Oh, wie schön ist… der Taunus!

Panama ist schön. Sehr schön sogar. Ich durfte das mit eigenen Augen sehen. Aber zu Hause ist es auch schon, man muss nur rausgehen. In meiner neuen hessischen Heimat gibt es viele viele schöne Gegenden die ich nach und nach erkunde. Odenwald, Bergstraße, Spessart, Vogelsberg und der Taunus sind zumindest die, die ich bisher gesehen habe. Und letzteren sollte ich am Sonntag wiedersehen. Aus diesem Grund werden alle Läufe diese Woche dem 1000 Höhenmeter-Festival von Björn (TRAILRUNNING TAUNUS) untergeordnet.
Zugegeben, anfangs war ich skeptisch was „geführte Touren“ angeht. Ich fühlte mich spontan an Städtereisen oder Museumsrundgänge erinnert, wo der „Guide“ sein Programm runterspult und die Gäste dann relativ unbeeindruckt wieder heimwärts gehen. Ausserdem weiss man ja nicht, wie die anderen Teilnehmer so drauf sind und ob das ganze harmoniert.
Schon im Vorfeld habe ich meine Skepsis über den Haufen geworfen und spätestens als ich die anderen Teilnehmer kennenlernte habe ich mich über meine Vorbehalte ein wenig geschämt. Wie konnte ich nur?
Die Trampelpfadlauferei und die Personen, die es vereint, lassen sich nicht über einen (und vorallem diesen) Kamm scheren.

Der Wecker klingelt um 5:50 Uhr. Ich will vorher noch was für die Uni tun, bevor ich mich spaßigeren Dingen widme. Frühstücken, Route einprägen und früh genug losfahren.
Wegen irgendeinem Electro-Event ist das Feldbergplateau gesperrt, die tanzwütige Meute verteilt sich auf andere Parkplätze und vermischt sich mit Eltern, ihren Kids und deren Schlitten. Schlitten, sowas habe ich doch auch dabei. Irgendwer tauft es „Poporutscher“ und es passt sehr  gut in meinen Rucksack. Tags zuvor habe ich das „Rodelrunning“ schonmal angetestet und im Taunus möchte ich es gerne auf die Höhe treiben. Meine Erwartungen werden um einiges übertroffen, aber dazu später mehr 😉

Zunächst einmal trifft sich die Meute an Björns Auto, kurzer Smalltalk. Stefan und Berend waren auch beim Revierguide letzte Woche dabei, Björn habe ich in Koblenz beim Revierguide getroffen (ohne es zu wissen), Martin und der Traildog Ben sind mir schon bestens bekannt.
Gleich darauf müssen einem Rentnerehepaar dabei helfen, ihr frontangetriebenes Auto von der Eisscholle zu schieben, auf der es sich festgefahren hat und der „low-mü“ Reifen/Boden-Paarung-Tribut zollen muss. Schön, wenn man sein Uni-Wissen in natura erleben darf (und selber nicht unter den Folgen leidet).
Björn sagt, dass er soviel Schnee im Taunus selber auch noch nicht gesehen hat und das Wetter heute nicht so super sei. Ich sehe das ein wenig anders, denn mein Wetterbericht hat -10 °C, Wind und gefühlte -15 °C angesagt und dementsprechend gekleidet bin ich. Erste Schicht (Thermoschicht), zweite Schicht (Windstopper), Wind-/Regenjacke, zwei Paar Handschuhe übereinander, die dickste Lauftight die ich habe und eine kurze Hose darüber um die zukünftige Familienplanung (immernoch) zu gewährleisten, Mütze, Halstuch, die dicksten Socken die ich finden konnte und Gaiters. Windig ist es nicht und so saukalt wie ich es erwartet habe auch nicht. Trotzdem möchte ich nicht, dass mir mein südländisches Blut gefriert. Sicher ist sicher.

Zwar sind wir an diesem Tag nicht mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein gesegnet, der wolkenverhangene Himmel und der Nebel hüllen die Winterlandschaft in ein ganz anderes Idyll, wovon ich heute seeehr fasziniert bin. Ich gucke permanent links und rechts und bin die dreieinhalb Stunden die wir laufen werden durchgehend beeindruckt. Ich liebe Bäume, die statt grüner Blätter den Schnee „auf Händen“ tragen und Baumstämme, die ihre Körper in Schneekleider hüllen. Der Laufuntergrund ist heute alles andere als einfach, denn der Schnee ist zum Teil knietief und wir die einzigen die dort heute unterwegs sind. Man hört im Minutentakt „Schön, wunderwunderschön“, „Krass“, „Geil“ oder sonstige Ausdrücke von Freude. An einer Stelle würde ich am liebsten stehenbleiben, picknicken und das Idyll in mich einsaugen. Die Downhills werden lachend, mit Tempo und völlig neuen Routen querfeldein genommen.
„Gut, dass ich nicht weiss, worauf ich laufe, sonst wäre ich hier bestimmt nicht so runterhacken“, denke ich mir. Björn warnte, dass diverse Downhills wurzel- und steinbedeckt und somit nicht einfach zu laufen sind. Heute wird das geflissentlich von allen ignoriert. Irgendwann kommt mein großer Auftritt. „Hier kannst du deinen Poporutscher auspacken“. Alles klar, mach ich. „Soll ich dir Ben umschnallen?“ fragt mich Martin. „JAJAJAJAJAJAJA BITTE“ entgegne ich und kaum ist Ben mir überlassen, peitsche ich ihn vor: „AUF BENNN, GIB ALLLESSS!!“. In aberwitzigem Tempo rutsche ich die schneebedeckte Forststraße hinunter und warne die Leute („Vorsicht, Schwertransport!“), welche bei dem Anblick eines von einem Hund gezogenen Klumpens Freude auch lachen müssen. Ich glaube, der Ben findet das nicht so lustig, einen Klotz an der Leine zu haben, ich zergehe jedoch vor Freude. Wahnsinn, was ein einzelner Hund für eine Zugkraft entwickeln kann. Wie das wohl ist, wenn man 10 Huskies vor den Karren gespannt bekommt? Die Rodelrunning-Einlage ist vorbei und es geht auch gleich wieder hoch. Das Tempo muss heute dem tiefen Schnee Tribut zollen, tut der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Bergab lacht jeder und bergauf unterhält man sich und lernt seine Mitläufer kennen und tauscht sich über diverse Gerätschaften, Funktionsklamotten und Schnäppchen aus. So hatte ich mir das gewünscht. Nach knapp 15 Kilometern kommen wir an Björns „Trailwaggon“ vorbei, er tischt Kuchen und Tee auf. „Was ein Engel der Typ“, geht es mir durch den Kopf, denn genau danach lechze ich gerade. Was weiches süßes und was warmes zum runterspülen. Mein Oatsnack ist nämlich tiefgefroren und auf eine Eis mit Bananenbrotgeschmack habe ich jetzt nicht so Bock.
Leider muss Martin hier aussteigen, seine Muskeln machen ihm einen Strich durch die zweite Etappe. Schade! „Das beste hast du eh gesehen“ sagt Björn und die verbleibenden drei Läufer formulieren schon die Beschwerdebriefe. Weiter gehts. Auf den restlichen 8 Kilometern ist nur sehr wenig los. Der Schnee liegt noch tiefer und spuren sind auch keine gezogen. Ich mag es hier. Diese Ruhe. „Da ist ein Weg hoch“ sagt Björn zwei Mal und beide Male frage ich: „Bist du dir sicher?“. Es geht steil hoch, es liegt tiefer Schnee und zwischen den Bäumen und Felsen ist kein Weg zu erkennen. Also machen wir uns einen Weg. Die Downhills sind enger, kurviger, mit weniger Weitsicht. Das tut dem Spaß jedoch keinen Abbruch und Berend legt sogar einen Sprung von „der Klippe“ mit gekonnter Rolle über die Schultern (und Rucksack) hin. Vor lauter Lachen bekomme ich einen Hustenanfall. Oh jee, da bahnt sich was an. Wir halten kurz, ich stütze mich ab und mein esoterischer Ansatz „mit der Natur eins“ zu werden, wird als Schlappmachen missinterpretiert. Wobei. Wahrscheinlich habe ich meinen eigenen Zustand missinterpretiert 😉
Wir genießen den Ausblick und laufen zurück, sind irgendwann wieder da. Tee schlürfen, plaudern, verabschieden. Leider frieren wir alle sehr, was der entspannten Stimmung zuwider kommt. Ich bedanke mich bei Stefan, Berend und Björn (und Martin und Ben) für diese spaßige Tour die alle meine Erwartungen übertroffen hat und freue mich, jeden einzelnen (und den Taunus) bald wiederzutreffen! Tolle Sache. Übrigens für jeden machbar: TRAILRUNNING TAUNUS
Wer also Bock auf Trailrunning hat, kommt auf 3 Levels (wie bei Super Mario) und Bonuslevels (Höhenmetertouren, Nachtläufe, wie bei Supermario) im Taunus voll auf seine Kosten und nette Bekanntschaften sind dort garantiert!

Die Meute

Taunuswinteridylle
Erstmal „chillen“
Zauberwald.
Zauberwald + Lehrlinge
Winteridyll.
Selbst Ben muss lachen.

Spaß, Spaß, Spaß.
Prepare to Rodel.
Yeah!


EPISODE II

Ein Gedanke zu „Oh, wie schön ist… der Taunus!

  1. Holger sagt:

    Schön geschrieben und man ist fast was entäuscht nicht dabei gewesen zu sein.

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