Wetterkapriolen.

Man ist hier in Deutschland selten zufrieden mit dem Wetter. Im Winter ist es uns oft zu kalt und zu früh dunkel. Der Frühling kommt meistens nicht aus den Puschen und und ist sowieso immer zu verregnet. Entweder ist der Sommer kein richtiger Sommer oder viiiiiiel viel zu heiß. So wie jetzt. Mit der Einkehr des Trailrunnings in mein Leben habe ich mich von der Jammerei verabschiedet. Jede Jahreszeit hat ihren besonderen Charme und der gemeine Trailrunner ist meistens perfekt auf jede Bedingung vorbereitet. Nehmen wir die aktuelle Wetterlage: Trinkrucksäcke oder Hüftgürtel gehören ja eigentlich schon zum guten Ton und werden mitunter auch gerne als Erkennungsmerkmal benutzt. Die Länge der Shorts ist mittlerweile so variabel wie die Versprechungen eines Politikers und die Atmungsaktivität dermaßen enorm, dass man manchmal nach unten guckt, bloß um sicherzugehen, dass man noch etwas trägt.

Freiheit.

Ein guter Freund von mir schwärmte mir neulich davon vor, wie toll es sei, oberkörperfrei herumzulaufen. Bisher dachte ich immer, dass das nur die US-Amerikaner machen bzw. eine handvoll Mitteleuropäer, die zeigen wollen, dass sie im Winter fleissig an der Trailfigur gearbeitet haben. Heute war es so heiß, dass ich mich auch mal an daran versuchen wollte. Ich bog also in einen schmalen Trail ein, auf welchem mir noch nie jemanden begegnet war, schaute mich vorsichtig um und zog mein T-Shirt aus. Ich lief ein paar mal für die Kamera hin und her und warf mein Shirt vor Freude in die Luft.

Freiheit.

Tatsächlich war das Gefühl einer warmen Sommerbrise am Oberkörper so befriedigend wie das alkoholfreie Weizenbier, welches ich mir nach dem Lauf in den Rachen stellen sollte. Allerdings traute ich mich nicht in die Öffentlichkeit mit meinem entblößten Äußeren. Der Winterspeck ist noch nicht ganz geschmolzen und manch einer mag das zumutend finden.

Freiheit.

Tatsächlich war es enorm heiß und die Läuferschaft der sozialen Netzwerke berichtete von DNF’s und dem Kampf mit der Hitze. So richtig wollte die drückende warme Luft auch nicht in meine Lunge rein, deswegen schnitt ich sie mir in bekömmliche Häppchen und ergötzte mich an anderen Dingen, die in solchen Temperaturen toll sein können: Oberkörperfrei Laufen zum Beispiel. Ich war wieder auf einem Trail und mir kam ein Verständnisvoller Radfahrer entgegen.

Freiheit.

Die nach knusprig-verdörrtem Laub riechende Luft erinnerte mich in Kombination mit der warmen Brise an meine kindlichen Aufenthalte an der türkischen Ägäis. Es weckte schöne Erinnerungen, doch statt dem Anblick des großen, weiten, blauen Meeres aus Wasser erwartete mich an meinem Ausguck der Anblick eines großen, weiten, grünen Meeres aus Bäumen. Ich setzte mich auf die leere blank und schaute den beiden Vögeln zu, die majesthätisch durch die Lüfte segelten.

Freiheit.

Der Hochsommer kommt, wir sollten das beste daraus machen. Wenn es uns tagsüber zu heiß ist, weichen wir eben in die frühen Morgen- oder die späten Abendstunden aus und liegen Tagsüber faul in der Hängematte.

Und ganz ehrlich? Wer will schon in Südkalifornien leben, wo die Sonne permanent scheint und wir im Herbst nicht im Matsch rumsauen, im Winter im Schnee keine Trailengel machen und im Frühling keinen Pflanzen beim grünen zusehen können? Die Hitze bleibt nicht ewig, wir sollten das beste daraus machen 🙂

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