Alles wird gut.

Nach dem 1. TRAILrunning Taunus Weekend war erstmal Laufpause angesagt. Die Achillessehne tut weh.
Zuviel gewollt nach dem krankheitsbedingten Hin- und Her. Im Zug habe ich noch überlegt, ob es nicht von vornherein die bessere Entscheidung gewesen wäre, wenn ich das Weekend abgesagt oder zumindest eine Etappe ausgelassen hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette.
Ich habe viel erlebt, viele Erfahrungen gesammelt und viele, viele verrückte Trampelpfadläufer kennengelernt. Blabla, das Übliche 😉

Also lege ich die Füße hoch und verordne mir selber eine Pause. Schwer. Habe ich doch gedacht, dass es mit dem TRAILweekend wieder richtig losgeht. Die miese Laune steigt ins Unermessliche, vorallem als ich zum „revierguide revival“ eingeladen werde. Da wollen ein paar Leute den Koblenzer Revierguide wieder aufleben lassen. Super. Zurück an den Ort, der sozusagen eine Pilgerstätte für mich geworden ist. Wie gerne würde ich den Lorenzfelsen nocheinmal runterstürmen und den Orkhügel erklimmen um einen tollen Blick auf den See zu haben.
„Ich kann aber nicht Laufen.“
„Na, dann geh mit uns Wandern. Du musst kommen. Unbedingt.“
So stehe ich um 04:45 auf, um um Punkt 6:30 bei Christian auf der Matte zu stehen. Café? JAAA, Café!
„Deine Schuhsammlung hätte ich auch gern. Wirklich exquisit.“
Weiter geht’s zu Daniela und ihrem Frühstück. Mal sehen, was Fräulein Holle aufgetischt hat. Wie wohl ein veganes Frühstück aussieht? Ziemlich gut, seeehr gut. Und schmecken tut es auch 😉
Allein für das tolle Frühstück hat sich die Anfahrt schon gelohnt.
Nach einer Autofahrt, die einem Abenteuer gleicht, kommen wir an dem kleinen Parkplatz am Laacher See an. Erinnerungen werden wach und ein schwarz-weißer Film läuft vor meinen Augen ab.
Martin stellt mich Großmeister Denis vor, wir unterschreiben die Zettel, dass wir hier niemanden verklagen und alle nur zum Spaß da sind.

„Wir sind alle nur zufällig hier.“

Es geht los, ich laufe, laufe, laufe, lache, lache, lache….
… Orkan? Orkaaan? Hier, dein Bollerwagen. Zieh deinen Poncho an, so war’s abgemacht. Zurück in der realen Welt.

Etwas wehmütig schaue ich den Laufenden hinterher, ziehe meinen Hut auf und schleppe den Bollerwagen hinter mir her.  Mehrmals frage ich mich, worauf ich mich hier eingelassen habe, in dem bescheuerten Outfit einen rot-gelben Bollerwagen um den See zu ziehen. An dem heutigen Freitag laufen zu meinem Glück noch ein haufen Menschen um den See rum. Verdutzte Blicke überall, doch den Mädels gefällt es und wenn die Leute lachend weiterlaufen, hat sich das ganze doch gelohnt.
Bitte fragt mich jetzt nicht, warum ich sowas mache. Bitte.

Wir kommen am Orkhügel vorbei und ehrfürchtig bleibe ich davor stehen, zeige mit dem Finger hoch, schaue zu Daniela und Christian: „Erinnert ihr euch, dort sind wir hochgelaufen.“
Beide geben den Sturm auf den Hügel aus ihren Augen wieder, mir wird warm ums Herz. „Ja ja, so war das damals. Vor knapp vier Monaten“ 😉
„Daaa seid ihr hochgelaufen?“
Nicole und Nadine sind ein wenig verdutzt, aber für die „Läuferfrauen“ auch nichts wirklich neues mehr.
Wieder stehen wir vor der Abzweigung und wieder fragt mich Daniela ob es geradeaus, oder rechts lang geht. Die geistige Rückblende zeigt mir Daniela und Inga an eben dieser Stelle, wie sie mir genau die selbe Frage stellen und sich lachend in den Armen liegen.
Geradeaus!
Am Parkplatz angekommen, lassen die Läufer nicht lange auf sich warten. Jeder hat was mitgebracht von dem probiert wird. Und so ergeben wir uns einem Gaumenschmaus aus Bananen-/Apfelbrot, Stullen, Tee und und und. So gut habe ich im bisherigen Studium noch nie gespeist 🙂
Dankenswerterweise gibt es von Christian und Nicole noch ein „Doggybag“ mit auf den Weg.
Die illustre Runde findet sich im Blockhaus ein, wo Torsten auf uns warten und seine Entertainerqualitäten ausspielt. Ich blicke durch die Runde und denke mir, dass hier einer bescheuerter als der andere ist, grinse und trete den Heimweg an.
So ein „walk and run“ hat auf jeden Fall Zukunft.

Am nächsten Tag wage ich vorsichtig die ersten laufenden Schritte. Tut noch weh. Also doch weiter Pause.
Martin schlägt vor, dass er das Bein mal tapet. Nun gut. Ich bin skeptisch aber ausprobieren würde ich das schon gerne.
„Musst dir aber das Bein rasieren.“
Oh Gott. NEIN!
Am Ende beuge ich mich doch:

Ob das jetzt was gebracht hat, kann ich nicht genau beurteilen, allerdings hat die Aufmerksamkeit gut getan und wenn man feste an etwas glaubt, funktioniert das ja auch oft. Zumindest meistens.
Auch nach Abnahme der Tapes, bleibt das linke Bein rasiert. Definitiv gewöhnungsbedürftig und in meinem Falle auch etwas lustig. Sehe ich doch aus wie ein kleines Äffchen, nach einem Rasierapparat-Unfall.

Natürlich wird das Wetter blendend, wenn man NICHT laufen darf. Ist klar. Die Sonne zeigt mir den Stinkefinger. Na wenigstens kann sie das tun, während ich draussen bin.

„Run to the hills“

Beim Anblick des sonnendurchfluteten Pfades konnte ich es nicht lassen, die 500 Meter laufend hinter mich zu bringen. Die Sehne gibt Ruhe. Na dann kann ich morgen ja mal wieder laufen…

… , was ich dann auch tue. Vorsichtig. Wie lange es wohl dauert, bis es wieder wehtut? Hoffentlich tut es nicht weh. Die 100 Höhenmeter Grashügel fühlen sich jedenfalls an, als ob nichts wäre. Trotzdem langsam machen. Ein paar Bilder schießen, immerhin habe ich neulich ein paar neue Pfade entdeckt…

Nanu, ist das nicht…? Ja, es ist Irina Mikitenko, die an mir vorbeischießt. Auf dem Forstweg versteht sich.

„Na, wenn du so verbissen durch die Wälder läufst, wird das nie was mit Olympia“ Denke ich mir und würde sie am liebsten einladen, die neuen Pfade mit mir auszuprobieren. Ob sie im Downhill an der Schwedenschanze schneller ist als ich? Sie würde definitiv mehr Spaß in den Backen haben, wenn sie mal eine Runde mit mir mitkommen würde. Naja, egal.

Hat jedenfalls gut getan, mal laufend ein paar Kilometer zurückzulegen. Während des Laufens tut nichts weh, ich spüre zwar etwas, aber weh tut nichts.
Mache ich mir hier was vor?
Zu Hause fängt es jedenfalls wieder an, an der Sehne zu knirschen und die linke Wade wird steinhart. So eine Sche*sse aber auch.
Meine Salami-Taktik, die aus Pause und behutsamer Belastung besteht, scheint nicht ganz so aufzugehen. Doch nochmal den „Sport“arzt in Darmstadt drüberschauen lassen.

Abermals lässt dieser mich kaum ausreden, drückt mir eine Broschüre über Achyllodynie in die Hand, drückt ein wenig am Bein rum und sagt:
„Ja, Achillodynie, können sie ja mal ‚googlen‘. Typische Läuferkrankheit, ist nichts schlimmes und bei ihnen auch nichtmehr akut. Kein Druckschmerz. Müssen aber bischen Pause machen. Vier Wochen. Ich verschreibe ihnen mal eine Bandage, die massiert das ganze. Tschö.“
„Was ist mit meinem Lauf im Juli?“
„Jaa, gucken sie mal nach zwei Wochen“ (wie denn, wenn ich vier Wochen Pause machen soll?)
„Aber… Ne. Kannste auch nix für.“

Im Sanitätshaus die Bandage kurz anprobiert und gekauft. Der Arztbesuch und das Santitätshaus passieren beide innerhalb zweier Stunden vor meiner letzten Prüfung und während ich die Bandage gleich anlasse und damit in den Hörsaal humpele um die Klausur hinter mich zu bringen, dämmert es mir ein wenig und mir schwillt die Krawatte. Aber zunächst mal der Kurztest, meiner neuen Errungenschaft. Immerhin geht es hier um’s Laufen:

Der ‚AchilloTrain‘ von Bauerfeind. Das neue „natural running“ Modell.
Proktion: Gering, dieser Schuh ist minimal!
Schnürung: Nicht vorhanden und doch perfekt, stellt jede Salomon-Schnürung in den Schatten.
Dämpfung: Vorne garnichts, hinten dank Fersenkeil (!) vorhanden.
Sprengung: 6mm.
Gimmick: Achillessehnenmassage

Fazit: Durchgefallen. Sche*ssding.

Das googlen habe ich übrigens schon im Vorfeld gemacht. Immerhin bin ich mit Google quasi aufgewachsen. Ausserdem gibt es ja auch noch Dr. Marquart. Der laufende Arzt, der sich wirklich um seine „Patienten“ kümmert und mir in meinen zweieinhalb Jahren Lauferei schon oft geholfen hat. Laufbibel also aufschlagen und das gesammelte Wissen zusammenfassen:

– Achillodynie ist eine Überlastungsreaktion der Achillessehne und damit auch typische Läufer“krankheit“
– Eisbehandlung hilft gegen die Schwellung
– Regelmäßiges Dehnen hilft. Auch vorbeugend. 
– Pause: Zwei Wochen (nicht vier)
– Erhöhung der Ferse kann die Sehne entlasen. Achtung jetzt (!): Nur wenn die Achillodynie akut ist (wenn man beim auftreten also Schmerzen hat). Nur dann, da sonst die Gefahr besteht, dass die Sehne verkürzt und man das ganze schlimmer macht.
Ja ja. „Googlen sie mal.“ Google my ass.
 Mein Respekt vor Ärzten ist trotzdem zu groß, um das Thema weiter auszuführen. Beim nächsten mal lasse ich mich vor x-gelaufen Marathons und einem Auftritt im lokalen Fernsehen nicht blenden. Kannste dir noch so viele Bilder von in die Praxis hängen…

Dementsprechend werde ich den ärztlichen Rat wohl nur zu drei Vierteln befolgen, eine Woche Ruhe geben und meine Salami-Taktik perfektionieren. Wenn die Schule und die Uni mich eines gelehrt hat, ist es immer kritisch zu sein, egal was, egal bei wem. Von wegen gesunder Menschenverstand. Zumindest ein wenig.

Die Bandage wird man wohl bei eBay und mich bald wieder auf den Trampelpfaden dieser Nation wiederfinden.

In diesem Sinne. Alles wird gut. Auch der übersetzte Titel folgendes Liedes:

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