Der übliche Wahnsinn.

Ärgerlich. Sehr ärgerlich. Ich sitze am Anglerteich und lasse mir die Sonne ins Gesicht brutzeln. „Heute hätte ich auch laufen können, bei dem schönen Wetter.“ Das darf ich allerdings nicht laut aussprechen, denn sonst bekomme ich von meiner Freundin die massive Kuchenplatte an den Schädel geworfen. Auf dem Geburtstag ihres Cousins sitze ich nämlich. Schon zum Café und Kuchen.
Um den Anglerteich des ortsansässigen Anglerclubs führt ein kleiner Trampelpfad herum, den ich am liebsten rundenweise ablaufen würde. Stattdessen sitze ich und denke: „Maaaaan, scheiss auf den Käsekuchen, gib‘ mir LAUFSCHUHE!!!“. Aber auch das spreche ich nicht laut aus. Der ganze Samstag ist sonnig und schön, die Sonne geht hinter dem Anglerhaus unter und mit ihr ein wenig meine gute Laune.

Der Sonntag beginnt so sonnig, wie der Samstag aufgehört hatte und ich habe Hoffnung meine Runde komplett in der Sonne zu drehen. Ich beginne die Runde mit meinem Schwiegervater-in-spe (quasi) und seiner Freundin. Ein wenig ärgere ich mich, die Panoramarunde in den Wald hochzulaufen, statt den direkten Weg hoch. Naja, so nett bin ich 🙂
Ich sage auf Wiedersehen, kapsele mich ab und drücke auf die Tempotube. Heute habe ich da Lust drauf.
Auch in der hessisch-bayrischen Grenzregion haben die Holzfäller ganze Arbeit geleistet und einen beschaulichen Wurzelpfad quasi eingeebnet.

Exit Hessen. Enter Bayern.

Ich überschreite die hessische-bayrische Grenze und den Grenzstein von 1748 als die bayrischen Wolken sich vor die Sonne setzen und mir einen Sonnentag kaputtmachen. Toll. Aber nichts zu machen. Weiter geht es zu den Weinbergen…

 …wo man einen herrlichen Blick auf das Umland und unter anderem auch auf das Kohlekraftwerk hat. Ich fühle mich gleich ein wenig heimisch bei dem Anblick, aber der Weinberg vor mir sagt mir doch, dass ich hier nicht im rheinischen Braunkohlerevier bin. Der Weg zwischen den Weinreben hindurch nach unten ist mir schon beim letzten Besuch hier aufgefallen. Heute möchte ich es wissen und stürze mich runter, immer weiter, an ein paar verdutzten Wanderern vorbei, die mir hinterherschauen. Bis ich unten bin. Das war krass. Also gleich wieder rauf. Rotz und Wasser schwitze ich, als ich wieder an den Wanderern vorbeikomme, die mich nun für völlig bescheuert erklären. Weiter geht’s. Oh, da ist ein kleiner Trampelpfad. Gleich mal da lang…

Ich sehe diesen Baumstumpf, muss schmunzeln, stelle mich darauf, Weltherrscherpose und Klick. Jetzt weiss ich jedenfalls, wo der Ausdruck: ‚Kerl wie ein Baumstamm‘ herkommt. Ja, heute habe ich ein wenig viel Spaß.

„Love is for after the Downhill“

 Es geht also weiter und irgendwo muss ich doch nochmal hochlaufen. Mir kommt eine Familie entgegen (verdutzte Blicke), ich überhole Wanderer (verdutzte Blicke) als ich wieder einen Pfad entdecke, der zudem auch noch irgendwo hochgeht…

Leider endet der Weg irgendwo im nirgendwo. Anscheinend ein Zubringer für die Gerätschaften der Holzfäller. Egal, dann kann ich wenigstens den Wurzelpfad hinunterlaufen, wo die beiden Wanderer verdutzt in die Schneise gucken. Wieder zurück auf der Waldautobahn kriege ich fast die Kurve nicht und rutsche beinahe aus, fange mich mit Händen und Füßen, muss lachen und laufe weiter.
Ich laufe an einer Horde Menschen mit einen kleinen Taschenfiffi vorbei, als einer dieser Menschen „Fass, komm‘ hol ihn dir“ ruft und mich dabei meint. Scheinbar meint der Kerl das im Spaß und wäre der Hund tatsächlich auf mich zugelaufen, dann hätte ich den Kerl quer durch die Baumreihen getreten. Aber sowas von. Naja, vorstellen darf man sich das ja wohl noch.
Ich nehme fahrt auf, da ich es mir den finalen Downhill über die Wiese vor dem Gasthaus hinunter so richtig dreckig geben will. Vollgefressene Gäste des Gasthauses laufen gedankenverloren aus dem Ausgang raus und kreuzen total geistesabwesend meinen Weg. Aus Trotz laufe ich in aberwitzigem Tempo besonders nah an den Leuten vorbei. Ein verdutzt-empörtes „JAAAAAA!!!“ höre ich hinter mir, rufe genervt-lässig „JAAAA!!!“ zurück und fetze den Hang runter (gilt im Wald eigentlich auch rechts vor links? Dann hätte ich nämlich recht gehabt.)
Unten angekommen treffe ich ein (freundliches) Wandererpäarchen, die das scheinbar toll finden was ich mache.
Nichts kann mir an dem heutigen Tag das Lächeln nehmen und im Ort angekommen, entschließe ich mich, statt links nach Hause, rechts und damit nochmal zum Gasthaus hochzulaufen um den Downhill nochmal zu rocken. Der Wandersleut von eben sind fast oben angekommen. Der Herr lacht, fragt mich lächelnd: „Schon wieder?“ als ich schnappatmend „Ja, letztes Mal!“ erwidere und danach tatsächlich nach Hause laufe. Erschöpft aber gut gelaunt.

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Ein Downhill am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Bzw. „A downhill a day, keeps the doctor away.“
In diesem Sinne noch eine schnelle Runde drehen, bevor es in die Uni geht. Welche Runde laufe ich denn? Warum denn nicht ein paar Bergintervalle am Goethefelsen? Habe ich jetzt Lust drauf. Wirklich!
Heute sollen die letzten Geheimnisse des Goethefelsens gelüftet werden. Meine Laufroute beginnt am westlichen Ende, wo es schnuckelig bergauf geht und die Mountainbiker ihr Territorium haben.
Im Norden gibt es die einzigen laufbaren Möglichkeiten, den Goethefelsen runterzukommen.
Zum einen wäre die „Lutscher’s Lane“ (eine Hommage an Günther Netzers Tanzschuppen aus dem 19. Jahrhundert). Es geht ohne große Hindernisse bergab. Ein paar Wurzeln und die obligatorischen Bäume die umkurvt werden müssen. Die Steigung ist an der Grenze zu „steil“. Hier kann man ziemlich gut Gas geben oder wie der Hexenmeister Björn aus dem Taunus sagen würde: „Ein flowiger Trail.“
Des weiteren wäre da der „Knocherbrecher“ (insert gruselige Musik here).
Dort muss man erstmal gesund runterkommen.  Dicke Baumwurzeln, hinter denen eine große „Naturstufe“ ist und man das Geröllfeld darunter kaum sieht. Geschweige denn die nächste Stufe und das nächste Geröllfeld. Geschweige denn die scharfen Kurven um die Bäume. Geschweige denn der Baum, gegen den man sonst unweigerlich gegenläuft. Geschweige denn die Tatsache, dass man bei zu hohem Tempo quasi den kompletten Goethefelsen runterspringt. Den „Knochenbrecher“ läuft man meistens nur einmal pro Tag und ist im Anschluss heilfroh in dem wahnwitzigen Tempo dort gesund runtergekommen zu sein. So geht es zumindest mir.
Der „Kletterkegel“ an der Ostseite, wo man den Grip seiner Schuhe im Bergauf testen kann. Runter ist wegen der auf Kopfhöhe querstehenden Baumstümpfe (wohl wegen den Mountainbikern) wenig empfehlenswert.
Ausserdem wäre da noch die Südwand. Am Goethe-Denkmal eine kleine Kletterpartie. Wenn man besonders lustig ist.
Jedenfalls renne ich den Berg runter und wieder hoch, runter und wieder hoch.

„Lutscher’s Lane“ (von rechts kommend, einen Bogen beschreibend)

Fünf Mal wiederhole ich das ganze und lasse es dann bleiben. Keine Lust mein Frühstück im Wald zu verteilen. Nicht schon wieder.
So mache ich ein Schleifchen den Kinder-Waldkunstpfad entlang, der mir echt sehr gut gefällt. Wunderschöne und wellige Pfade. Zum ersten Mal sehe ich auf den Trampelpfaden Darmstadts andere Läufer. Diese gehen einen der schönsten Downhills. Gehen. Einen Downhill. Entgeistert blicken mich die drei älteren Menschen an und eine innere Stimme flüstert mir, dass das Straßenläufer sind, die sich verirrt haben. Jedenfalls scheinen die nicht gerade Spaß zu haben, auf diesem Pfad zu sein.
Der Kinder-Waldkunstpfad spuckt mich direkt vor dem Goethefelsen aus, wie jede meiner Touren. Denn das schöne ist, dass man gegen Ende jeder Tour – egal wie anstrengend – ein Überraschungsei bekommt. Schön verpackt und der Inhalt mehr oder weniger unklar. Je nach Tageslaune entscheide ich, ob ich es mir zum Schluss nochmal richtig dreckig geben will, oder eine gemütliche kleine Kletterpartie machen…

„Kletterkegel“ Goethefelsen Ost

Denkmal. Goethefelsen Süd

…Heute entscheide ich mich für letzteres. Huldige Goethe als Namensgeber dieser wunderbaren Felsens, sage meinem Freund Wald auf wiedersehen und laufe in die Wohnung, wo ich Dusche und tiefentspannt Richtung Uni gehe.
Kann ein Tag schöner anfangen? Nun ja… nein 😉

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Panik ist die beste Lernhilfe/Motivator. Sagen wir Maschinenbaustudenten. In der letzten Woche vor der Prüfung werden wir dementsprechend emsig. Oder gehen unter beim Versuch, den verloren Fleiss wieder aufzuholen.
Die eMail von Frau Metzler (PLAN B) am gestrigen Tag hatte ähnlichen Effekt. Der Betreff: SALOMON 4 TRAILS 2013 – die Strecken im Detail!!
Als ob die Großbuchstaben nicht schon gereicht hätten, werden noch zwei Fragezeichen hintergeschmissen.
Der Betreff sagt: „Bald ist es soweit, du kleiner Wicht!“
Der Inhalt sagt folgendes:

  • Etappe 1: 36,3km / 2410 Hm
  • Etappe 2: 40,1km / 1840 Hm
  • Etappe 3: 33,6km / 1844 Hm
  • Etappe 4: 44,7km / 2912 Hm

Bei jeder einzelnen Etappe würde ich sagen: „Kein Ding, schaffe ich.“ Wenn ich mir die Zahlen so hinschreibe und mir nacheinander zu Gemüte führe denke ich eher: „Verdammte Scheiße.“
Die Planer waren wohl besonders sarkastisch bei der letzten Etappe, die den Rahmen völlig sprengt.
Da ich ein positiv denkender Mensch bin (oder es vorgebe zu sein) betrachte ich die Veranstaltung als Luxusurlaub. Auf dem Alpenrücken die Umgebung erleben, vier Tage lang. Die krasseste Etappe überstehen, welche auch die letzte ist und am Ende stolz sein auf sich selbst.

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg und getreu dem Motto: „Wer sich im Training nicht quält, hat im Wettkampf nichts verloren.“ (nach Holger L., seines zeichens Trampelpfadphilosoph) habe ich mir nach Eingang der eMail vorgenommen, nun noch regelmäßiger noch weiter zu laufen. Naja, eigentlich war das sowieso geplant. Los geht’s.
Der Wecker klingelt, ich stehe auf und werfe einen Blick aus dem Fenster. Grau. Doch liegenbleiben und später laufen? Nein. In die Küche, einen Café schlürfen und Müsli mampfen während die Kartoffeln kochen. Jawohl, Kartoffeln mit Salzkruste gehören nun zu meiner Basisverpflegung und heute werde ich wieder Datteln mitnehmen. Als Gelersatz. Diesmal habe ich aus Fehlern gelernt und entsteinte Datteln gekauft. Ab in die Straßenbahn in meinem Läuferoutfit. Mal wieder verdutzte Blicke ernten.
An der Endstation angekommen, begrüßt mich schon der Melibokus. Der höchste Berg der hessischen Bergstraße, aber heute nicht im Programm.
Nachdem ich gpsies (Aussprache: „dschübsiehs“ vom englischen Wort Gypsy für ‚Zigeneur‘. Denke ich mal.) für mich entdeckt und mir die Finger wundgeklickt habe, habe ich letzten Endes eine Strecke gefunden, die mir gefällt. Denke ich.

Nachdem ich die Stadt verlassen habe, geht es erstmal nur bergauf. Das mag ich ja besonders. Kaum warmgelaufen geht’s schon nach oben. Wie war das mit dem quälen? Also rauf da.
Immerhin ist der Trampelpfad echt schön und sofort wird das erste Foto geknipst.

Noch fliege ich.

Was hochläuft muss bekanntlich auch runterlaufen und so werde ich auch gleich mit einer schönen Bergabpassage belohnt.

„Wenn’s nicht matschig, wurzelig und steil ist, ist’s Scheiße“ 😉

Die Wettervorhersage hat zwar strömenden Regen vorhergesagt, dieser geduldet sich aber noch. /Zwischenzeitlich kommt sogar die Sonne raus und ich ergattere ein Paar Sonnenstrahlen und speichere sie in meiner Seele.) Das tut dem Spaß keinen Abbruch. Die Pfade sind genauso saftig wie das grün der Bäume, die Luft kühl und feucht. Genauso wie ein Flasche alkohofreien Weizens, welche man gerade aus dem Kühlschrank geholt hat. Hmmmm…

KARTOFFELN. OMNOMNOM.

Die etwas öderen Passagen auf den Forstautobahnen (um die man hier nicht drumrumkommt) nutze ich zur Nahrungsaufnahme. Eine Kartoffeln wird verspeist und Datteln genascht. Praktischerweise passen letztere in die Flaschenhalterung meiner Rucksacks.

Turbohörnchen.

Die Passagen auf den Forstautobahnen erlauben zumindest einen schönen Blick in den Wald hinein und des Öfteren lasse ich meinen Blick in ebenjenem schweifen, bevor es auf die nächsten verschlammten Pfade für den nächsten Adrenalinkick geht.

Ich habe meine Stöcke zu Hause gelassen und bereue es ein wenig. Ich wünschte ich wäre so frisch wie das Wetter aber die Anstiege sind heute besonders zäh. Selber schuld, beim nächsten Mal bin ich schlauer.

 Eigentlich wollte ich an der Ruine Tannenberg vorbeilaufen, entscheide mich aber doch dafür einen Blick auf die selbige zu werfen. Immerhin bin ich ja schonmal hier.

 Linkerhand im Westen erstreckt sich das Rheintal, vor meinen Füßen liegt Seeheim.


Rechterhand im Osten sieht man den Melibokus. Heute in Nebel gehüllt.
Welche Ausblicke ich wohl bei den 4-Trails haben werde? Atemberaubend werden sie sein und mich jeden erklommenen Höhenmeter und die damit verbundenen Qualen vergessen lassen.

Nach der Ruine Tannenberg gibt es nochmal einen Trampelpfad der ganz nach meinem Geschmack ist. Mittlerweile regnet es leicht und meine Kräfte lassen nach. Heute ist nicht einer dieser Tage, an denen ich jeden Anstieg hochlaufen könnte. Muss aber auch nicht.
Ich erreiche nun Gefilde, die mir bestens bekannt sind und beende die Navigation. Ab jetzt nach meinem Willen. Es geht komplett runter, bloß um gleich wieder hochzugehen und ich betrete etwas, was man „Schlammweg“ nennen kann. Fester Untergrund? Fehlanzeige. Die Bäume haben sich so sehr geneigt, dass ich geduckt laufen muss. Ich erreiche die große Kreuzung und weiss was mich erwartet. Wunderwunderschöne Trampelpfade die nur bergauf gehen. Gehen tue ich mittlerweile auch verstärkt und es wird so richtig zäh. Kaputtmachen will ich mich jedenfalls nicht, da mich am Wochenende neben dem Rheinsteig Extrem auch noch ein Läufchen mit Martin auf den Limes-Pfaden in Butzbach erwartet. Ich stemme ein Bein nach dem anderen in die wurzelige Matschsuppe namens Untergrund und erreiche das Zwischenplateau.

Die Pfade die jetzt kommen mag ich besonders. Kurvig, wurzelig, matschig zwischen den Bäumen hindurch Richtung Magnetsteine. Ich liebe den Magnetsteinpfad. Aber bis dahin ist es noch ein Stück.
Ich versuche meine Erschöpfung mit Gedanken zu vertuschen und denke daran, dass man während einer Trampelpfadläuferlaufbahn ja auch sowas wie ein „Erwachsenwerden“ durchmacht. Unerfahren macht man am Anfang einfach alles und vieles davon auch falsch. Man hat keine Erfahrung, probiert vieles aus und holt sich wertvollen Input. Durch eigene Erfahrungen oder die Erfahrungen anderer. Wenn man dann alles ausprobiert hat fängt man an, Vorlieben für die ein oder andere Art von irgendwas zu entwickeln. Mal sehen wo es mich hintreibt. Bisher war der Weg zu dort, wo ich jetzt bin ziemlich schön.

Meine Magnetsteine und ich. Ein eingeschworenes Duo. Trio. Quartett. Quintet. Oder so.

Und da wären wir auch schon. An der kleinen Abzweigung, die man gerne mal übersieht, welche aber zu meinem Lieblingspfad führt. Auf dem Magnetsteinpfad ist jeder Schmerz und jede „Bocklosigkeit“ vergessen. Der Körper gibt einen Knopf für den „Flow“ frei. Während man sonst nie weiss ob und wann man in den „Flow“ kommt, ist dieser beim Magnetsteinpfad vorprogrammiert. Linkerhand die bemosten Steine, vor mir der steinig-moosige Pfad, rechterhand der Abgrund und um mich herum das Rauschen der Bäume und das Zwitschern der Vögel. Ein Glück, dass ich dieser Pfad zu 99% mit niemandem Teilen muss und mich so völlig dem Moment hingeben kann. Möge er noch so kurz sein.

Wenn man es nicht innerhalb von 10 Sekunden schafft, die Endpose zu erreichen.

Ich erreiche die Burg Frankenstein und möchte eigentlich „Die Rinne“ runterlaufen. Einen zwangsstillgelegten Mountainbike-Downhill der schön zu Laufen sein muss. Heute bin ich aber nicht mit „Let’s Fetz“ Modus und nachher muss ich ja dann wieder komplett zur Burg Frankenstein hochlaufen. Bringt Höhenmeter. Aber heute macht das keinen Sinn.
So laufe ich geradewegs auf die Himmelsleiter zu, als es beginnt in Strömen zu regnen. Die Bewaldung hier ist so dicht, dass ich vom Regen kaum was warnehme und falls ich doch mal über eine Lichtung muss, ist die Abkühlung sehr willkommen. Der Magnetsteinpfad wird zur Tortour für meine Oberschenkel. Mir fallen spontan die 4-Trails ein und mir schwant böses.
Ich muss durch die Mordach, das hässlichste Teilstück Irgendwas in der gesamten Region Odenwald/Bergstraße. Hier könnte ich hoch zu Mordor, noch mehr Höhenmeter sammeln, aber auch an meinen besten Tagen laufe ich nur widerwillig dort hoch. Einfach zu hässlich. Ich lasse also auch diesen Hügel aus und erreiche den Darmstädter Wald, wo meine Erschöpfung so groß ist, dass ich den Harry-Potter-Downhill (einer meiner liebsten Downhills) und den Prinzenberg auslasse. Mir gehen wieder Höhenmeter flöten, aber es muss ja auch nicht alles auf einmal sein! Zäääääh. So zäääh…
…meine Gedanken wandern vor in den Juli. 4-Trails letzte Etappe. Die letzten Kilometer. Ich stelle mir vor, wie es wäre es bis dorthin geschafft zu haben. Hinter mir liegen viele Höhenmeter, Kilometer und geteilte Freude mit Freunden. Ich weiss die letzten Kilometer würde ich mit Gänsehaut laufen und vermutlich würden mir die Tränen kommen. Vor Schmerz, vor Freude und Stolz. Im Ziel würde ich dann wohl weinen. Vor Freude. Und mich anschließend für und mit allen anderen Finishern freuen. Wie schön das wäre…
Ich wähle den direkten Weg und denke dabei, dass der Frühling auch Schattenseiten hat. Alles wächst wie bescheuert und wuchert die Wege zu. Ich bekomme mehrere kostenlose Rheumatherapien durch die Brennnesseln und flitsche mir des öfteren Zecken von meinen Beinlingen. Ein Graus diese Viecher. Dazu kommt noch meine fast panische Angst, von den Viechern gebissen zu werden. Jaja, nach Wildschweinen nun Zecken. Immerhin habe ich mir auf Empfehlung eine Zeckenzange aus der Tierhandlung besorgt. Sicher ist sicher.
Der Weg wirft mich am Goethefelsen raus. Meine Faulheit erweist sich als ziemlich dumm, denn ich wähle den direkten Weg die Ostseite hoch (direkt in die Fresse quasi).

„Weisste was? Leck‘ mich!“
…welche sich als wesentlich steiler herausstellt, als ich zunächst vermute. Die Oberschenkel brennen, die Lungen implodieren gleich. Ein letztes Foto in Kämpferpose? Weisste was? Drauf geschissen. Ich lege mich jetzt hin. Ok, ich möchte doch nach Hause. Ich stehe also auf, erreiche die Spitze des Felsens, reiße die Arme in die Höhe, bin kurz stolz auf mich und laufe den finalen Downhill runter zu der Straßenbahn.
Während die Straßenbahnfahrer rauchen, Café schlürfen und eine Kugel vor sich her schieben.

Die letzten Meter zur Straßenbahn sind flach und ich merke, dass das Laufen auf Flachen Wegen auch nach vier Stunden nicht das Problem darstellt. 
Die Höhenmeter sind es, die an der Substanz nagen, einem den Saft aus den Beinen ziehen und die eigens für solche Zwecke trainierte Rumpfmuskulatur doch irgendwann in die Knie zwingen.
Die Höhenmeter sind es, die so lange an Füßen, Beinen und Rumpf zerren, bis diese dem Hirn kollektiv mitteilen, dass man den Knall nicht gehört hat und auf der Stelle zur nächsten Bus-/Straßenbahnhaltestelle gehen und nach Hause fahren soll.
Der Kopf ist es, der mit den Füßen, Beinen und dem Rumpf kommuniziert. 
Ihnen gut zuredet.
Ihnen sagt, dass wir es trotzdem geschafft haben und stolz auf uns sein können.
Ihnen zeigt, dass all‘ die Qualen mit tollen Erlebnissen belohnt werden. Wenn nicht jetzt, dann am Tag X.
Der Kopf ist es, der den Höhenmetern den nötigen Respekt zollt, ihnen aber sagt, dass wir uns nicht klein kriegen lassen. Das wir jede Sekunde auf den Trampelpfaden genießen.
Auch Kleinvieh macht Mist.
Der Blick auf die Uhr erfüllt mich mit Freude und Stolz. Alles um mich herum läuft irgendwie länger, weiter und höher. Doch auch die haben einen langen, harten und steinigen Weg hinter sich, bis sie zu dem in der Lage sind, was sie gerade tun bzw. laufen. Ich lasse mich nicht entmutigen, sondern eher inspirieren…
…und denke (mal wieder) daran, wie mein Zustand war bevor ich lief. In vier Stunden hätte ich höchstens auf der Couch sitzen und Chips essen können. Nach vier Minuten hätte man meinen Kopf als rote Ampel benutzen können. Jetzt laufe ich vier Stunden am Stück. Mehr oder weniger. Als ob nichts wäre. Mehr oder weniger.
Ja, das Laufen und das Trampelpfadlaufen speziell haben mir viel gebracht. Jeder Schritt bis hier hin war ein voller Erfolg. 
Leute wie Christian Schiester stechen besonders heraus. Vom übergewichtigen Kettenraucher zum Extrem- und Profisportler. Wesentlich interessanter finde ich uns Hobbysportler. Die ähnliche Wege gehen. Vom rauchendem Headbanger mit Tinnitus, rauchendem Autonarr mit Unterbodenbeleuchtung, nichtrauchenden Pummel (usw.) zum (nicht minder extremen) Spaßläufer der sich die Lauferei zwischen Familie und Alltag quetsch.
Wir sind Trampelpfadlaufen!

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