Heimat.

Ich habe mich oft gefragt, was ich gemacht hätte, wenn ich in meinem Geburtsort Grevenbroich die Trampelpfadlauferei für mich entdeckt hätte. Wahrscheinlich wäre ich im „Bend“ durch die Tiergehege gelaufen, oder hätte mit Axt und Motorsäge meine eigenen Schneisen geschlagen. Klammheimlich. Der einzige Berg ist der aufgeschichtete Abraum des Tagebau Garzweilers. Doch die „Vollrather Höhe“ ist mit Asphalt, Waldautobahnen und Windrädern zugepflastert und wahrlich kein Eldorado für Trampelpfadläufer. Das „Indianertal“ ist so groß wie ein größerer Vorgarten. Wer mir nicht glaubt, sollte mal selbst versuchen, sich eine Strecke bei gpsies.com in Grevenbroich zusammenzubasteln.

Was machen andere Trampelpfadläufer dieser Region? Ein Besuch beim Thomas und Meike in Köln liegt da Nahe. Wie fröhnt man seinem Hobby als Großstädter im doch eher flachen Rheinland? Gibt es dort echte „Trails“ oder muss man sich seine Höhenmeter an den Domtreppen zusammenklauben? Nun, um das herauszufinden lade ich mich selbst bei den beiden ein.

Wenn der Weltherrscher klingelt.

Wenn der Weltherrscher klingelt.

Majestätisch (wie es sich gehört) werde ich empfangen und spende tröstende Worte, denn Meike hat’s mit dem Knie. Das Verletztsein schei*e ist, weiss ich aus eigener Erfahrungen. Ich laufe ja selbst auf „Bewährung“. Thomas und ich machen uns davon und ich lasse mir von Thomas ausführlich erklären, wie es ist, in Köln nach Trampelpfaden zu suchen.

Für Kölner schätzen sich die beiden glücklich am Kölner Grüngürtel zu wohnen, wo man dem Namen nach vermuten kann, Trampelpfade zu finden. Tatsächlich hat Thomas, nachdem wir den Vorgebirgspark betreten haben, ein paar „smooth“e Trails parat (Ich hasse das Wort und wer eine adäquaten Deutschen Ausdruck findet, möge sich bei mir melden). Durch Brennnesseln hindurch kommen wir an einer Herde von Hasen vorbei und laufen urige Pfade entlang. Allerdings müssen wir uns vor schwarzen Höllenbestien in Acht nehmen, die glücklicherweise mehr mit sich selbst beschäftigt sind, als uns in die Hacken zu laufen.

Es geht weiter an einer Kaserne vorbei, die im Gegensatz zu den verlassenen US-Kasernen in Südhessen, tatsächlich eine deutsche ist. Thomas erzählt mir, von seinem Versuch, mit zwei „älteren“ Männern Schritt zu halten, die für ihr Alter erstaunlich schnell waren und irgendwann in diese Kaserne einbogen. Mir fällt dazu ein, dass ich erstaunlich viele Läufer kenne, die beim Bund sind oder waren. Mir fällt auch eine erstaunlich schnelle „Ältere“ Person ein, die ebenfalls beim Bund ist 😉

Wir erreichen den Grüngürtel und eine große Grünfläche, die bei Regen bestimmt spaßig zu laufen ist, der es aber eindeutig an Hügeln fehlt. Mir tut Thomas ein wenig leid, als er diesen Mangel zur Sprache bringt. Wir verlassen die „Mondscheinwiese“ (wie ich sie taufe) und biegen immer wieder in einen schmalen Pfad ein, der Abwechslung und enorm viel Freude bringt.

Hier werden die Dinge ein wenig abenteuerlich und großstädtisch. Ich muss mal austreten und ziehe mich ins Tiefe Gestrüpp zurück, wo ich mich irgendwann auf einem Friedhof von Kondomverpackungen und Taschentüchern wiederfinde. Meine blühende Phantasie führt in meinem Kopf Regie und ich bin froh, als wir auch bald in ein dichtes Netzwerk von Trampelpfaden laufen.

Pfadnetzwerk.

Pfadnetzwerk.

Zu jedem Pfad gibt Thomas eine Geschichte zum besten. Wie ihm hier in der Nacht der Schauer über den Rücken lief oder wie er und Meike den Pfaden Namen geben, zur besseren Kommunikation. So biegen wir in den „toter Mann“-Pfad ein, der seinen Namen vom bemoosten Baumstamm bekommen hat, der tatsächlich wie ein toter Mann aussieht. Ich staune nicht schlecht, als ich Motorräder höre und keine zwei Sekunden später fahren zwei Motorräder an uns vorbei. Über unseren Trampelpfad.

Moto-Trail.

Moto-Trail.

So habe ich mir das ganze nicht vorgestellt, aber Höllenbestien, Hoppelhasen, Pariserfriedhöfe und Motocrosser auf Trails passen schon irgendwie in eine Millionstadt wie Köln. Viele Menschen im wenigen grün und noch sporadischer gesäten Hügeln.

Gen Sonne.

Gen Sonne.

Unser Läufchen klingt bei Malzbier und Apfelkuchen aus und ich bereue es nicht, mich hierhin selbst eingeladen zu haben. Wir plaudern und ich höre die Sehnsucht des Trailpärchens aus ihren Worten. Die Sehnsucht nach Naturerlebnissen und ein paar schönen, hügeligen Trampelpfaden. Die beiden planen ihren Urlaub rund um ihre gemeinsame Leidenschaft und ich finde es beneidenswert, dass beide diese Leidenschaft teilen. Ich vermute allerdings, dass diese geteilte Leidenschaft auch ein wenig Konfliktpotential hat, wenn einer – wie in Meikes Fall – verletzt ist.

Während ich also wieder nach Grevenbroich fahre und am klaren Dämmerhimmel die Rauchschwaden der drei Kohlekraftwerke sehe, schätze ich mich glücklich in einem Teil Deutschlands zu wohnen, an dem es an Mittelgebirgen, Ruhe und Natur im Allgemeinen nicht mangelt.

Vielen Dank, Thomas und Meike!

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