Freundliche Übernahme.

In honor to the last […] heroes
To whom speed means freedom of the soul
The question is not when you gonna stop
But who is gonna stop’em 

Ok. Wie kann man etwas unfassbar schönes in Worte fassen und es so wiedergeben, dass auch die,
die es nicht miterlebt haben das Ausmaß der Freude verstehen können? Schwierig. Aber ich werde mir Mühe geben. Mal wieder.

Das Abenteuer beginnt, als Björn mir anbietet, mich zum Revierguide in den Schwarzwald mitzunehmen. Dank seines Frontrunner-Daseins darf er (und jetzt auch wir), schon Samstags dabei sein.
Sofort zusagen, so eine Möglichkeit bietet sich selten. Der Plan steht nun fest, auch Berend schließt sich uns
an und wir fahren schon Freitag Nachmittag los. Die Vorfreude ist riesig und nervös laufe ich durch die Wohnung um alle nötigen Sachen mitzunehmen und bloß nichts zu vergessen.
Zwar habe ich Björn und Berend erst am Mittwoch bei einer von Björns Taunustouren gesehen (Bericht wird nachgereicht), aber die Vorstellung, mit den beiden zweieinhalb Tage im Schwarzwald zu verbringen, freut mich sehr.
Ich werde in Darmstadt abgeholt und das Abenteuer beginnt. Man unterhält sich angeregt und ehe man sich versieht, ist man auch schon in Freiburg. Sehr schöner Fleck ist es hier, umgeben von lauter grünen Hügeln. Hier lässt es sich bestimmt gut leben.
Die Jugendherberge, in der wir die nächsten zwei Tage verbringen sollen, liegt direkt an einem Fluss namens „Dreisam“.
Idyllischer Ort im grünen und mir fällt sofort auf, dass direkt an der Herberge einen wurzeliger Trampelpfad gleich irgendwo hoch geht. Am liebsten würde ich jetzt die Tür aufreissen und wie ein wahnsinniger da hochstürmen, aber erstmal muss das Zimmer bezogen werden. Die Herberge entpuppt sich als Mega-Komplex und irgendwo am Ende ist auch unser Zimmer. Betten beziehen. Ich hasse Betten beziehen. Abgrundtief. Was sein muss, muss sein und schnell ziehen wir in die Altstadt, um einen Happen essen zu gehen. Es fallen gleich die „Bächle“ auf die der Altstadt etwas urgemütliches geben. Wir fühlen uns direkt wohl. Die Suche nach einem gemütlichen Restaurant stellt sich als schwierig heraus, ist aber erfolgreich. Wir landen in einem urigen kleinen Laden wo man direkt in die Küche gucken und einen Mann sieht, der mit Lebensmitteln spielt.
Mein erster Gedanke ist: „Könnte auch der Hausmeister sein.“
Meine Angst stellt sich als unbegründet heraus. Das Essen ist hervorragend, das Bier perlt die Kehle runter und die Kellnerin hält uns tatsächlich für eine „Rockband“. Dies ist wohl unseren THR33KY Shirts zuzurechnen, die Björn und ich tragen. Wir amüsieren uns köstlich und streiten uns, wer denn jetzt der Frontsänger sein darf und wer im Hintergrund das Schlagzeug ramponieren muss, während wir aufklären, dass wir tatsächlich „nur“ zum Laufen hierher gekommen sind. Im Blick der Kellnerin erkenne ich eine Art Verwunderung. Zwar ist auch ihr klar, dass es in Freiburg schön ist, allerdings denkt sie sich, dass man auch in anderen Städten gemütlich auf Asphalt neben einem Fluss herlaufen kann. Weit gefehlt meine Gute.
Ich lasse ihr ein paar THR33KY Aufkleber dort und signiere… nein, das war doch nur meine Phantasie.
Wir ziehen weiter ins „Schlappen“. Netter Laden. Die Musik ist gut, wir sitzen an der Theke und plaudern. Die Toiletten sind sehr exotisch. Wo sonst wird die komplette Pissoirwand mit einem Spiegel ausgekleidet, an dem bei Benutzung Wasser herunterläuft. Ich erschrecke ein wenig und frage mich ob man das Ding auch benutzen darf, oder ob das nur zur Zierde da ist. Sofort gebe ich mich als Tourist bekannt, mache es aber den Freiburger Ureinwohnern gleich.
Auf dem Abendprogramm ist der nächste Punkt „Nachtschicht“, in dem heute Schlagerabend ist. Zugegeben bin ich (/sind wir) keine Schlager-Fans, doch ein bischen Pur-Partymix und Wolle Petry werden wir schon aushalten. Der Laden ist auch gleich gegenüber vom „Schlappen“. Ich frage zwar meine Thekennachbarin nach Ausweichmöglichkeiten – die ich auch zahlreich bekomme – aber der Plan ist in Stein gemeißelt.
Der Türsteher guckt uns fragend an, lässt uns aber trotzdem rein. Es beginnen Minuten meines Lebens, die man mir nicht wiedergeben kann und die sich in eine Ecke meines Hirnes eingebrannt haben und unauslöschlich dort bleiben werden. Schlager hin oder her, hier laufen irgendwelche Ballermann-Hits. Ein Kracher nach dem anderen. Das Publikum ist hier (die größte Überraschung für mich) durchgängig in meiner Alterklasse (die älteren Leute scheinen einen besseren Geschmack zu haben), hängt an Sektflaschen und stellt für mich das größte Kuriosum dar.
Dankenswerterweise zieht Björn die Notbremse und wir fahren zurück in die Jugendherberge…

Ich mag Jugendherbergs-Frühstück. „Nothing fancy, just breakfast“ würde der Angelsachse sagen. Hier muss eine solide Basis für den Tag geschafft werden und obwohl die Bilder des gestrigen Abends wieder wach werden und der Magen sich deshalb fast umdreht, bleibt alles bei mir und wir ziehen los zum „Fotoshooting“.
Umziehen und nochmal durch den Vor- und Frühstücksraum laufen, wo man uns argwöhnisch anblickt. „Was die bloß machen?“ steht in den Gesichter geschrieben. Ich denke mir: „Viel Spaß haben. Sehr viel Spaß haben!“
Wir sind ein wenig früh am Möslestadion, die frische Luft tut uns aber gut und im grünen sind wir hier auch.
Ob Björn die Guides kennt, frage ich. „Der eine hat bei den xterra-Weltmeisterschaften teilgenommen und ist da glaube ich zweiter in seiner Alterklasse geworden.“ Ich frage was xterra ist und nachdem Björn mir das erklärt, erwarte ich einen 1,90m großen, durchtrainierten Schrank von Menschen mit Waden so dick wie meine Oberschenkel. Ein roter VW-Kastenwagen (gripmaster und ich sind uns einig, dass der zwischenzeitlich mal silbern war) fährt vor, ich erwarte einen Hünen und sehe Philipp, einen netten jungen, badischen Kerl von Nebenan, der der Nachbarin die Einkaufstüten in die Wohnung tragen und im Bus für ältere Menschen sofort Platz machen würde. Philipp ist zwar nicht so groß, wie ich ihn mir ausgemalt habe, mir aber trotzdem sofort sympathisch. Für ein paar Sekunden bin ich skeptisch, da Philipp selbst kein ausgeschriebener „Trailrunner“ ist und vom trail-magazin wohl erst kürzlich gehört hat. Doch als er uns von der Strecke erzählt, wo es lang geht, wie seine Planung war, dass es leider auch ein wenig Asphalt gibt, werfe ich die Skepsis sofort über Bord und schäme mich ein wenig für mich selbst. Verzeih‘ mir Philipp. Es ist sofort klar, dass er sich wahnsinnig viel Mühe gegeben hat, um uns auf Trampelpfaden Freiburg und die Region zu zeigen. Schon jetzt macht er sich ein wenig sorgen, es allen recht zu machen. Neben der Sympathie steigt auch die Gewissheit, dass dieser Revierguide richtig richtig gut wird und sich in meine noch junge „Hall of fame“ der Trailveranstaltungen weit vorne einreihen wird. Nach und nach trudeln der Traktionsmeister (gripmaster) und Großmeister Denis ein. Ich spreche den gripmaster sofort auf seinen STI WRX Impreza an, den er leider nicht dabei hat und der in Kraftfahrzeugtechnik-Vorlesungen öfters mal als Beispiel gedient hat.
Björn, gripmaster und ich unterhalten uns angeregt über Subaru-Autos und der Traktionsmeister gibt die ein oder andere lustige Anekdote von sich.
Auch Jan-Erik von ASICS stößt zur Gruppe und bringt Melli und Susanne mit.
Es geht los, wir laufen heute nicht die gesamte Strecke ab und entschließen uns, ein paar Fotos für’s Magazin zu machen. Ich bin tierisch aufgeregt, das ganze hinter den Kulissen mitzubekommen, als Berend und ich mit unserem Guide Philipp zum ersten „Spot“ aufbrechen. Es gibt Instruktionen vom Traktionsmeister und mir wird klar, warum dieser Mensch so tolle Fotos macht. Erstens: Weil er’s kann. Zweitens: Weil er einen Blick für alles hat. Ich bin ein wenig schüchtern und verstecke mich zunächst hinter all‘ diesen schlanken, durchtrainierter Menschen. Doch als ich sehe, dass der Traktionsmeister auch eine Bockwurst in kurzer Hose aussehen lassen kann, wie ein mageres Steak, fallen auch bei mir die Hemmungen. (Vegetarier und Veganer verzeihen mir diese Metapher)
Auch Rebecca, der zweite Guide stößt zur Gruppe und wir brechen zum nächsten „Spot“ auf. Während wir dorthin fahren und Rebecca sich mit Philipp unterhält dämmert mir, dass diese Frau ähnlich krass unterwegs ist wie Philipp. Es sollte sich an späterer Stelle rausstellen, dass Rebecca Weltmeisterin in ihrer Alterklasse bei den xterra-Weltmeisterschaften auf Hawaii geworden ist, wo sie mit Philipp am Start war. Wie krass ist das denn? Sie erzählt vom jüngsten Kletter-„Unfall“ und ein Blick auf ihre Hände verraten, dass diese Frau mit Daumen und Zeigefinger eine Kokosnuss zerquetschen kann. Der Blick auf meine schwabbeligen Beine lassen mir die Schamröte im Gesicht sprießen. Aber gut, auch ich bin hier irgendwie geladet.
Es geht an den Fuß des „Schauinsland“, dem Freiburger Hausberg. Das Idyll ist nebelverhangen und trotzdem wie gemalt. Jan-Eriks Kupplungsscheiben geben sonderbare Gerüche von sich. Anscheinend war die Fahrt hier hoch für den Asics-Van nicht ganz zuträglich. Wir inspizieren Denis‘ Nugget und sind fasziniert, was dieses Ding so alles kann. Wenn ich groß bin, will ich auch sowas haben, denke ich mir. Sichtlich gut gelaunt und nun auch mit Asics-Leihausrüstung ausgestattet schickt der Traktionsmeister die „Gang“ zum nächsten Spot. Wir laufen. Laufen nochmal. Wieder. Und Wieder. Ok, „im Kasten“. Ich beschwatze Denis und den Traktionsmeister, mich doch mal auf’s Cover vom trailmagazin zu bringen, da ich nicht nur sympathisch bin, sondern auch verdammt gut aussehe 😉
Wir gehen zum nächsten „Spot“. Wie aus meinen Träumen entnommen thront er nun majestätisch vor mir.
Ich schaue ihn an und erstarre in Ehrfurcht. Hinter mir eine Nebelverhangene, saftig-grüne wiese und vor mir eine garstig-schöner Wurzelweg, gesäumt von grobem Geröll, umgeben von königlichen Nadelbäumen und Moos. Hier würde sich auch der Bundesadler zum sterben hinlegen.
Dieser steile Pfad lädt zum Laufen ein und sagt gleichzeitig: „Diesen Trip wirst du mit Bändern und Knochen bezahlen. Muahahahaha.“ Ok, „ready to rumble“. Die „Gang“ setzt sich in Bewegung. Erst hoch, dann runter, dann wieder hoch. Doch noch eins, wie wir unten um die Ecke kommen. Susanne, Björn und Orkan (was ich?) sollen da hinten im Moos mal spielen. Die Fotos sind mal wieder der Wahnsinn. Wenn ich Weltherrscher bin, wird der Traktionmeister Hoffotograf und Denis darf das „königliche Blatt“ weiterführen.
„Ich will aber noch hier bleiben und spielen.“ schreie ich, als das Shooting hier zu Ende geht. „Liebe Eltern, holen sie dieses scheissnervige Kind aus dem Kinderparadies ab. Es hat einfach zu viel Spaß.“ dröhnt es über imaginäre Lautsprecher und mit hängenden Schultern verlasse ich diesen paradiesischen Ort.
An einem wirklich ungünstigen, weil nach Kloake riechenden Ort machen wir einen Zwischenstop und besprechen die Lage. Bzw. die anderen besprechen und ich höre zu. Abends will man sich noch zur gemeinsamen Nahrungsaufnahme an badischen Futtertrögen treffen. Berend, Björn und mir juckt es in den Füßen und wir lassen uns von Philipp die „kleine“ Route am Kybfelsen erklären. Wir bedanken und mehr als herzlich bei Philipp, der dann wegfährt und meinen Trinkrucksack im Kofferraum hat. Wie blöd ich bin. Björn hat zum Glück die Nummer von Philipp, welcher dann extra angefahren kommt und mir sozusagen das Leben rettet. Danke. Abermals.
Die Taunus-Crew läuft in los in den Spaß. Björn hat sein Hand-GPS Gerät dabei und findet schöne Wege. Zwar ist Björn hier nicht als „Trailrunning Taunus“, sondern nur als „Björn“ unterwegs, so dient er hier trotzdem als Guide. An Panorama-Punkten werden Bilder (für die Ewigkeit) geknipst und nach 6 km haben wir den Kybfelsen erreicht und auch schon 600 Höhenmeter hinter uns gebracht.

Am Kybfelsen. Foto: Björn

Am Kybfelsen. Foto: Björn
s.o.

Irgendwo. Aber schön. Foto: Björn.
Krass, aber noch nicht alles…

Krasse Nummer für mich. Am Kybfelsen genießen wir, mal wieder, den Ausblick und beim Abstieg treffen wir einen anderen Trampelpfadläufer, den wir sofort am S-LAB Trinkrucksack als solchen erkennen. Zwar kennt er das trailmagazin und hat auch schon vom Revierguide gehört, weiss allerdings (leider) nicht, dass eben jener morgen hier im Schwarzwald stattfinden. Blöd.
Egal, weiter geht es. Die 600 Höhenmeter wollen auch wieder runtergelaufen werden. Auf „flowigen Singletrails“ rocken wir runter. Linkerhand der Abgrund, rechter Hand der Nanga Parbat und vor uns, verdeckt von Gestrüpp und Grünzeug ein süßer, kleiner Pfad zum in die Wange kneifen.
Auf dem Rückweg probieren wir nun andere Pfade aus und laufen auf einem verlassenen Weg herum. Das Gras, der Wildwuchs und modernde Baumstämme zeigen, dass die Natur sich diesen Weg zurückgeholt hat, als wir auf einmal in einer Sackgasse landen. Umkehren ist keine Option, also stürmen wir mehr oder weniger querfeldein von einer Trasse auf die nächstgelegene untere hinunter. Große Freude als der ein oder andere auf allen Vieren landet. Die Handbremse wird gelöst und wir scheppern die Pfade hinunter um die letzte Steigung zum Auto wieder querfeldein zu nehmen, welche sich als überaus gefährlich darstellt, da zwischen Moos, Laub und Geröll große Glasscherben liegen, die in der Natur nichts verloren haben. Wir bedanken uns gegenseitig für diesen schönen, kleinen Lauf von zwei Stunden, sind für den (Lauf)Tag zufriedengestellt und nun absolut heiß auf morgen. Der Magen knurrt und wir suchen die nächste Gelegenheit um etwas zum beißen zu kriegen. Man stelle sich nun uns drei Typen in einem großen Einkaufszentrum vor. Björn, noch in seiner vollen Laufmontur inklusive Schuhe, verdreckten Stulpen, Stirnband und Laufjacke. Berend ganz „normal“ in Jeans und Sweatshirt, ich in Trainingshose, Sneakern und vorne eingerissenem, knatschbuntem Kapuzenpulli. Die Blicke liegen auf uns, während unsere Brötchen einatmen.
Zurück auf dem Zimmer wird geduscht und sich frisch gemacht. Wir ziehen schon ein wenig früher los, um en wenig Sonne in der Altstadt zu genießen. Im Bächle fließt das Wasser, in der Hand ein Eis und im Gesicht die Sonne. Die Beine sind ein wenig Müde, der Geist ist hochzufrieden. So schlendern wir durch die Gassen, bis wir uns im „Paradies“ zum Abendessen einfinden.
Dankenswerterweise hat Philipp einen Tisch reserviert und alle Beteiligten finden sich in einer gemütlichen Runde ein. Wir essen, trinken unterhalten uns angeregt und lachen viel. Ich höre gespannt die Anekdoten die der Traktionsmeister Stephan und der Großmeister Denis von sich geben. Die beiden haben viel erlebt und dementsprechend viel zu erzählen. Hochspannend, so manch einer Hintergrundgeschichte über die Anfänge des Trailmagazins zu lauschen. Großkotzig kündige ich dem Traktionsmeister an, seinen Killertrail öfter zu laufen als er und mich öfter in das Gipfelbuch einzutragen. In der Welt gibt es keinen Großenwahnsinn mehr.
Ich lasse um die Rollen in meinem Weltherrscher-Reich buhlen und so langsam durchsetzt dieser Name die Köpfe dieser Runde. Ich spiele meine Rolle als Klassenclown wohl ganz gut und irgendwann kriege nur noch ich es auf die Mütze 😉
Auch unseren Guide Philipp quetsche ich aus, mich interessiert der Mensch hinter dem „Guide“. Sowieso finde ich es immer spannend die Geschichten hinter den Läufern zu hören. So viele Ohren, wie ich zum Zuhören der Gespräche bräuchte, habe ich leider nicht.
Einige lassen den Abend im „Crash“ ausklingen. Man ist dann doch zu müde um länger zu bleiben. Außerdem steht morgen großes vor.

Sonntag. Revierguide Tag. Berend und meiner einer schmieren sich ein (oder zwei) Notbrötchen, da Salzkartoffeln kochen in der Jugendherberge nicht funktioniert. Als Berend nach Brottüten fragt, rastet die Küchenhilfe komplett aus, von wegen hier dürfen keine Brötchen mit rausgenommen werden, dafür kann man sich Lunchpakete kaufen. Wir nutzen die Grauzone, essen ein (oder zwei) imaginäre Brötchen und tragen es im imaginären Magen auf’s Zimmer. Welches wir räumen.
Am Startpunkt sind wir die ersten. Nach uns nach trudeln viele anderen Läufer ein, die ich allerdings nicht ganz verstehe. Mehr oder weniger 26 Jahre bin ich der deutschen Sprache nun schon mächtig. Oder anscheinend auch nicht 😉
Es wird ein Gruppenfoto im „Mösle“ geschossen und los geht’s. Bei den ersten Schritten bin ich mir sicher, dass ich hier und heute meine Beine total zerschreddern werde. Zu allem übel bin ich auch noch ganz vorne dabei. Noch.
Ich unterhalte mich mit Susanne, die Ingeneurin(/Ingeneuse?) ist und mein Leiden gut nachvollziehen kann. „Viel“ Zeit, wenig Geld. Teures Material. Plaudernd erreichen wir Kappel und somit den ersten Ort des gestrigen Fotoshootings und Beginn eines wilden Abenteuers. Philipp kommentierte die Streckenführung gestern mit dem Motto: „Steil ist geil“. An dieser Stelle möchte ich das Höhenprofil vorwegnehmen:

Krasser.
Los geht’s.

Ohne Kommentar.

Spaß.

Noch kann ich Fotos schießen und lächeln.

Susanne und der Großmeister.

An den Steigungen trennt sich die Gruppe. Ein paar bleiben hinten, ein paar stürmen nach vorne und ich bin quasi dazwischen. Rebecca, unser Guide auf dem Bergaufstück läuft permanent nach ganz vorne und nach ganz hinten um die Gruppe irgendwie beisammenzuhalten und leistet hier wirklich Arbeit. Zum einen ist es faszinierend (und gleichzeitig ein unerhörte Frechheit), wie sie das komplette Feld am Berg (mit Leichtigkeit) überholt, zum einen tut sie mir ein wenig leid. Sie zählt permanent die Leute durch, so dass niemand zurückbleibt. Wahrscheinlich geht ihr ein wenig der Spaß dabei flöten, denke ich. Irgendwann hat sie den Dreh dann wohl doch raus und hält die Schaafherde beisammen. An einer saftig-grünen Wiese machen wir kurzen halt…

Wiesenidyll.

…wo dann auch der Traktionsmeister und Guide Philipp dazustoßen, der sagt, dass wir vorne ziemlich schnell laufen würden. Schnell? Ich und schnell? Haste mich mal angeguckt 😉 ?
An dieser Stelle trennen Rebecca und Philipp die Runde der „Langstreckler“ in zwei Gruppen auf. Letzte Chance zu wechseln. Ich möchte vorne dabei sein. Philipp erkundigt sich nach meinem Befinden. Alles bestens sage ich und wir laufen weiter…

Es wird ruppiger.

… es wird steiler, immer steiler.

Wiesenidyll.

Noch eine saftige, grüne Wiese. Weiter geht’s…
… an einer noch saftigeren grünen Wiese vorbei. Hier ist alles so saftig grün, dass es schon wehtut in den Augen. Wir erreichen die große Wiese an der Rappenecker Hütte, wo gestern der letzte Ort des Fotoshootings war. Ich bin so mit mir selbst beschäftigt, dass ich vergesse Bilder von diesem idyllischen Ort zu machen. Doch in der nächsten Ausgabe des TRAIL-Magazins wird man sicherlich schönere Bilder von diesem Ort sehen, als ich momentan in der Lage bin zu schießen.

Schön, sehr schön.

Hier oben befinde ich mich zwischen sehr großen Nadelbäumen auf weichen Wurzelwegen. So wie ich es am liebsten mag. Leider nicht bergab, aber das sollte ja später noch kommen.

Den größten Teil des Anstieges lege ich wandernd zurück, da sämtliche Höhenmeter am Stück bewältigt werden und ich sowas noch nie gemacht habe. Dafür schlage ich mich ganz gut finde ich.

Claudia und Jürgen. Die Quasselstrippen 😉

Hinter mir unterhalten sich Claudia und Jürgen. Vor allem aber Claudia 😉 Die ganze Zeit, die wir den Berg hochlaufen höre und erkenne ich Claudias Stimme wieder. Das Fenster in dem ich Gespräche führen konnte, hatte sich am ersten Anstieg schon geschlossen und wenn ich jetzt den Mund aufmachen würde, würde ich entweder kotzen, kollabieren oder den Hang wieder hinabrollen. Ich finde es wieder unverschämt, dass die Leute um mich herum so verdammt fit sind. Aber das warte ich auch bald sein. Wartet’s ab 😉
Claudia fragt mich, ob ich nicht bei den 4-Trails am Start sei. Ich bejahe und wir unterhalten uns gleich über Unterkunft und mein Glück, dass meine Freundin mich, Martin und Steffen (die heute leider nicht dabei sind) sowohl zum Start fährt, als uns auch am Ziel wieder abholt. Glück muss man haben 😉
Jedenfalls erzählt mir Björn später, dass dieser fröhliche Mensch letztes Jahr den Transalpine-Run gemacht hat (daher kennt Björn sie) und dieses Jahr sowohl die 4-Trails, als auch den Transalpine-Run mit ihrem Laufpartner Jürgen laufen wird. Irgendwann werde ich auch einen respektablen Grad der Krassheit erreichen 😉
In dieser netten Plauderrunde erreichen wir die nächste Wiese, an der wir halten. Unmittelbar vor dem Gipfel des Schauinslandes wie sich herausstellt. An dieser Stelle fällt mir die linke Kontaktlinse aus dem Auge, so dass ich nur noch halbverschwommen sehe. Ich schieße Bilder, bloß um ein wenig mehr zu sehen.

Angler mit Bockwurst.

Im Hintergrund ist der Feldberg, wir laufen an den Wetterstationen vorbei, wo Denis uns abholt. Dieser hat sich mit Jan-Erik irgendwann von der „Spitzengruppe“ gelöst und wartete dementsprechend auf uns.
Bei 16-18 °C und zum größten Teil Sonnenschein erblicke ich ein kleines, hartnäckiges Schneefeld. Björn muss das obligatorische Schneeengel-Bild schießen. Das dritte in diesem Jahr und hoffentlich auch das letzte.

Denis schiebt mich die letzten Meter an, so dass ich vor den Touries auf dem Gipfel nicht ganz so alt aussehe.
Oben wartet Jan-Erik, der Traktionsmeister und Philipp, unser Guide für’s grobe Bergab.

Zwischenfazit am Gipfel. Bis hierhin ging es nur bergauf.
Auf dem Gipfel.

Brötchen einatmen.

Denis verteilt Naschzeug.

Immernoch auf dem Gipfel des Schauinsland.

Oben haben wir dann ein wenig Pech, da der Gipfel wolkenverhangen ist. Trotzdem werden Fotos geschossen, die Wegzehrung gemampft und Süßzeug genascht. Sich gestärkt sozusagen. Wir wollen ja wieder runter. Darauf habe ich mich am meisten gefreut. Wieder runterzulaufen. Dementsprechend schieße ich wie bescheuert den ersten Pfad mit negativer Steigung runter, wo einige Serpentinen voll Geröll und umgestürzen Bäumen folgen und es Björn gen Boden schleudert. Spektakulär sieht das ganze aus und da hier nur große Steine rumliegen, sind wir zunächst besorgt. Björn schüttelt sich, sagt, dass außer ein paar Kratzern nichts passiert ist und läuft weiter. Ich bin echt froh, da man sich auf diesem Weg ziemlich übel verletzen kann.
Wir halten und warten auf die Nachfolger. Die vorderen sind wie wahnsinnig runtergestürzt und haben eine Lücke gerissen. Zeit für ein paar Bilder.

Ohne Kommentar.

Touristen…

Berend. The One and Only, sagste?

Es geht weiter, immer weiter bergab und irgendwann erreichen wir – was auch sonst – eine weitere Wiese, von der man einen schönen Ausblick hat. Eine kleine Hütte, ein kleines Rinnsal, an dem wir unsere Gesichter waschen und von den Picknickern kritisch beäugt werden.

„Mutti, ich mag noch bleiben.“

Zum Kybfelsen geht es nochmal ein wenig hoch, was für mich eine Art Express-Entsaftung darstellt.
Auf dem Weg dorthin treffe ich Babs, die sich ebenfalls für die 4-Trails vorbereitet und wir plaudern uns zum Gipfel hoch. Die Zeit vergeht schnell, wenn man Spaß hat.
Oben angekommen genießen Björn, Berend und ich, zum zweiten Mal an diesem Wochenende den wunderwunderbaren Ausblick über die Umgebung. Ich lasse mir von Philipp erklären, was ich erblicke. Ich bin fasziniert und gleichzeitig neidisch, wie gut er sich hier in seiner Umgebung auskennt. „Foto“ rufe ich zum x-ten Mal und Susanne fragt mich, warum ich denn immer alleine im Bild stehe. Da müsse mal jemand dazu kommen…

Mit Susanne am Kybfelsen.

…und so wird dieses schöne Bild geschossen. Immerhin jemand, der zu diesem Zeitpunkt ähnlich platt ist wie ich. Seelenverwandte sozusagen. Doch dafür, dass diese Frau aus Hamburg kommt und die größten Anstiege die Autobahnbrücken sind, meistert sie das ganze mit Bravour und Grazie. Was sich nachfolgend einmal mehr zeigen wird. Irgendwie lande ich vor Jan-Erik, der mir sagt, dass ich immernoch „rund abrolle“ und dafür, dass ich einen Monat pausieren musste und nach einer Woche erst wieder das laufen aufgenommen habe, doch sehr fit sei. Großes Dankeschön an Jan-Erik, der mich immer und immer wieder motivert („Staaaark!“). Man bedenke, dass nicht nur ich meiner neulich verheilten Achillessehne hier einiges zumute, sondern auch Denis mit steifen Hals und Jan-Erik mit einer Mittelohrentzündung hier laufen.
(Ich laufe nicht. Ok, doch die kurze. Jaa, die lange, aber nur hoch. Wenn ich schonmal oben bin, dann laufe ich auch wieder runter ;-))
Wir unterhalten uns über Yoga, Jan-Erik macht Pilates und in diesen Chor stimmen viele ein. Man ist sich einig, dass der Esoterik-Kram eher nichts für uns ist. Wir plaudern gemütlich, als Jan-Erik ein kleines Downhill-Rennen anstimmt, was sich in den Serpentinen als sehr spektakuläres, äußerst kniffliges, enorm kurzweiliges Geschredder darstellt. Sowas habe ich noch nie erlebt. Man stelle sich das so vor:
Die Pfade werden sehr, sehr schmal, es geht steil in Serpentinen nach unten, die Wege sind mit großen Steinen und Wurzeln durchsetzt und man muss enorm aufpassen, sich hier nicht die Bänder und Knochen zu zerstören. An den Haarnadeln halten wir uns mit den Händen an Bäumen fest, um von der Fliehkraft nicht aus der Kurve in den Abgrund getragen zu werden. Bei diesem wahnwitzigen Tempo versuche ich, meine Schritte im voraus zu planen, meine Augen sind jetzt Hochleistungsscanner, wo werde ich die nächsten 3-4 Schritte meinen Fuß aufsetzen, wie weit muss ich springen, muss ich überhaupt springen. Mehr nach rechts oder links? Mehr kurze oder lange Schritte? Großmeister Denis vorneweg, Susanne dahinter, gefolgt von Jan-Erik und mir gleich dahinter. Jan-Erik nimmt mich aus den Augenwinkeln wahr und fragt, ob ich das hinter ihm sei. Jawohl antworte ich, was mit einem „Staaark!“ kommentiert wird. Ich freue mich, mir kommen ein wenig die Tränen (was gerade alles andere als vorteilhaft ist), da ich tollwütig vor Freude hier runterstürze und mir selber bestätige, dass ich bergab sehr mag und anscheinend auch ganz gut kann. „Du brauchst einen Spitznamen dafür.“ Na dann überlegt euch mal was. Ich gebe Preis, dass ich mit nur einer Kontaktlinse (der aufmerksame Leser erinnert sich) da runtergestürzt bin und gebe zu, dass das, was ich da eben tat in die Kategorie „Gemeingefährlich“ fällt. Denis, Jan-Erik und Susanne schütteln den Kopf und attestieren mir einstimmig, dass ich doch völlig bescheuert sei. Richtig erkannt. Sehr richtig erkannt. Und: Dito 😉
Die schnellen Jungs und Mädels laufen vorne weg und auch Denis will mir den Vortritt lassen, aber ich geselle mich zu ihm, da die Zeit plaudernd ein wenig angenehmer vergeht. Wir kommen am Ausgangspunkt an, der Revierguide ist jetzt zu Ende. Geschafft, sowohl froh, als auch traurig, dass das jetzt hier vorbei ist warten wir auf die anderen unserer Gruppe, die wir verloren haben. Nach und nach trudeln sie ein, auch Björn und Berend sind dabei. Sehr herzlich verabschieden wir uns von den anderen. Babs, Claudia und ich versprechen uns, uns bei den 4-Trails wiederzusehen. Ich freue mich schon.

Ich verabschiede mich von Philipp, umarme ihn und sage ihm, wieviel Spaß ich hier hatte und wie toll er das gemacht hat. Auch er strahlt, da er sich hier sehr sehr viel Mühe gegeben hat und das ganze mehr oder weniger im Alleingang organisiert hat. Schön für ihn, dann zu sehen, dass die Leute hier viereinhalb Stunden pure Freude hatten.
Auch Rebecca drücke ich und bedanke mich sehr herzlich bei ihr. Sie lächelt und freut sich, ihr scheint eine große Last von den Schultern zu fallen und die Anspannung löst sich merklich von ihr. Besser konnten die beiden das eigentlich nicht machen hier. Philipp lädt uns ein, nochmal vorbeizukommen und gemeinsam andere Flecken zu erlaufen. Wenn sich das einrichten lässt, wird das sicherlich passieren, denn Freiburg ist eine der schönsten Ecken, die ich bisher in Deutschland gesehen habe.
Für mich übrigens das schönste Kompliment: Zum Laufen eingeladen zu werden. Heisst das doch, dass die Leute beim Laufen Spaß an einem hatten. Auch Claudias Transalpine-Partner Jürgen sagt, wir sollen doch mal den Belchen laufen. Jawohl!
Danke auch an Citysport für die Getränke 😉

Auf dem Campingplatz wird geduscht und Björn, Berend und meiner einer machen sich auf den Heimweg. An einem Autohof wird der Burgerking geplündern und auch ich komme zu meinen Königswürden:

Weltherrscher.

Im Auto lassen wir das ganze nochmal revué passieren und sind alle traurig, dass das hier vorbeigeht und wir uns voneinander verabschieden müssen. Danke auch noch mal an dieser Stelle an Björn, der Berend und mir das ganze ermöglicht hat. Danke für ein schönes, spaßiges Wochenende Jungs.
Doch wie mein erster Revierguide-Guide Torsten „TriTo“ schon passend erwähnte, muss auch ein Weltherrscher am Montag wieder den Müll runterbringen und im Hörsaal sitzen. Wenn die Ausbildung zum Weltherrscher jedoch vorbei ist, kann ich mir gut vorstellen, meinen Hof in Freiburg zu errichten. So oder so bekommst du mich wieder zu Gesicht, wunderschönes Freiburg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: