Praktikantendasein.

So eine Anstellung als Praktikant ist ja nicht immer einfach. Man ist zwar oftmals ziemlich begeistert von der jeweiligen Sache, hat aber meistens nicht die nötige Fachkenntnis und auch nicht die Qualifizierung. So ähnlich er ergeht es mir in meinem aktuellen Praktikum beim TRAIL Magazin. Man hatte mich gewarnt, dass ich mich nicht zum Café kochen ausnutzen lassen soll. Das ist auch bisher nicht passiert, obwohl das Anrühren von Recovery-Getränken strenggenommen vielleicht in diese Kategorie fällt. Aber am besten fange ich vorne an…

Café kochen mal anders.

Ich war zunächst sehr glücklich, die Praktikumsstelle bekommen zu haben und stellte mir schon vor, wie ich mit dem Chefredakteur zu den Skyraces reise, dabei namhafte Trailstars interviewe und einen Schuhtest am Gardasee mitmache. Stattdessen stehe ich Samstag früh um 4 Uhr auf, um im ICE nach Hamburg zu düsen. Ich träumte von Zegama und den kanarischen Inseln und muss jetzt nach Hamburg fahren. Hamburg? Trails? Geht das? Während mein Sitznachbar nach der Schokolinsen schmatzend und Gummibähren verdrückend in Klatschpresse liest, schaue ich aus dem Fenster und sehe die Umgebung immer flacher werden. Ob Trailrunning in Hamburg funktioniert?

Zu allem Überfluss verpasse ich meine S-Bahn zum Startpunkt. Die Taxifahrt dorthin kostet mich mehr als mein ICE-Ticket (Als ob man als Praktikant nicht schon genug an Geldmangel leidet). Die Fotocrew steht schon bereit. Alles gutaussehende und fitte Menschen mit keinem Gramm Fett zu viel am Leib. Gut, dass ich beim Fotoshooting ein wenig außen vor stehen konnte. So lange konnte ich den Bauch nämlich nicht einziehen. Nachdem der Fotograf also die Fotos im Kasten hatte und mein Chef(redakteur) auch glücklich war, verabschiedeten wir drei uns zum Essen.

Nach dem Mittagessen wollten wir drei nochmal los, um uns die Beine zu vertreten. Wir laufen los und ich werde am ersten Hügel abgehangen, weil der Chefredakteur und der Fotograf zu schnell für mich sind. Doch beide ermutigen mich, weiterzurennen und schalten drei Gänge zurück.

Ich erhole mich von meiner akuten Atemnot und der Gefahr einer implodierten Lunge und fasse den ersten klaren Gedanken: Die Harburger Berge sind umwerfend schön. Ich schäme mich darüber, was ich im ICE noch über Hamburg dachte und bin froh, es niemandem erzählt zu haben. Die Harburger Berge sind anders als alles, was ich bisher in meinem kurzen Leben als Trailläufer gesehen habe. Ich weiss nicht, wie ich es in Worte fassen soll. Sandig, wurzelig, buschig, beerig, schön, wunderschön, wunderwunderschön, krass, abwechslungsreich, kurzweilig. Einfach alles. Ich bin gespannt, was mein Chef darüber schreibt.

Wir drei sind jedenfalls alle gleich begeistert, was mich wundert, denn mein Chef und der Fotograf haben ja schon einiges mehr gesehen als ich. Diese Berge Harburgs haben anscheinend etwas, was Neuling und alten Hasen zugleich begeistert. Es ist einfach sehr schön hier! Und die Trails erst! Ohne Plan starten wir los und laufen in eine grobe Richtung. Wir lassen uns tragen von unserm Flow und stehen vor der schweren Aufgabe uns für einen der drei Abbiegemöglichkeiten zu entscheiden, obwohl wir am liebsten alle auf einmal laufen möchten. Wir laufen auch oft Querfeldein und glucksen dabei vor Freude. Noch nie hat „Verlaufen“ zu viel Spaß gemacht. Am Gipfelkreuz auf 116m ü. NN wird die Luft ein wenig dünn und ich muss mich kurz hinlegen.

Kurze Pause.

Der Chefredakteur und ich blödeln am Gipfelkreuz ein wenig rum und der Fotograf ist ein wenig empört. Glaube ich. Speziell unsere „Brüllaffenmusik“ geht ihm ziemlich auf den Senkel, weshalb er wegsprintet, als der Chefredakteur ihm diese direkt ans Ohr hält. Mein Chef bleibt ihm auf den Fersen und das Bild, welches sich für mich ergibt bringt mich so sehr zum lachen, dass ich stehenbleiben muss und dabei ein großes Insekt verschlucke. So viel Spaß hatte ich lange nicht mehr und wenn ich nicht dehydriert wäre, würde ich jetzt eine Freudenträne verdrücken.

Unser Lauf ist vorbei, ich hatte Spaß in rauen Mengen und sollte morgen ein weiteres Paket Glück in Empfang nehmen…

…sprachs und stand in einer Meute laufwütiger Menschen.

Das Wetter ist gut, die Stimmung ausgelassen und ehe ich mich versehe, laufe ich auch meinem Guide André hinterher. André ist ist viel rumgekommen, hat krasse Läufe bestritten und noch krassere vor sich. Vorallem aber ist er mir und meiner Gruppe sehr sympathisch. Wenn wir nicht irgendwelche Trails runterfetzen unterhalte ich mich mit meiner Gruppe und bin froh, wieder mal an einem Revierguide teilzunehmen. Manch einer ist erfahrener Trailläufer und manch einer nennt sich „Anfänger“. Doch alle haben sie Spaß gemeinsam, lachen und erfreuen sich der Trails und der Natur. Zwischendurch treffen wir die Truppe von meiner speziellen Freundin Susanne. Susanne ist die ebenso toughe und fitte Schwester von Sarah Connor (die aus Terminator) und verantwortlich für die Streckenführung. Susanne kenne ich von diversen anderen Revierguides, doch leider müssen unsere Downhill-Battles (die ich sowieso immer gewinne) hier ausbleiben, denn sie betreut die länger laufende (Angeber)Gruppe 😉

Neben André und Susanne haben auch die anderen Guides ihre Aufgabe meisterhaft gelöst…

…denn nach dem Lauf sind alle glücklich und zufrieden. Die Leute unterhalten sich, tauschen sich aus und verabreden sich zu Folgeläufen. Die Aura die dieser Parkplatz ausstrahlt ist schon fast unerträglich gut und so rühre ich den Zaubertrank in Miraculix-Manier zusammen bis ich Krämpfe bekomme. Die Schattenseite des Praktikantendaseins.

Manch einer hat am Tag vorher vom Revierguide erfahren und hat nun „Blut geleckt“ von dieser Traillauferei. Ich drücke ihm ein paar ältere Ausgaben in die Hände und hisse das TRAIL-Magazin Banner. Ich denke, mein Chef und der Fotograf wären stolz auf mich. Wenn sie mich denn sehen würden (das wäre sicher hilfreich für eine Festanstellung).

Ich versuche möglichst viele zum gemeinsamen Essen danach zu animieren und manch einer folgt der Einladung in die „Kärtner Hütte“. Witzig. Die Alpen in Hamburg. In geselliger Runde unterhalten wir uns und lassen den Lauftag ausklingen. Ich habe wieder viele neue Leute kennengelernt und eine Einladung nach Hamburg erhalten, der ich definitiv folgen werde. Hamburg hat mich sehr positiv überrascht und jeder Trailläufer sollte einmal in seinem Leben dort gelaufen sein. Das deutsche Trailrunning-Kleinod wird mich wiedersehen!

(Vielen Dank an die Guides Susanne, André, Jens und Unfug. Ebenso an jeden Teilnehmer, der ein Lächeln mit mir geteilt hat und natürlich meine Chefs Denis und gripmaster. Dieses Wochenende hat mir enorm viel Freude bereitet.)

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