Gummibärenbande.

Aus der Anlage schallt ‚Like a Record‘ von Dead or Alive, Olaf und ich kurbeln die Fenster runter und fahren auf den Genkelparkplatz, Treffpunkt des letzten Revierguide des Jahres 2014. Ich schaue in die Gesichter der Läuferschar. Unter den vielen verdutzten Gesichtern sind einige, die lachend ihren Kopf schütteln und wissen, welche zwei Knalltüten dort angefahren kommen. Die anderen sollten in den nächsten knapp vier Stunden in den Genuss kommen, dies zu tun. Das ich Olaf vor zwei Jahren bei einem Revierguide kennengelernt und ihn heute einen guten Freund nenne, sagt über den Wert des Revierguides wohl einiges aus.

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Zugegebenermaßen stehe ich gerne im Mittelpunkt (bin ja auch der zukünftige Weltherrscher), allerdings sind mir die „Weltherrscher“-Rufe heute ein wenig unangenehm, da die Bühne doch eher für Jörg aufgebaut werden sollte. Ich lernte Jörg vor zwei Monaten bei meinem Revierguide im Odenwald kennen. Jörg schrie mir permanent drei Dinge ins Ohr: Die Strecke sei verdammt geil, am Ende würde er mich gerne umarmen und mir im Anschluss eine reinhauen. Letzteres hat Jörg dankenswerterweise unterlassen und mich stattdessen zu sich ins Oberbergische eingeladen.

Zwei Monate später stehe ich also tatsächlich an der Aggertalsperre und herze einen sichtlich nervösen Jörg. Ich kann sehr gut nachvollziehen, was er empfindet, doch statt ihn zu beruhigen mache ich ihn noch ein wenig nervöser. Meine charmante Art eben. Jörg hat eine knallgelbe Gummibärenbande um sich geschart und viele Leute sind gekommen, um das zu sehen! Die 8 (!) Guides teilen sich auf vier Gruppen auf und ich entscheide mich natürlich für die, die Jörg guided. Das lasse ich mir nicht entgehen. Es geht eine Weile latent bergauf, ehe wir uns in einem Downhill ganz nach meinem Geschmack verlieren. Einer, der es erlaubt, links und rechts vom eigentlichen Trail über Moos und Unterholz zu brettern, haarscharf vorbei an so manch einem Teilnehmer. Dafür entschuldige ich mich an dieser Stelle, aber ich kann nicht anders.

Mit ernster Miene sehe ich, wie mein Freund Carsten an seinen Schuhen fummelt. Später wird er mir erzählen, dass er vergessen hat, die Sicherheitsnadeln aus seinen Socken zu entfernen, diese sich geöffnet hat und er sie nach dem Downhill aus dem dicken Zeh puhlen musste. Nachdem das Problem „gelöst“ ist, steht diversen weiteren Downhillraces nichts mehr im Wege. Mit grinsendem Gesicht jage ich durch das Unterholz, immer irgendwie kurz davor an einem dieser riesengroßen Nadelbäume zu landen. Sowieso, die riesengroßen Nadelbäume, welche von Mooslandschaften umgeben sind und von braunen, butterweich-angewurzelten Nadeltrails durchzogen werden, als ob man sie mit einem Puderzuckerstreuer ausgelegt hätte, machen diesen Revierguide im Oberbergischen einmalig. Panoramas wie aus Bierwerbungen und dunstig, diesige Luft, wie ich sie irgendwie hier erwartet habe.

Auch Esther ist heute hier. Esther kenne ich von meinem ersten Revierguide vor knapp zwei Jahren in Koblenz (woher auch sonst). Sowieso sind die Revierguides Familientreffen einer immer größer werdenden Familie. Ob ich mich als Südländer deshalb so wohl fühle hier? Vielleicht. Ob es die Tatsache ist, dass es hier keine Schubladen gibt, bloß leere Trinkblasen? Sicherlich.

Wir erreichen die Aggertalsperre und es geht runter. Ich kürze die Serpentinen ab und trete eine Lawine von marodierenden Läufern los, die es mir gleich tun. Das Testosteron fordert uns gegenseitig auf, anstatt die Serpentinen hochzulaufen, doch lieber den direkten Stich zurück nach oben zu nehmen. So ertappe ich mich dabei, wie ich einen senkrechten Weg in einer nie zuvor gekannten Leichtigkeit nach oben renne. Zwar müssen unsere Beine – einmal oben angekommen – mit einem Castortransport endgelagert werden, doch das hindert uns nicht daran, die nachfolgenden Läufer im „Vertical K“ anzufeuern.

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Während des Laufs, laufe ich immer wieder zu Jörg auf und unterhalte mich mit ihm. Jörg ist sehr darum bemüht, dass die Veranstaltung perfekt wird. In meinen Augen ist ihm das auch gelungen (dabei waren wir noch nicht mal an der Verpflegungsstelle), jedoch schien seine Miene oft sehr ernst. Sind wir zu schnell? Jörg lief „genussmäßig“ vorneweg und Dominique hielt die Schäfchen am hinteren Ende beisammen. Immer wieder erklärte Jörg, wo wir hier sind und was hier so besonders sei. Am Ende gehen Jörg und ich gemeinsam auf den Parkplatz, Jörg sagt mir, dass er sich das garnicht vorstellen könne, dass ausgerechnet ER den Revierguide hier organisiert. Hätte man ihm das vor einem Jahr gesagt, hätte er laut gelacht. Ich erkenne mich in ihm wieder und sehe, wie die Anspannung langsam von ihm weicht, als er wieder am Parkplatz ist und seine verdienten Glückwünsche erntet.

Es sind Unikate wie er, die einen Revierguide so besonders und einzigartig machen und es sind Typen wie er, die mich mit großer Freude durch ganz Deutschland fahren lassen (gefahren werden lassem 😉 ), um ein paar Stunden durch die Gegend zu rennen. Es sind Typen wie Jörg, die Trailrunning zu dem machen was es ist: Einem bodenständigen Typen, der mit Stoffshorts einer Hardcore-Band an ihrem Auto stehen, Wasser trinken und sagen, wie geil Trailrunning doch sei.

Mein zukünftiger Dank geht raus an alle die teilgenommen haben sowie an alle anderen Guides. Habt ihr ganz toll gemacht! In Zukunft bitte vorwarnen, wenn es Verpflegungsstellen mit Kuchen gibt, dann packe ich nämlich die Tupperdosen ein.

2 Gedanken zu „Gummibärenbande.

  1. Wie immer sehr geiler Bericht 🙂 Ich hoffe wir laufen einmal zusamnen eine Runde! Vielleicht sogar bei einem Revierguide!

  2. Steve sagt:

    Das scheint ja mal wieder eine gelungene Veranstaltung gewesen zu sein.
    Schon genial wie sich die Revierguides über die Monate entwickelt haben.
    Da wächst eine tolle Community zusammen.

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