Apokalyptischer Bauchtanz.

Seit geraumer Zeit laufe ich ohne Ziel. Es gibt keine Wettkämpfe für die ich mich fit machen will oder muss. Die Emotionen, die mich beschäftigen schnüren meine Schuhe und sagen mir wie schnell ich rennen soll, welche Abzweigung ich nehme und zu welcher Uhrzeit ich laufen gehe. Es sind diese emotional getriebenen Läufe, die mir am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben sind. Ich muss zugeben es sind viele Emotionen.

Wenn ich unter Einfluss von Stress die Schuhe schnüre, renne ich los. So schnell ich kann. Weniger als der Weg ist das Tempo entscheidend. Tatsächlich warten die Aufgaben auf einen und rennen ihrerseits nicht weg. Doch für diese Zeit X lasse ich die Aufgaben Aufgaben sein und komme mit dem Gefühl wieder, dass es mir doch eigentlich gut geht. Es gibt Kraft, Stress durchzustehen. Laufen ist die Notbremse, die einen den Karren nicht an die Wand fahren lässt.

Manchmal ist die Wut das Gefühl, welches mich die Schuhe binden lässt. Dann suche ich mir die anstregendsten Strecken aus. Die Strecke ist dann mein Sandsack auf den ich einprügle, bis die Wut verflogen ist und ich garnicht mehr weiss, auf wen ich eigentlich wütend bin. Laufen lässt mich jemanden verprügeln ohne ihm Schmerz zuzufügen.

Oft sind es Fragezeichen, die sich an meine Schuhe haken. Ich laufe dann die schwersten Downhills, die ich hier kenne und in dem ich meine Linie suche, in der ich mit Tempo und Leichtigkeit den Hügel herunterkomme, so finde ich auch oft den roten Faden wieder, der mir bei der Lösung des Problemes abhanden gekommen ist. Laufen ist mein Professor, der alle Antworten auf meine Probleme weiss.

Wenn ich mit Freude in die Schuhe schlüpfe laufe ich gemütlich durch die Gegend und wähle eine Strecke, die geschmeidig ist. Ich streichle die Bäume und möchte soviel Kontakt zur Natur haben wie es irgendwie geht. Ich teile diese Freude und habe manchmal das Gefühl, dass mir der ein oder andere Baum zulächelt. Laufen ist mein Lächeln.

Wenn Trauer das Gefühl ist, welches mich die Schuhe schnüren lässt, suche ich die abgelegenen Pfade aus. Wege auf denen mir niemand begegnet und ich meinen Emotionen ungestört nachhängen kann. Es gibt einige Stellen, die ich dann aufsuche um dort zu rasten und mich von der Natur trösten zu lassen. Es sind meine längsten Ausflüge und sie passieren oft zu Tageszeiten die besonders still sind. In den frühen Morgenstunden oder zur späten Abendstunde. Dann, wenn es dunkel wird, aber gerade noch soviel Licht da ist, dass man ohne Stirnlampe gerade noch so den Weg sieht. Wenn eine Tür zugeht ist die Lauferei diejenige, die eine andere aufmacht.

Ein Gedanke zu „Apokalyptischer Bauchtanz.

  1. Bernhard Sesterheim sagt:

    Chapeau, sehr schön geschrieben mit tiefgehendem Inhalt. Bei einigen Erzählungen sehe ich mich im Spiegel…

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