Drittes Gesetz der Orkidynamik.

„Das Paket wird heute bei ihnen abgeliefert.“
Eigentlich ein Grund zur Freude, allerdings bin weder ich noch mein Mitbewohner im Haus.
„Sie können es in unserer Filiale in Frankfurt-Fechenheim abholen.“
Neee, das ist ein wenig zu weit denke ich mir. Die Gier siegt, ich fahre dorthin und laufe in strömendem Regen (ohne Mütze und Regenschirm) durch das Industriegebiet und befinde mich im UPS-Kundencenter, auch bekannt als Kunden-Container. Die Dame hinter dem Tresen zieht eine solche Fresse, dass ich nicht nach der Toilette frage, aus Angst, sie könnte mir erstgenannte gründlich polieren oder mir mit irgendwelchen Schikanen das Paket vorenthalten.
„Der Fahrer ist noch nicht zurück. Bitte warten.“
75 lange Minuten vergehen, ehe der Fahrer auftaucht und ich mein Päckchen in Empfang nehme.
„Na immerhin hat es aufgehört zu regnen!“ denke ich mir.
Arsch Eislecken! Pünktlich mit dem ersten Aufsetzen meines Fußes vor den Kundencontainer beginnt
es wieder in strömen zu regnen und ich nutze das durchnässe Paket als Schirm.
Nach 15 Minuten Fußmarsch zur Straßenbahnhaltestelle stelle ich fest, dass diese nichts zum unterstellen habe und die Straßenbahn zudem Verspätung hat. Zu allem Überfluss fährt an der Ampel ein LKW durch die Riesenpfütze vor mir, so dass ich von Kopf bis Fuß durchnässt bin. Kann bitte jemand hinter dem Fahrkartenautomaten hervorkommen und mir sagen, dass das hier alles nur ein schlechter Witz ist?
In der Straßenbahn stelle ich fest, dass das halbe Paket nun an meiner Jacke klebt.
Zum Glück ist das eigentliche Paket im inneren der durchnässten Kartonage, so dass ich am Hauptbahnhof letztere entsorgen kann und den Schatz sofort in meinem Rucksack verstaue. Aus Angst, mir könnte jemand den Inhalt streitig machen und diesen auf Frankfurter Asphalt misshandeln. Wie erbarmungslos dieser ist, durfte ich ja neulich feststellen.
Der innere Konflikt zwischen Aufmachen und Anfassen wurde durch Vernunft überstimmt. Einen Barren Gold fährt man ja auch nicht auf dem Gepäckträger durch die Gegend. Ich suche mir ein stilles Abteil, verstecke mich in einer Ecke und schaue mich um. Vorne. Hinten. Niemand. Ich wage einen flüchtigen Blick in den Karton und bin mir sicher, dass ich dem Trampelpfadläuferhimmel nun ein wenig näher bin.

Zu Hause angekommen ist es auch schon Schlafenszeit. Der Inhalt des Paketes wird ausgepackt, angefasst, angezogen, beschnüffelt und wieder zurückgelegt. Ich liege im Bett und denke an Helmut (Notiz an mich: Ich sollte dem Projekt einen weiblichen Namen geben). Wie gehe ich das an? Winterzeit ist „off-season“ habe ich bemerkt. Viele Leute verfassen Saisonabschlussblogbeiträge und auch ich frage mich, wie ich die Winterzeit gut überstehe. Aus dem Verletzungsnichts habe ich urplötzlich eine Dichte an langen Läufen an den Tag gelegt, die ich unmittelbar vor den 4-Trails nicht hatte. Mein Körper rebelliert an einer Stelle und das schon seit einem Monat. Vielleicht sollte ich meine Ziele nicht vor meine Gesundheit stellen? Vielleicht sollte ich mal nicht laufen, weil da noch einiges an Zeug getestet werden will? Vielleicht sollte ich mal nicht laufen, damit ich darüber bloggen kann? Vielleicht sollte ich meine persönliche „MelibokusChallenge“ auf wann anders verschieben? Vielleicht sollte ich mal nicht laufen, um mich zu erholen und mit Spaß und Krawumm wieder zurückzukommen und den Frühling zu rocken?
Hach, das ist doch alles besch***en.

Der Läufer in mir verspürt keine große Begeisterung, als ich beschließe, mein Wissen von Dr. Google mal dem Arzt zu unterbreiten.
Zähneknirschend gehe ich also zum Arzt. (Wie ungern ich das mache dürfte sich ja schon oft genug an dieser Stelle artikuliert haben.)
„Sie haben eine Sehnenscheidenentzündung im rectus abdominis (Bauchmuskel). Das ist blöd, aber sie müssen schon wieder 2-3 Wochen Pause machen. Gehen sie schwimmen, fahren sie Fahrrad, bauen sie ihren Rumpf wieder auf.“
Die erste Frage, die sich mir stellt ist: „Wieso kann sich dort etwas entzünden, wo nichts ist. Außer Speck. Speckentzündung oder was?“
Ich fand es nocht nicht einmal schlimm, als mir der Arzt diese „Hiobsbotschaft“ mitgeteilt hat. Zu der Einsicht bin ich ja selbst gekommen. Gestern Nacht.

Das man die heißersehnten Schuhe, über die man seit zwei Monaten nachdenkt und nach vielem grübeln dann endlich bestellt hat gerade dann empfängt, wenn einem mitgeteilt wird, dass erstmal Pause ist konnte eigentlich nur mir passieren.
Das ich mich schon mit Karacho die schwierigen Downhills am Melibokus herunterrasen und an den Kurven am Abgrund leichtfüßig tänzeln sah, bevor ich erfuhr, dass jetzt erstmal Wassertreten im Schwimmbad angesagt ist, das nennt man glaube ich „Ironie des Schicksals“.

Keine Sorge Helmut, ich komme trotzdem.

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