Fear of the dark.

(Der Autor empfiehlt, zur akustischen Unterstützung und Kreation einer gewissen Melodramatik folgendes Lied im Hintergrund laufen zu lassen)

Gestern bin ich zum ersten Mal in meinem Leben alleine in der Dunkelheit gerannt. Im wahrsten Sinne gerannt.Ich habe extra früher Feierabend gemacht und der Sekretärin gesagt, dass sie sich Sorgen machen soll, wenn ich morgen um 8 Uhr nicht wieder da bin.
Zuallererst bin ich durch die Weinberge Richtung Melibokus gelaufen und es war ein schöner Herbstabend. Die Sonne schien, der Himmel war blau und das Farbenspiel herrlich. Sämtliche Outdoormagazine würden sich darum reißen, an meiner Stelle zu sein und hier Bilder für die Herbstausgaben zu schießen. Ich laufe in kurzer Hose. Vielleicht das letzte Mal in diesem Jahr?
Ich komme auf den Comoder Weg und laufe den Alemannenweg Richtung zu Hause. Das gpsies-Portal ist seit zwei Tagen down und so kann ich meine selbstgebastelte kürzeste Route nicht anwenden. Hat auch seine guten Seiten, denn so laufe ich an der Westseite der Bergstraße entlang und bekomme das Maximum an Sonneneinstrahlung ab.
So schlimm kann das ja nicht werden heute. Dachte ich. Sicher ist sicher und so habe ich die Waldautobahnabschnitte mit Mach 3 zurückgelegt, in der Hoffnung die Lauferei in der Dunkelheit so kurz wie möglich zu gestalten. Bloß um die letzte Stunde in totaler Finsternis im heimischen Wald rumzulaufen.

Was dann passierte hätte, möchte ich gerne verschweigen, weil es aber eigentlich so lustig ist, erzähle ich es. Behaltet es für euch.
– Ich suche nach dem Geist, dessen Nebel im Schein meiner Stirnlampe sichtbar wird, bloß um zu merken, dass es mein eigener Atem ist.
– Ich bleibe oft stehen, um das knirschen und knacken zu lokalisieren. BigFoot ist sicherlich in der Nähe. Irgendwann merke ich, dass ich das selbst bin. Also das knirschen und knacken.
– Ich stolpere oft, weil ich mit der Stirnlampe links und rechts nach Wildschweinen suche, die mich womöglich jeden Augenblick anfallen und zerfleischen.
– Ich bekomme Gänsehaut, diesmal nicht, weil die Trampelpfade so schön sind, sondern weil über mir irgendwelche Monster wegfliegen. Der Geräuschentwicklung nach zu urteilen, können das nur Flugdinosaurier gewesen sein.
– Ich renne noch schneller, aus Angst, die morgens eingesetzten frischen Batterien könnten gleich leergehen.
– Ich überlege meinen Mitbewohner anzurufen und die nächsten 45 Minuten während des Laufens mit ihm zu reden, um mich nicht so allein zu fühlen.
– Ich laufe auf den Wegen, die ich sogar im Hochsommer und bei strahlender Sonne ein wenig „abgeschieden“ finde. Jetzt laufe ich sie bei Nacht. Denkt euch den Rest.
– Mir fällt plötzlich der gesamte Text von „Fear of the Dark“ wieder ein. Bis dato einfach nur ein nettes Lied gewesen. Jetzt bitterer ernst. Der Dichter dieser Zeilen muss ähnlich wie ich an diesem Tag wie ein Häufchen Elend durch den Wald gerannt sein.

I am a man who walks alone
And when I’m walking a dark road
At night or strolling through the park

When the light begins to change
I sometimes feel a little strange
A little anxious when it’s dark

Fear of the dark, fear of the dark
I have constant fear that something’s
always near
Fear of the dark, fear of the dark
I have a phobia that someone’s
always there

[…]

Have you ever been alone at night
Thought you heard footsteps behind
And turned around and no one’s there?
And as you quicken up your pace
You find it hard to look again
Because you’re sure there’s
someone there

Als ich dann zu Hause angekommen bin, habe ich mir den Angstschweiß abgeduscht und mich in der Ecke meines Bettes zusammengekauert. Ich habe die Bettdecke tief über meinen Kopf gezogen und mir vorgenommen das nochmal zu machen. Und nochmal. Solange, bis ich das genießen kann. Dann etwas schönes muss das ja haben. Höre ich ja von jedem. Ich brauche so ein Flutlicht an Stirnlampe. Ob die Bank den Kredit dafür als Investition in meine Gesundheit bewilligt? Gut, dass ich Horrorfilme in der letzten Zeit gemieden habe. Zum Glück lese ich auch gerade nicht Stephen King. zzzzZZZzzzzzZZzzzzzzzZZZ….

Ein Gedanke zu „Fear of the dark.

  1. Unknown sagt:

    Ich glaube das muß ich auch mal ausprobieren, nachts in den Wald. Aktuell schaff ich es nur über die Felder zu rennen oder mal ne Runde im Ort im dunkeln aber die Trails die mag ich zur Zeit nur im hellen.

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