Es war einmal…

…ein zukünftiger, kleiner Weltherrscher, der die Trampelpfadlauferei für sich entdeckte und sich unsterblich in diese verliebte. Wie es bei frisch verliebten nun mal so ist, lief dieser kleine Weltherrscher ziemlich rammdösig durch die Gegend. Sein größtes Ziel im Jahre 2013 war die Überquerung der Alpen, so wie es sein großes Vorbild Hannibal es vor ca. 2000 Jahren schon gemacht hatte. Er schaffte es und fühlte sich nun unbesiegbar. Wie es bei größenwahnsinnigen Weltherrschern nunmal so ist, ignorierte er die Ratschläge seiner Berater am Hof, allesamt weiser als er. Vorallem aber ignorierte er sein mächtiges Bauchgefühl (viel Bauch vorhanden) und stellte sich auf eine Stufe mit anderen, erfahrener Herrschern. Hochmut kommt vor dem Fall und so musste der zukünftige Weltherrscher sich eingestehen, dass er das zukünftig in seinem Namen noch nicht streichen kann. Er musste lernen. Muss immernoch lernen. 
Das kleine Weltherrscherle verletzte sich.
Er pilgerte zu zahlreichen Wundheilern wie christliche gläubige auf dem Jakobsweg. Doch statt Erleuchtung fand er Enttäuschung. Er verfluchte die Wundheiler und gab sich wieder seinem unbändigen Hochmut hin. „Auf diese Quacksalber ist kein Verlass“ sprach er und stürzte sich auf seine geliebten Trampelpfade. Doch auf den Trampelpfaden abseits seines kleines Reiches, wo er sonst Ruhe fand, fand er nur Selbstzweifel. Statt sich mit Überlegungen über einen Weltherrscherzehnt (oder noch mehr) auf Waldautobahnen zu befassen, plagte ihn die Frage wann es wo anfängt wieder weh zutun. Er war immernoch nicht bereit. Doch er wollte sein Wort trotzdem halten und begleitete einen Freund bei einem Lauf auf Kopfsteinpflaster. „Es reicht wohl nicht, dass der erste, der sowas machte, am Ziel starb.“ dachte er sich und lief in einer Horde Wildgewordener Menschen mit. Zu Zeiten des zukünftigen Weltherrschers nannte man es in Gedenken an die verrückten Griechen, die es erfunden haben ‚Marathon‘. Heutzutage ist davon nur noch ein Symbol übrig geblieben. An die gefährliche Hatz nach Bestzeiten erinnert lediglich der Stierlauf in Pamplona. Doch auch die verrückten Spanier fragen sich, ob das alles wirklich sinnig ist. Aber das sollte noch ein paar Jahrhunderte dauern…

Zähneknirschend strich er erstmal die Segel und bließ eine lange Zeit lang trübsal. Die Schmerzen schlugen ihm auf die Laune. Ein Weltreich führen? Daran war nicht zu denken. Er wollte seinen Weltherrscherhof (eigentlich) aufgeben und begab sich in die Hände einer Schamanin. Diese kam sehr mystisch daher und suchte die Ursprünge der Pein nicht in der Physis, sondern in Seele und Geist. „Warum, oh zukünftiger Weltherrscher, überkompensieren sie? Wovor laufen sie weg?“

Der kleine, zukünftige Weltherrscher kann es garnicht leiden, wenn er Begrifflichkeiten nicht kennt und blätterte in seinem Taschenalmanach nach dieser „Überkompensation.“ Er dachte zunächst erstmal an seine Weltherrscherkollegen, die sich goldbehangene, mit Diwanen beschmückte Elephanten zulegten um von anderen, kleineren Dingen abzulenken.
Der zukünftige Weltherrscher ist zwar sturköpfig, doch hat ihn die Trampelpfadlauferei Toleranz und Respekt gelehrt und so ließ er sich auf diese Frage ein, statt die Schamanin empört an die Wand zu klatschen. Immerhin wusste diese Maid nicht, an wen sie dort Hand anlegen durfte.
Die Chefschamanin belegte den zukünftige Weltherrscher mit einem Verbot, die Trampelpfade umzupflügen und da diese scharfzüngige Elbgermanin sogar den tollkühnen Weltherrscher beeindruckte, fügte er sich seinem Schicksal. (Zudem brachte ihr Hexenwerk ein wenig Linderung und Erkenntnis.)

Zu allem Überfluss musste der zukünftige Weltherrscher just im Moment der Unpässlichkeit ein Weltherrscherpraktikum antreten. Er war im Vorfeld sehr klug gewesen und hat den Hof seiner Ausbildung in der Nähe seines eigenen kleinen Reiches ausgewählt. Am Fuße des ‚Melibokus‘ genannten Außenpostens. Über viele Monde hinweg kundete er die Routen höchstpersönlich aus. Er studierte Kartenmaterial und lief die Wege ab. Er entdeckte geheime Pfade und behielt diese für sich. Nicht, dass verrückte Druiden mit ihren Stöcken und Abenteurer auf ihren Mauleseln (Wanderer und Mountainbiker) seine Wege zu ihren düsteren Zwecken missbrauchten.
Alles war vorbereitet und das Weltherrscherpraktikum konnte beginnen. Der kleine Weltherrscher war nun sehr enttäuscht. Statt also über die geheimen Trampelpfade zu flitzen, war er auf die Hofkarawane (Deutsche Bahn) angewiesen, die sich oft verspätete und die auch das gemeine Volk benutzte. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre, wie man so sagt.

Der kleine Weltherrscher fügte sich seinem Schicksal nur wiederwillig. Er fühlte sich wie ein Esel, vor dessen Maul eine Möhre gehalten wird. Da. Aber unerreichbar. 
Die verbotene Frucht räkelte sich jeden Tag lasziv vor seinen Augen und er konnte ihr nicht ausweichen. Er erkannte die Ironie des Schicksales, dass er just in dem Moment, in dem er sich für die Thronfolge den Feinschliff holen wollte, passen muss. Aus Kuhfladen (Scheisse) muss erst durch viel Druck und Zeit ein Diamant reifen, bevor man diesem den Feinschliff geben kann. Es braucht also Zeit, um ein guter Trampelpfadläufer und vorallem ein guter Weltherrscher zu werden.

Morgens…

Mittags…

und Abends blickte er zu seinem Schicksalsberg und haderte über jeden Tag, den er nicht laufen konnte. Er war zu Boden zerstört. Trotz aller Einsicht.

Doch der Keim der Erkenntnis kennt keine Dürre und spriesst manchmal auch in den größten Deppen. So erkannte das kleine Weltherrscherle, welches gerade knietief in seinem eigenen Selbstmitleid stand (und aus dem Bürofenster die Hügel angrunzte) zunächst einmal, was ihm die Trampelpfadlauferei wirklich bedeutete.
Die Natur ist abwechslungsreicher und vielfälter als alles andere, was die Gesellschaft so kennt. Verschiedene Jahreszeiten, Wetterlagen, Tageszeiten und Bodenbeschaffenheiten lösen verschiedene Emotionen im Weltherrscherle aus.
Die Natur kennt keine gesellschaftlichen „Schichten“, keinen sozialen Status oder „Migrationshintergründe“. Die Natur interessiert sich nicht für Konfessionen, Hautfarben und Geschlechter.
Die Natur bringt Leute zusammen, die sich sonst womöglich niemals treffen würden und während sich Trampelpfadläufer durch die Natur bewegen sind alle Merkmale, an denen man sich sonst gegenseitig versucht in eine Schublade zu stecken, nichtig.

Nun, auch diese Erkenntnise verbreitete sich im kleinen Weltherrscherkopf so flott, wie Schildkröte in den Alpen. Um dem Selbstmitleid zu entkommen begab sich das kleine Weltherrscherle nun täglich auf eine Pilgerreise hinauf zum Melibokus. Er suchte sich die steilste Passage aus, die er auch in Topform hätte gehen müssen und marschierte hinauf. Zunächst schmachtete der kleine Weltherrscher heimlich still und leise, trauerte seinen verlorenen Laufkünsten hinterher und fragte sich, warum er sich selbst so sehr geisselt.

Er war in der Natur. An einem Ort, an dem er sich am wohlsten fühlte. Doch irgendetwas war anders. Er fand heraus, dass die Bindung zur Natur beim Laufen eine sehr enge ist. Die Erschöpfung beim Bergauflaufen und die Konzentration beim Bergablaufen brachten den Weltherrscher so nah an die Natur wie keine andere Form der körperlichen Betätigung. Während beim Reiten auf Kamelen zwischen Boden und Mensch immer eine Übertragungsglied ist (welches die Informationen des Erdreiches nur gedämpft/verzögert/garnicht weitergibt), ist die Lauferei direkt. Man spürt und fühlt die Natur. Es gibt keine Verluste zwischen Fuß und nassem, matschigen Boden, welcher nach „draußen“ riecht. Oder verschneitem, verharschtem Boden. Oder frisch duftendem Frühlingsboden. Oder halb versengtem, trockenen Gras im Hochsommer.
Füße auf Boden ist wie Klavierspielen mit unendlich vielen Tasten. 
Die Bindung beim „Pilgern“ (Metapher für Wandern. Anm. der Red.) ist wie die Bindung zur Gemahlin oder der Schwiegermutter. Beide sind Familie, doch anders.

Was für Weltherrscher blieb war die positive Energie der Natur. Und diese brachte wieder ein wenig Sonne in das Herz des Weltherrschers.

Oben auf dem Ausguck blickte der Weltherrscher über sein kleines Reich und stellte fest, dass er noch zu jung ist, um den Karren an die Wand zu fahren und man manchmal einen Schritt zurückgehen muss um drei vorzurücken.

Letzten Endes erkannte das kleine Weltherrscherle also, dass er sich selbst keinen Gefallen tut, wenn er läuft, obwohl es nicht guttut und man seine Gesundheit hüten und pflegen muss wie das Königszepter im Weltherrscherreich und man sie schon garnicht erzwingen kann. Immerhin gilt es auch an sein Trampelpfadläufervolk zu denken, welchem er Freude und Gründe zum Lästern bietet. Welche auch ihm so oft Freude bereitet. 
Manchmal muss man auch loslassen, damit etwas zu einem zurückkommt und manchmal muss man auch aufhören schmalzige Metaphern und Satzkonstruktionen zu benutzen und auf Wörter Taten folgen lassen.
So entschied sich das kleine Weltherrscherle, wieder Sonne in sein Herz zu lassen, welches in den Monden der Gram und Verbitterung zu einem schwarzen Klumpen Kohle verkommen ist.

Das kleine Weltherrscherle wird also nun hart daran arbeiten, wieder zu Gesundheit und kräften zu gelangen, auch wenn es sich dabei oft sehr tolpatschig anstellt…

Das Weltherrscherle zieht also seine Lehren aus seinem ersten Jahr als zukünftiger Weltherrscher: Es geht den Berg hoch und manchmal auch schnell wieder runter. Man kann darüber klagen, oder sich den Mund abwischen und wieder hochlaufen. 
Eine Weltherrschaft ist nicht immer leicht und auch Dürreperioden sind zu meistern, wenn man sich genügend Wasservorräte anlegt. Oder ein Kamel ist.

„Alles zu meiner Zeit.“ sagte mal eine äußerst weise Herbivorin.

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