerseits auf einem Revierguide laut: „Weltherrscher, du geile Sau.“ und teilen einmal im Jahr einen meiner Blogbeiträge.

Da es aber mittlerweile so anstrengend geworden ist, den Schein zu wahren, als tatsächlich fit und dynamisch zu sein, habe ich beschlossen wieder laufen zu gehen…

Ein Gedanke zu „Die Wahrheit.

  1. Steve sagt:

    Back on the track!
    Willkommen zurück, du Herrscher über Alles, außer Bayern! 😉

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