Ruhrgebiet: Land der Gegensätze III.

Was haben ein drahtiger Gepard und ein Nilpferd gemeinsam? Außer der Tatsache, dass sie auf dem selben Kontinent leben eigentlich relativ wenig. Wären Jens und ich „klassische“ Straßenläufer, hätten wir uns wohl nie kennengelernt und erst recht nicht zum Laufen verabredet.

Wie etwa diesen Dienstag. Als ich Jens kontaktierte schauffelte er sich ein paar Stunden am Nachmittag für mich frei und erklärte sich bereit, mir die Dortmunder Bittermark vorzustellen. Jens holt mich an der S-Bahn Station ab und die Freude ist groß, denn wir haben uns ein Jahr lang nicht gesehen. Bei unserer ersten Begegnung im Taunus letztes Jahr habe ich Jens zum ersten Mal kennengelernt. In Anbetracht meiner eigenen Vorbereitung auf die 4-Trails stieß ich auf Jens‘ Bericht darüber und auch über die Tatsache, dass er kurz danach den Transalpine Run lief. Besonders beeindruckte mich seine bodenständige und freundliche Art ohne jegliche Allüren. Einer dieser Leute, denen man ihre Errungenschaften mühsam aus der Nase ziehen muss und denen Prahlerei fremd ist. Er war sehr interessiert an meinen eigenen Laufanfängen und nahm mir das Gefühl, ein absoluter Neuling zu sein.

Entgegen des Wetterberichtes begrüßt uns ein herrlicher Frühlingsnachmittag mit Sonnenschein in der Bittermark. Gemütlich laufen wir los… Ich hätte es besser wissen müssen, denn Jens kann schnell rennen. „Gemütlich 2 Stündchen rennen“ für ihn ist mein roter Drehzahlbereich. Vorallem nach einer langen Pause. Während der Gepard das schnellste Säugetier an Land ist, ist das Nilpferd das schwerste.

Auf Jens‘ hügeliger Runde sollte sich dieses Gefühl mehrmals wiederholen. Jens gibt mir einen kurzer Abriss der Bittermärker (ist das richtig?) Historie. Im Gegensatz zu vielen ehemaligen Zechen- und Bergbaugeländen die abgerissen und künstlich begrünt werden, war die Bittermark schon immer Waldgebiet. Der Lauftreff Bittermark dem Jens angehört ist ziemlich groß und hat (und jetzt aufgepasst!) ein eigenes Trailnetzwerk angelegt. Zwar wurden keine Bäume abgeholzt, jedoch „Trails“ auch als solche markiert. Nachdem wir eine kleine Runde absolvieren biegt Jens auch sofort in den ersten Singletrail ab. Jens holt aus diesem Waldstück das Optimum heraus. Es geht hügelig rauf und runter, wir biegen häufig ab und laufen hier auf geschmeidigen Teilstücken und dort etwas garstigere Pfade. Zwar erklärt Jens entschuldigend, dass es hier ja nicht sooo viele Höhenmeter zu sammeln gäbe und viele Wege kurz sind, aber das macht die Bittermark doch nur noch sympathischer. Ich vergesse ihm zu erzählen, des es große Teilstücke im eigentlich sehr schönen Spessart gibt, auf denen man keinen einzigen Trampelpfad findet, weil man lieber alles mit Waldautobahnen zupflastert.

Das Rauschen, welches uns doch relativ häufig begleitet wird besonders laut als wir unter der A45 durchlaufen. Jens erklärt mir, dass die Bittermark leider häufig von vielbefahrenen Straßen durchkreuzt wird. Schade eigentlich, denn wir biegen gleich nach der Autobahnbrücke in einen tollen Pfad ein in dem es leicht bergauf geht und an dem mich Jens das erste Mal so richtig abhängt. Er ist geduldig und ohne Murren wartet er auf mich. Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Jens die Anstiege hochläuft. Ebenso erstaunlich finde ich, wie sich das Nilpferd mit Kraft und Wille ebenfalls hochwuchtet. Ich habe bis heute niemanden gesehen, der die Anstiege schneller hochläuft als die Downhills, aber die Downhills sind Jens‘ Stärke nicht 😉

Downhilling Jens.

Downhilling Jens.

Ich hoffe Jens verzeiht mir dieses Bild, aber es ist erneutes Sinnbild für die Gegensätze, die ich in diesem Monat Ruhrgebiet erleben durfte. Diesmal sind es keine gegensätzlichen Orte, sondern gegensätzliche Menschen. Jens, der flinke Gepard, der die Hügel in Lichtgeschwindigkeit hochläuft und behutsam wieder hinabsteigt.
Das Nilpferd, welches keuchend und lauten Schrittes seine Masse in Bewegung bringt, den Hügel hochhievt um auf der anderen Seite die Schwerkraft zu nutzen und den Downhill einzuebnen.
Hier Jens, der geduldige Zuhörer mit wohlgewählter Wortwahl. Der Bescheidene.
Dort ich, die chaotische Quasselstrippe mit einer Wortwahl, die akutem Diarrhoe gleicht. Der laute Selbstdarsteller.

An diesem Dienstag verdeutlicht mir die Trampelpfadlauferei die Kraft die ihr innewohnt. Sie bringt Menschen zusammen, die sich sonst womöglich niemals über den Weg laufen würden. Oder habt ihr mal Geparden und Nilpferde zusammen in Flüssen baden oder gemeinsam Gazellen jagen sehen?

Danke Jens!

3 Gedanken zu „Ruhrgebiet: Land der Gegensätze III.

  1. Jens Meyer sagt:

    Danke für den sehr netten Bericht einer noch viel netteren Begegnung zusammen! Wenn auch – unabhängig von aller Bescheidenheit – viel zu viel der Ehre! Keep on running – AUF BALD!

  2. Chris sagt:

    Sehr interessantes Duett 🙂

  3. Rüdiger Arnold sagt:

    Danke Jens, Menschen die Werbung für die schönheiten des Ruhrgebietes machen, sind immer noch rar!

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