Krassel.

Mein Wecker klingelt um 5 Uhr morgens und während ich schlaftrunken in die Küche zur Cafémaschine laufe und meine Waden mal wieder hart sind, frage ich mich, ob ich mich nicht einfach wieder ins Bett legen soll.
Immer diese Lauferei. Immer diese Fahrerei. Bescheuerter Hund, du!
Ich steige in den Zug ein und während ich einen Sitzplatz suche, muss ich an vielen rausch-ausschlafenden Menschen vorbei und ich finde irgendwann einen Platz, an dem sich der Alkoholgeruch in Grenzen hält.

Der Taunusmob setzt sich heute aus dem Teamcaptain Björn, Hendrik, Andre, meiner Wenigkeit und Wolverine (nennen wir ihn mal so 😉 ) zusammen.
Die Beschreibung des Treffpunktes war mal wieder so genau, dass wir zunächst erstmal völlig falsch gefahren sind und auf eine Horde Hundebesitzer gestoßen sind, die uns gleich verscheuchen und womöglich sogar mit Hundekot bewerfen wollten.
Nachdem wir nochmal falsch gefahren sind haben wir den Treffpunkt beim dritten Anlauf dann endlich gefunden. Rock’n’Roll 😀 !
Der Guide Benjamin wurde erst in letzter Sekunde ge“castet“ und hat die Streckenbeschreibung mit viel Liebe aufgemalt:

Dreist geklaut von www.urbantrailrunning.blogspot.com

Das war für mich schon der Beleg dafür, dass die Runde ziemlich gut wird. Wer sich soviel Mühe gibt, kann keinen Schrott zusammengebastelt haben.

Denis begrüßt uns, wir laufen los und trennen bald die Gruppen in schnell und dreiviertelschnell.
Viele Eichhörnchen-Jünger hat es nach Kassel getrieben:

Nachdem das geschehen ist, geht es erstmal querfeldein über eine Wiese zu einem ziemlich orkigen Hügel. Die Schuhe sind mittlerweile komplett durchnässt, den Hügel kommt man nur auf allen Vieren hoch und wer keine Stulpen trägt, bekommt eine Gratis-Rheumatherapie.
Kurzes Zwischenfazit: Nach circa 20 Minuten sind die Füße nass, die Beine gebrennnesselt, die Hände und das Gesicht voll Matsch und die restliche Bekleidung mehr oder weniger komplett durchnässt. Nachdem Matthias damit anfängt, durch jede (!) Pfütze zu stapfen und die Leute (vor allem ich) auch noch von oben bis unten komplett verdreckt sind, fallen die letzten Hemmungen. Wie ein kleines Kind, muss auch ich nun in eine Pfütze springen um ihn zurückzuverdrecken, treffe dabei aber mehr die anderen Leute als Matthias selbst. Egal, alle Lachen. Der Wohlfühltacho ist im roten Bereich bereits am Anschlag.
Ich lerne meine Mitläufer kennen, Frank stellt sich mir vor und irgendwoher kenne ich dieses Gesicht. Klar, beim Bericht über die Brocken-Challenge war er groß abgebildet, hat die letzten drei Challenges gewonnen und ist beim Zugspitz Ultratrail 14. geworden. Man bemerke, dass er währenddessen einen Läufer verarztet hat, der sich das Schlüsselbein gebrochen hat. Was’n Typ.
Auch Thomas Bohne, seineszeichens Topläufer und freier Mitarbeiter des Trailmagazines ist dabei. Im aktuellen Magazin gibt es einen grandiosen Artikel über den Rim to Rim to Rim Trail (R2R2R) im Grand Canyon. Lange überlege ich, ob ich ihn ansprechen soll, weil ich gerne mehr Details dazu hätte. „Der wird bestimmt dauernd zu dies und jenem angesprochen. Nerv‘ den nicht.“ Doch ich kann mich nicht zurückhalten und bereitwillig bekomme ich detaillierte Auskunft, welche es übrigens auch auf thomasbohne.com gibt. Unbedingt lesen. Als Thomas sich mit Frank unterhält und das Thema irgendwann auf den Transvulcania fällt spitze ich meine Ohren. Ich finde es total interessant, Informationen aus erster Hand von Topläufern zu bekommen. Und alles so allürenfrei und locker. Die schnellen Jungs laufen mit Moppelkindern wie mir und alle haben Spaß und unterhalten sich angeregt. 
Ich lerne Clemens kennen, der für das TRAIL-Magazin sehr informative Beiträge über laufen auf Grönland oder der dänischen Insel Bornholm geschrieben hat. Gespannt lausche ich seinen Worten um mich danach angeregt mit dem gripmaster zu unterhalten, der heute endlich mal wieder mitläuft. Auch die Flucherei mit Susanne über die schnellen Jungs, die die Anstiege nur so hochfliegen darf heute nicht fehlen.
Allen anderen die ich hier nicht namentlich erwähne: Ich habe ein Kopf wie’n Sieb.

Dreist geklaut von www.gripmastertrails.com
Dreist geklaut von 42195blog.de
Kneippieren mit den Harzer Jungs
Sportbeans saved my chubby ass.

Ich möchte am liebsten alle um mich rum umarmen und sagen, wieviel Spaß ich habe.
Tue ich nicht aber mein total nerviges Gebrabbel stellt das nicht-physische Äquivalent dazu dar. Ich umarme meine Mitläufer mit Worten. Bis zum Brechreiz.

Verständlich übrigens, dass man den Revierguide hier in Kassel zum Weltkulturerbe erklärt. Der Revierguide ist zwar jung, aber als Kulturgut in der Trampelpfadläuferszene nichtmehr wegzudenken und jedes Mal ein Highlight. Es sind auch einige Zuschauer an die Strecke gekommen um uns Kulturdenkmälern zuzuschauen. Toll. Ich hoffe Denis und gripmaster werden von der UNESCO gebührend dafür geehrt.

Kommen wir nun (wieder) zur Strecke. Ultrakrass. Benjamin hat sich viel Mühe gegeben und nach dem orkigen Kletterhügel laufen wir Serpentinen bergab, an Kulturdenkmälern, pompösen Bauten und verdutzten Gesichtern vorbei. Es geht zum Herkules hoch, irgendwo dazwischen wieder auf allen Vieren bergauf, einen rasenden Downhill bergab. Getreu nach des gripmasters Motto: „Im Zweifel immer der schmalere Weg“.
Irgendwann trennen sich die lange und die kurze Gruppe und aus den angekündigten 38 km werden erstmal 28 km, woraus am Ende 24 km werden. So misst es meine Uhr. Ich bin ganz glücklich darüber, weil meine geschundenen Beine nach Ruhe schreien und ich die 4-Trails gerne ohne Wehwehchen starten möchte.
Benjamin hat alles im Griff und passt die Strecke mehrfach an. Benjamin, das hast du exzellent hinbekommen. Große Unterhaltung! Tolltolltoll, supertoll!

Aber was wäre ein Revierguide ohne die After-Run-Show 🙂
Die hartgesottenen treffen sich in einem studentisch-hippen Lokal, die Bedienung sympathisch-nett zerzaust und ein wenig verrafft. Unsere forsche Art nimmt sie ohne Murren hin und bedient uns. Letztendlich auch vollständig 😉

Mixmaster.
The Weltherrscher.
The Weltherrscher.

Es wird gelacht. Oh Mann, was wird gelacht. Ich rede und rede und rede viel Stuss. Macht nichts, kennt und erwartet man mittlerweile nicht anders von mir. Ich rede weiter in der Hoffnung, dass das hier nicht enden möge. Ich habe Spaß soviel Spaß, aber irgendwann ist auch dieser Revierguide zu Ende. Ich bin glücklich und traurig zugleich. Wann ist endlich der nächste Revierguide?
Ein paar Gesichter werde ich ja in eineinhalb Wochen bei den 4-Trails wiedersehen.
Ich hoffe dieser Bericht verleitet die Nicht-Teilnehmer dazu, bei den nächsten Revierguides dabei zu sein. Ich war bei allen bisher dabei und habe es nie bereut.
Auch hoffe ich, dass die Nicht-After-Run-Show-Teilnehmer beim nächsten Mal einfach zum Essen dabeibleiben. Ihr verpasst die Einmalige Gelegenheit, vom zukünftigen Weltherrscher unterhalten zu werden 😉

Spaß, soooo viel Spaß.

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