Run like an asshole.

Das atemberaubende Taunus-Erlebnis hat mir sowohl einzigartige Erlebnisse, als auch eine Erkältung beschert. Was tut ein ambitionierter Trailrunning-Einsteiger, wenn man sich zwangsweise schonen muss? Rumspinnen. Warten. Träumen. Planen.

Immer wieder entdecke ich neue Facetten an meinem neuen Lieblingssport. Neben den wohlbekannten Trailrunning-Großevents à la Zugspitz Ultratrail, 4-Trails, Transalpine Run und wie sie nicht alle heißen gibt es noch die „Do-It-Yourself“-Nische der Trailveranstaltungen. Private Spaßläufe, private Etappenläufe (Müllerthal-Trail), private „Ich-laufe-diesen-kompletten-Wanderweg-über-90km“-Läufe oder private Läufe die man garnicht kategorisieren kann. Trailrunning nach dem Motto: „Spaß ist, was ihr draus macht.“
Man mischt sich unter die Trampelpfadmeute, lächelt hier, flaxxt dort und ehe man sich versieht ergeben sich eine Fülle neuer Läufe. Einfach so. Man lädt sich gegenseitig ein, wie das auch zu Schälfer OLAFs aktiven Hardcore-Punk Zeiten so war.
„Lass uns doch mal diesen Trail dort in 3 Etappen ablaufen“
„Komm‘ mich mal besuchen, penn‘ hier und wir laufen“
„Wir machen einen 7-HILL-THRILL“
„From Dusk Till Dawn – Durch die Nacht in den Morgen“
Super, bin ich dabei, da auch, da sowieso. Ach was, echt? Bin ich dabei. Soviele „Gefällt mir“-Buttons wie ich drücken will gibt es garnicht.

Die Idee zu einem eigenen „Ding“ schlummerte schon früh in mir, als ich alte Urlaubsbilder sah. Mein Vater ist der größte (Motorrad-)Abenteurer, den ich kenne. Also wurde er mit meinem Plan konfrontiert, die Berge in denen er groß geworden ist, läuferisch/wandernd mit Rucksack als Etappen“ding“ abzulaufen. Völlig begeistert ist er dabei und checkt gerade die Lage dort. Karten von der Gegend sucht man vergebens. Von Wanderkarten ganz zu schweigen. Laufen wird in der Region kopfschüttelnd abgetan, die Liebe zu den Bergen können die Leute jedoch nachvollziehen.

Aydin-Berge – Höhenunterschied Tal/Spitze: 1800 Meter

Die eher karge Region der Aydin-Berge (ca. 150 km südlich von Izmir) ist mit der üppigen Waldlandschaft der Alpen kaum zu vergleichen, bietet aber eine anderes, rauhes, orientalisches Ambiente. Trampelpfade verdienen hier ihren Namen, die Leute laufen von Dorf zu Dorf zu Fuß, führen ihre Tiere auf die Weiden oder laufen zu ihren Feldern. Läuferisch völlig unerschlossen überaus verlockend. Hier will ich meine Orientierungs und Abenteurer-Qualitäten an eine Grenze bringen. Wie das ganze dann in der Praxis aussehen wird, wird sich zeigen. Abwarten fällt mir jetzt schon schwer. Alles inspiriert von den vielen anderen Läufern um dem Trail-Magazin.

Am Freitag wurde die miese Schnürung meiner Fuji-Attack durch LOCK LACES ersetzt. „Macht dann 10,99€.“ WAS? Soviel für ein bischen Gummiband und Plastik ist eigentlich schon frech. Die orange Farbe und die jetzt gute Schnürung im Salomon-Stil haben mich jedoch etwas milder gestimmt. Die neue Schnürung muss sofort ausprobiert werden und 4 (!) Tage Pause sind allemal genug um ein erstes Läufchen zu wagen. 4 Tage sind die längste Laufpause bisher und das soll auch dieses Jahr so bleiben.
Der Kotelettpfad war meine erste Trailstrecke die sich auch als solche bezeichnen darf. Wellig und ohne lange oder steile Anstiege ist der Kotelettpfad gut zu laufen und bietet den optimalen Wiedereinstieg.
„Heute mal ruhig.“ sagt der Verstand, die Füße wollen es heute aber wissen und so trete ich meine Füße über den Pfad, über die kleinen Holzbrücken, in die Kurve slidend, über Wurzeln springend, an dem Tümpel vorbei Richtung Technische Universität Darmstadt (jetzt weiss ich auch, was „technische Trails“ sind), wo der Kotelettpfad mich rauswirft.. Doch bevor es an den dunklen Türmen des Maschinenbauer-Gebäudes mit dem dämonischen roten Riesenzahnrad vorbei nach Hause geht – ich werde daran erinnert, dass ich eigentlich am Schreibtisch sitzen und lernen müsste –  muss noch mal ein „saugeiles“ Bild von mir über den Darmbach gemacht werden. Darmstadts reißenden Strom. So entsteht ein tolles Bild, die eine Dynamik ausstrahlt, die eigentlich garnicht vorhanden ist. Hat mir jedoch nasse Beine, viel Freude und verdutzte Blicke der anderen Läufer beschert.

Die verdammte Nase ist am Tag darauf wieder zu und irgendwie muss ich den Zinken doch freikriegen. Der Apotheker will mir ein 20€-Nasenspülgerät und Nasenspülsalzmischungen deluxe andrehen. Mein Geiz ist allerdings ein wenig zu groß. Mein Einfallsreichtum an diesem Tag jedoch auch 🙂
Wozu also 20€ für ein Stück Plastik ausgeben, wenn die Hochleistungsnasenspülung von Salomon doch in meinem Zimmer steht und darauf wartet meine Nebenhöhlen freizublasen.
Das gute Jodsalz also in die Trinkblase füllen, alle wohlgemeinten Mischungsverhältnisse vernachlässigen (viel hilft viel) und schnell nochmal mit den erworbenen Kenntnissen der Strömungslehre und Mechanik checken, ob mein Zinken dem Druck überhaupt standhält. Nach der Rechnung bin ich auch nicht wesentlich schlauer, aber ich habe allen gezeigt, dass ich auch „anwenden“ kann.

Der Nerdfaktor steigt ins überdimensionale und sogar mein ebenfalls Maschinenbau-studierender Mitbewohner zeigt mir den Vogel. Hat mir aber wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert und die miese Laune für ein paar Minuten vertrieben. Rechnerisch belege ich also, was jeder gesunde Menschenverstand eh schon weiss. Größere Fallhöhe, größere Kraft. Is‘ klar. Nase war danach frei. Details werden an dieser Stelle ausgespart. Danke an das Prinzip Trinkrucksack.

Bin ich jetzt wieder fit um an der Streckenvorstellung von KEEP ON RUNNING teilzunehmen? 29 Kilometer? Sicher war ich nicht, als ich zur Burg Alzenau fuhr und mich in meine Laufklamotten warf. Martin und Steffen warteten schon. Marco, der auch der Revierguide-Guide im Spessart war, macht auch hier den Gruppenführer. Schnellste Gruppe 29km in „gemütlichem 6er-Schnitt.“ 19 und 15 km stehen auch zur Auswahl. „Wir sind ja nicht zum Spaß hier“, sagts und läuft Marcos Spitzengruppe hinterher. Nach dem ersten Anstieg überlege ich, ob es heute nicht sinnvoller ist, etwas langsamer und kürzer zu laufen. Das zieh‘ ich jetzt durch, die Trails sind schön, die Anstiege knackig. Die Zwangslaufpause macht sich dann doch bemerkbar. Ich kämpfe mich die schönen Trails den Hahnenkamm hoch, wo es eine Verpflegung gibt. Kommt gerade recht. Salzbrezeln reinziehen, Isogesöff runterkippen und 2 Gels in den Rucksack. Hier bin ich schon gewesen, ich weiss, dass mich jetzt ein sehr schöner Downhill erwartet und dementsprechend stürze ich mich den Hahnenkamm wieder runter und fliege an allen anderen Leuten vorbei, die das eher gemütlich angehen. Ich stelle fest, dass mir Downhills sehr viel Freude bereiten. Weg vom Hahnenkamm Richtung Michelbach geht es an der 1,5 km an der Landstraße entlang, was meine Stimmung nicht hebt und ich hoffe, das man dieses Stück bei der KEEP ON RUNNING Veranstaltung auslässt (man sucht ja gern nach dem Haar in der Suppe). Andererseits muss man die Trails irgendwie verbinden und die Landkarte zeigt, dass das nicht anders geht als Stückchen über Asphalt. Das übliche Dilemma eines jeden Trailläufers in den Mittelgebirgen. „Wie verbinde ich bloß die einzelnen Gebiete ohne über Asphalt zu müssen?“
Der zweite Teil ist wellig, aber nicht steil und lässt sich gut laufen. Schöne Singletrails und eine „Finnenbahn“. Man sieht den Vordermann förmlich auf dem Rindenmulch/Nadelgemisch wie auf einem Trampolin federn und zum wiederholten Male stelle ich für mich fest, wie sehr ich Nadelwälder mit ihren Wurzeltrails liebe. Und so entschädigt der zweite Teil für die Asphaltpassage und glücklich komme ich wieder auf dem Parkplatz an. Danke Marco für die Verpflegung, die Möglichkeit eines Vorablaufs und die Verpflegung danach mit alkoholfreiem Bier!!!
Jeder Teilnehmer kann sich auf tolle Trails und knackige Anstiege im schönen Spessart freuen. Schade, dass ich nicht selbst teilnehmen kann.
Sind „nur“ 26 km geworden, aber die Tatsache, dass ich das mittlerweile ohne Probleme und Muskelkater danach „aus dem Stegreif“ laufen kann, macht mich glücklich. Dieser Lauf tat der Seele gut, endlich wieder an der frischen Luft. So zeige ich heute meiner Krankheit und dem Winter den Stinkefinger und lege schonmal die kurzen Laufklamotten zurecht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: