THR33KY 7-HILL THRILL II

Oft, sehr oft klingelte mein Wecker im letzten Jahr zu unverschämten Zeiten wie 5:00 Uhr oder 4:30 Uhr. 

Manch einer wird sich denken: „Mensch, der soll sich nicht so anstellen, ich stehe unter der Woche immer um diese Uhrzeit auf.“ 
Das mag sein, aber ich tue das Samstags und öfter noch: Sonntags. Freiwillig.
Warum? Das frage ich mich selber sehr sehr oft.
Der Wecker klingelt, ich sitze auf der Bettkante, meine Freundin nuschelt irgendwas. Wahrscheinlich beleidigt sie mich. Zurecht. Ich überlege 5 Minuten ob ich mich nicht wieder hinlegen und schlafen soll. Ist doch „nur“ Laufen. Ich raffe mich auf, schlurfe in die Küche, setze einen Topf Wasser auf, schütte Unmengen Salz in das hinein und fluche, weil ich am Vortag vergessen habe neues zu kaufen. Als ob das halbe Kilo nicht reicht. Dann koche ich meine Salzkartoffeln à la MacGaida. In Ehren an Christian, von dem ich dieses hervorragende und doch so simple Rezept abgeguckt habe und der mir mit Kartoffel das Leben rettete. Die Kartoffeln kochen, die Trinkflaschen werden mit Wasser gefüllt, die Datteln eingepackt (meine Geheimwaffe). Der Rucksack ist schon gepackt, denn wenn ich das frühmorgens mache, vergesse ich meistens die elementarsten Dinge.
Ich schmiere Brote oder esse Müsli und koche mir den Café. Oft passiert es, dass ich das Cafépulver vergesse und heißes Wasser durch den Filter läuft. Scheisse.
Dann greift Plan B und ich kaufe mir meine schwarze Brühe am Bahnhof. 
Ich sitze mit meinem Trinkrucksack und meinem Rucksack mit Wechselklamotten im Zug und frage mich das zweite Mal: Warum?
Denn wenn ich nicht am Bahnsteig von besoffenen Menschen ausgelacht oder gefragt werde, ob ich noch einen kurzen mittrinke, dann werde ich spätestens im Zugabteil von einer Alkoholwolke erschlagen. Überall Menschen, die ihren Rausch ausschlafen. Oder Polizisten, die von ihrer Nachtschicht nach Hause fahren (Welch Ironie).
Und mittendrin sitze ich.
Eigentlich weiss ich genau warum ich das mache und an diesem Sonntag ganz besonders. Es ist der THR33KY 7-HILL THRILL Sonntag. Der zweite Teil. Mir geht durch den Kopf, dass die Fortsetzungen von legendären Filmen meistens ziemlich scheisse sind. Karate Kid II zum Beispiel. Ok, Terminator II ist eine Ausnahme.
Ob der zweite THR33KY 7-HILL THRILL jetzt auch scheisse wird? Zuviele Läufer? Ausverkauf? Inflationär? Kommerz? Schwachsinn.
Am Bahnhof werde ich von Donald abgeholt, den wir alle eigentlich als „Don Downhill“ kennen. Derjenige, der beim ersten Revierguide im Taunus der Guide war und von dem man eigentlich nur Facebook Einträge à la „latest Move, Trail running 18h 28min, hard, 101,11 km.“ liest. 
Das Auto zuckelt los, wir fahren fast jemandem um, fluchen (bzw. ich fluche) und versinken in Gespräche, die nur passionierte Trampelpfadläufer miteinander führen können. Ich quetsche Donald aus und frage mich, welchen Weitwanderweg dieser Mensch denn noch nicht komplett abgelaufen ist, frage aber trotzdem weiter, denn hier kann ich wertvolle Infos abgreifen. Sowas will ich nämlich auch machen.
Die Fahrt vergeht wie im Flug und wir kommen am Parkplatz an. Die meisten Leute kenne ich so gut, dass ich mehr Leute umarme als Hände schüttle (was sich beim 3. HILL THRILL wohl komplett erübrigt) und mir vor Freude fast die Tränen kommen. Wie sich das bei mir artikuliert wissen die meisten schon. Die die es nicht wissen, werden es an diesem Tag erfahren: Ich rede und rede und meistens nur Unsinn. Ich fühle mich wohl. Soviele Menschen, die man gut leiden kann, die man lange nicht gesehen hat und eigentlich auch nicht sehr lange kennt und mit denen man trotzdem sofort ins Gespräch kommt.
Die Leute kommen wieder von überall her und von noch weiter. Wir haben holländische Gäste und Leute die aus Hamburg, Berlin oder Oberstdorf kommen. Wie „scheisskrass“ denke ich mir.
Nadine knipst und Olaf macht die Ansage. Ich finde es ein wenig schade, die Gruppe in zwei Gruppen aufzuteilen. Zwar macht das total Sinn, aber ich würde gerne jeden kennenlernen.
Kaum sind wir 200 Meter gelaufen beginnt für mich der Spaß. Ich unterhalte mich mit Zwiebel („Toppomat“), dem Streckenchef dieser exquisiten Runde, über unsere Wehwehchen und die Pläne für das nächste Jahr. Ich mache ein paar Fotos, lasse mich zurückfallen und plaudere mit Daniel, den ich zwar erst seit dem Nachtlauf bei Holger in der Eifel kenne, aber das Gefühl habe, ihn schon ewig zu kennen (Autofahrten schweissen zusammen). Was denn aus der Edersee-Umrundung geworden sei fragt er und ich antworte, dass das definitiv noch aussteht. Ich komme mir ein bischen dämlich vor, denn Daniel ist schon diverse Hundertmeiler bzw. Sonstige Ultras gelaufen und ich schleppe ihn auf eine „Ründchen“ über 70 km. Wenn Björn (der heute die kurze Runde läuft) soetwas liest, dann rollt er mit den Augen, denn diese Ehrfurcht sollte ich ablegen. Wir sind nämlich nicht so.
Das merke ich auch, als ich Rudi kennenlerne. Das ist derjenige, der beim ZUT diverse Male „vorne dabei“ war und den Keufelskopf Ultra gewonnen und darüber eine sehr witzige Geschichte im Trailmagazin geschrieben hat. Wir unterhalten uns über die Qualität diverser Schuhe, Downhilltechnik und anderen Dingen. Vorallem beim Essen danach, aber das ist jetzt nicht die Stelle dafür.
Nachdem Olaf meine Art aushalten musste dränge ich meinen Charme Sebastian auf und wir kommen auf den Zugspitz Ultratrail zu sprechen, meinem „großen Projekt“ für das Jahr 2014. Er sagt, er wartet dann im Ziel auf mich und ich bin total gerührt. Dann denke ich mir, dass er das auch gefälligst machen kann, wer er schon ein Foto davon macht, wie ich in den Wald pinkle und es dann natürlich auch direkt in’s soziale Netzwerk stellt. Zum Glück läuft sein Spezi und mein spezieller Freund Carsten bei der kleinen Runde mit. Gegen beide zusammen kann ich alleine nicht anstinken 😉
Jan ist extra aus Holland angereist und angeregt unterhalten wir uns. Zuerst unterhalten wir und später erzählen wir uns politisch weniger korrekte Witze. Von Migrant zu Holländer. So angeregt, dass ich aufpassen muss, nicht auf die Fresse zu fliegen. Jan möchte nächstes Jahr die 4-Trails laufen und ich freue mich, dass ich zur Abwechslung auch mal etwas sinnvolles zu einem Gespräch beitragen kann. Was ich von den Unterhaltungen mit Sabine und Iwi nicht behaupten kann. Dort wird über orientalische Machos, 3er BMWs und Kamele gesprochen (ob Pirmin es bereut, dass er sie mir ausgesetzt hat?)
Sehr gut Orkan, so schindet man Eindruck bei den einzigen beiden Frauen in der Gruppe. Zumindest bis ich hinter mir ein Krächzen wahrnehme. Es ist Susanne in Begleitung von Jan-Erik. Die zwei verrückten kommen zu spät und haben sich wohl querfeldein zu uns durchgeschlagen. Die Freude ist groß, als ich die beiden treffe und sie ist ehrlich und herzlich. Wie bei jedem anderen auch.
Ich habe eins und eins zusammengezählt (denn das kann ich gut), dass es dieser „Ely“ sein muss, von dem der Gripmaster mir erzählt hat. Denn Ely versuchte wohl vergebens, Susanne zu erreichen. 
Trampelpfadlaufen ist ein wenig wie Mathematik. Man hat ein Gleichungssystem mit ganz vielen Unbekannten, doch statt zu sagen: „Ja leck mich doch, mach selber!“, lösen sich die Unbekannten hier von alleine auf (wenn bloß alles so einfach wäre).
Ely findet die Musik in meinem Video gut. „Echt jetzt? Das hast du gesehen?“ Ich freue mich, denn manchmal habe ich das Gefühl, die Grenze zur Lächerlichkeit zu überschreiben. Doch als mir das auch „Knarf“, der in Wirklichkeit Frank heisst, auch nochmal bestätigt, klopfe ich mir wieder selbst auf die Schulter. Diese Arroganz.
Wieder einmal schätze ich mich sehr glücklich. Wirklich sehr glücklich, denn ich genieße das Privilig laufen zu können. Und das in Begleitung von Menschen, die sich mit mir unterhalten und mit mir lachen. In Wäldern, die so schön sind, dass man nicht weiss, ob man nach links und rechts gucken und die Landschaft genießen oder doch lieber auf den Weg vor einem Aufpassen soll. Ich kenne hier die meisten Wege schon vom ersten Teil, doch das schmälert die Besonderheit des Siebengebirges in keinster Weise. 
Auch nicht der zweite Riegel von 226ers mit Indian-Curry-Geschmack den ich mir auf den Serpentinen hoch zum Drachenfels reindrücke und dabei das atmen vergesse. Multitasking ist nicht meine Stärke, aber die Riegel von 226ers waren echt lecker (Saustark wie ich diese Werbung eingebracht habe und nein, ich bekomme da nichts für!). 
Das sich Olaf oben ein alkoholfreies Weizenbier bestellt wundert mich (seit meinem Besuch im Westerwald) garnicht und das ich mir ein halbes Weizenbier in meine leere Trinkflasche schütte resultiert nur in belustigtem Kopfschütteln der anderen. Mittlerweile hat auch der letzte verstanden, dass ich den Knall nicht gehört habe. 
Wohl auch die Kellnerin in der Einkehr, die Zwiebel für die Läufer vorgesehen hat. Dort laufe ich nämlich mit komplett verdreckten Beinen, nasser Hose und nur auf Socken ein. So egozentrisch ich auch sonst sein mag, so ist es mir doch sehr ein wenig peinlich, dass sich nun ca. 30 Köpfe umdrehen und mich auslachen, als ich Donald bitte, doch meine Wechselklamotten freizugeben.
Leider sind die Leute von der kürzeren Gruppe schon wieder abgereist, was für mich der einzige Wehrmutstropfen ist, denn auch dort kannte ich doch viele Leute, mit denen ich jetzt gerne plaudern wollte.
Auch so gibt es nicht genug Plätze an denen ich sitzen möchte und nicht soviel Zeit wie ich gerne hätte, jeden einzelnen das zu Fragen, was ich gerne Fragen möchte. Ich frage Rudi aus, der die 4-Trails gelaufen ist und sich danach den Zugspitz Ultratrail vorgenommen hat. Genau so, wie ich es auch gedenke zu tun. Es ermutigt mich ungemein, denn oft frage ich mich, ob ich mich da nicht ein wenig übernehme, vom Etappenlauf gleich auf einen stattlichen 100er umzuschwenken und ob es vielleicht vermessen ist, mich mit Rudi auf eine Stufe zu stellen. Er mit Ausdauersporthistorie und ich mit der Historie eines semiprofessionellen Klassenclowns. 
Zwar möchte ich ihm zunächst einen Stock in die Speichen werfen, dass er die Frechheit besitzt zum Hill-Thrill hin- und zurückzuradeln, als ob das alles nichts wäre, aber andererseits ist mir das so sympathisch, dass ich das auch gerne machen möchte. Definitiv nicht die dümmste Sache, die Beine auszuradeln.
Es zerreißt mir das Herz, mich verabschieden zu müssen, doch wenigstens bleibt mir eine extrem lustige Heimfahrt mit Donald an deren Ende ich einem amerikanischen Touristen meinen letzten Euro gebe, damit dieser „telefonieren“ kann. Genau vor der Bäckerei im Bahnhof, an der ich frühmorgens noch die nette Verkäuferin angeranzt habe. Ich würde mich gerne bei ihr entschuldigen, doch leider ist ihre Schicht vorbei.
Als der Zug wegrollt, nehme ich mir fest vor, nächstes Mal freundlicher zu sein, wenn ich mir am Bahnhof einen Café kaufe.
Oder aber ich denke daran, dass Cafépulver in den Filter zu schütten…
Endlich geht es los.
Moppelcopter auf Abwegen.

Trailchicks 😉

Masse + Schwerkraft =  Geschwindigkeit 😉
Trailterroristen.

Deutsch-Holländische Freundschaft.

Ely auf Abwegen.

Daniel fährt nicht mehr in den Urlaub, er läuft dorthin.
„Über sieben Berge musst du gehn…“

Don Downhill/Ulrich Uphill + Stacheldraht + Batteriesäure = …

Close Edge.

„Näää, watt schööön.“
Ohne Kommentar.

Das Alphatier Carsten.

Ohne Kommentar. Manchmal muss man die Fresse halten.
Tobiiii.

Herzherzherzherzherz.

„Guck mal Mutti, der ist voll dreckig…“

Rudi Rakete.

Tretschbach-awesomeness.

Ein Gedanke zu „THR33KY 7-HILL THRILL II

  1. Einfach Herrlich zu lesen.
    Da kann ich mich richtig reinversetzen.
    Orkan du solltest Autor werden 🙂

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