Der Mutter-Kind Trail von Mordor.

Extreme Belastung erfordert eine gute Vorbereitung. Gute Ausrüstung, sinnvolle Kräfigungsübungen und viele Höhenmeter sind Übliche Maßnahmen, sich auf einen Etappenlauf wie die 4-Trails vorzubereiten und führen mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Finish (hoffe ich).
Da ich allerdings auch über diesen Lauf hinaus viele viele Jahre die Trampelpfade dieser Welt erkunden möchte und es noch viele Projekte gibt, die in meinem Kopf herumschwirren, habe ich einen Termin beim Sportarzt ausgemacht, um mich durchchecken zu lassen.
Am Dienstag erstmal dem Onkel Doc erzählt, warum ich da bin und was für einen Spaß ich im Juli haben werde. Der Doc ist schon zahlreiche Marathons gelaufen und bezeichnet sich selbst als „Waldläufer“. Das Gebiet um die Burg Frankenstein zählt auch zu seinem Revier. Eine Gemeinsamkeit haben wir also schon. Auch er trägt keinen Pulsmesser und läuft nach Gefühl, Lust und Laune.
„Na dann gehen sie mal rüber zum Lungenfunktionstest und dann machen wir ein Belastungs-EKG.“ Alles klar Doc, machen wir. Die nette Arzthelferin befiehlt mir, meinen Oberkörpfer frei zu machen. Nach den 15 kg weniger auf den Rippen fühle ich mich in meiner nackten Haut nicht mehr ganz so unwohl. Auch nicht, als jede Arzthelferin mindestens einmal in dem Raum war.
Die nette Arzthelferin steckte mir ein Papprohr in den Rachen. Einatmen, Ausatmen, Einatmen, Ausatmen, GAANZZZZ TIEF LUFT HOLEN, AUSSAAATMENNN!!! Sie schreit mich an und der erste Versuch geht schief. „Na das können sie bestimmt besser, nochmal.“
Anschließend geht es auf das Fahrrad, wo ich strampeln muss. Ich bin kein Freund von Fahrrädern, aber als mir nach 20 Minuten die Oberschenkel brennen, spüre ich doch eine gewisse Befriedigung, habe ich für den Arzttermin doch meinen Lauf ausfallen lassen.

Der Doc erklärt mir die Ergebnisse. „Ihre Lunge ist um 30% größer als die Durchschnittslunge in ihrem Alter und ihre Ausdauerleistung liegt im oberen fünftel ihrer Altersklasse. Machen sie weiter so und sie werden den Lauf schon wuppen!“ Danke Doc. Ob das auf meine Lauferei zurückzuführen sei, frage ich und der Doc bejaht. Ich persönlich führe das auch auf meinen Gymnastikball zurück, den ich dreimal die Woche bis zur Implosion der Lunge wiederaufblasen muss.
Donnerstag soll mir noch Blut abgenommen werden. „Rufen sie Freitag zwischen 13:30 bis 14:00 Uhr an, dann haben wir die Ergebnisse.“ Freitag war ich zu der Zeit laufen und eigentlich wollte ich mit meinem Notfallhandy vom Trail in der Praxis anrufen. Dumm nur, dass ich die Telefonnummer der Praxis nicht eingespeichert hatte. Also bis Montag gedulden…

Donnerstag schnüre ich diese Woche zum ersten Mal wieder die Laufschuhe, drehe eine Runde im Wald und will auf dem Rückweg den letzten Teil der „Gesamtroute“ ablaufen, laufe jedoch am Dommerberg vorbei und nehme nur den Dachsberg mit. An der Orientierung in diesem Bereich muss ich noch arbeiten. Es sind auch noch zu viele Waldautobahnen dabei. Wenn ich hier fertig bin, gibt das einen nahezu perfekten Trail mit 30km Länge!

Freitag nehme ich meine Laufsachen gleich mit ins Labor um gleich nach meiner HiWi-Tätigkeit laufen zu gehen.Zufälligerweise ist auch mein Chef im Labor und als ich die Trinkblase fülle, fragt er mich, was ich da mache. Laufen gehen, erwiedere ich. „Aber es ist doch Winter.“ „Na und? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“ (wie gern ich das sage. Am liebsten würde ich dabei grunzen. Ich harte Sau.) „Im Winter mache ich immer Pause.“ Ich sage nichtsmehr, immerhin ist der Doktorand mein Chef 😉 Verpassen tut er aber einiges 🙂
Der Einstieg in die Trails beginnt gleich am Campus Lichtwiese. Auch die Universitätswahl ist mir in der Hinsicht scheinbar geglückt. Heute sollen Mordors letzte Geheimnisse entlockt werden. Während der Tour mit Martin habe ich einen Weg auf die Spitze von Mordor entdeckt, die jetzt abgelaufen werden soll.
Diesmal verpasse ich den Dachsberg und laufe über den Dommerberg. So’n Mist, diesem Teil der Route werde ich in der nächsten Woche die höchste Aufmerksamkeit widmen. Meine Neugier treibt mich auch dieses Mal vom eigentlich weg ab und bringt mich an den Fuß des Herrgottsberges, welcher mir einen kurzen, knackigen Anstieg beschert. Halb Kletterpartie, halb Lauf. Große Klasse!

Herrgottsberg. Neues Highlight auf der Route.

Auf dem nach Mordor habe einen ganz neuen, kleinen, schmalen Trail entdeckt und mich riesig gefreut, da er den Feldweg am Waldrand entlang überbrückt und den Asphaltanteil nun auf ein absolutes Minimum reduziert.
Nun gilt es, Mordor zu betreten. Die „Mordach“ (der eigentliche Name), wird von zwei Landstraßen begrenzt und bildet ein kleines Niemandsland zwischen Odenwald und Bergstraße. Ziemlich gruselige Gegend…

Hier wird mich der „Mordor-Trail“ wieder ausspucken.

Auf dem Weg zum Eingang. Soll das etwas bedeuten?

Der Eingang. Nur wache Augen finden ihn (habe ein halbes Jahr gebraucht).

Der Weg zur Spitze
Der Aufstieg zum Gipfel.

Der Anstieg ist ziemlich direkt und erbarmungslos, gibt aber einige Höhenmeter und wegen denen bin ich ja hier. Der offizielle Name lautet „Kohlberg“, allerdings ist dieser auf keiner Karte verzeichnet und nichtmal im Internet findet man dazu etwas. Der Gipfel ist erklommen und jedes Mal wenn ich irgendwo auf dem Gipfel angekommen bin, mache ich eine kurze Pause und lasse die Atmosphäre und den Ausblick auf mich wirken. Sogar mein Tinnitus – den ich dank den Queens of the Stone Age seit 2 Jahren habe – gibt Ruhe. Auch er gruselt sich und zieht sich kurzerhand zurück. Als Vögel, ich vermute Krähen, krächzen, laufe ich schnell weiter und nehme den direkten Weg zum aufregendsten Teil von „Mordor“. Dem Downhill. Geradewegs laufe ich durch den Kiefern-/Fichtenwald (?). Ich sehe die Bank, die den Start des Downhill markiert, laufe weiter und bleibe in Dornengestrüpp hängen. Bloß weg. Auf halben Weg geht der Downhill nochmal kurz hoch, bevor es weiter bergab geht. Ich sehe folgendes Bild und muss lachen…

Mutter-Kind-Downhill in Mordor.

Was soll das bedeuten? Ist der Trail ein historischer Trail auf dem Mütter ihren Kindern das laufen beigebracht haben? Oder sollte man als Mutter sein Kind an die Hand nehmen, weil der Abstieg ziemlich ruppig ist? Ich weiss es nicht, etwas unwirklich ist das Schild trotzdem.
Was mir von Mordor bleibt, sind zusätzliche Höhenmeter, mehr Trails und weniger Waldautobahnen. Jetzt geht’s wieder Richtung Wohnung…

Erstmal ein bischen abhängen.

An obigem Wegesschild und von dem Baum dort verdeckt, habe ich am Sonntag, als Martin seine Salztabletten schluckte einen Trail entdeckt…

Der „Neue“.
Eine letzte Kletterpartie.

Das ist nun der „Neue“. Mehr Trail, weniger Feldweg am Wald entlang. Schön schmal, zickzack und mit Hindernissen gespickt.

Der lange Lauf war also ein voller Erfolg was die Erkundung betrifft. Ein wenig habe ich die Höhenmeter überschätzt und bin zu Hause ziemlich platt. Wozu auch die Sense Mantra beitragen, die sehr flach sind und im Moment noch viel Kraft kosten.

Samstag also in den Spessart, in die dritte Heimat sozusagen. Eigentlich wollte ich Sonntags laufen gehen, aber die Sonne ließ sich blicken und mein Körper lechzt nach ein paar Sonnenstrahlen, also ein kurzes „Powernap“ und los geht’s.

Ok. Irgendwie haben Mütter mit ihren Kindern eine Trailvergangenheit…

Ich entdecke auch hier einen „Mutter-Kind-Trail“. Nun, der fränkische Marienweg ist jetzt nicht ganz unbekannt, aber auch hier wird auf dem Wanderschild eine Mutter mit ihrem Kind abgebildet. Anscheinend waren die ersten Trailläufer weiblich und statt einem Trinkrucksack haben sie Kinder auf ihrem Rücken getragen. Es ist mir immernoch ein Rätsel. Weiter, weiter, immer weiter hoch. Die Schwedenschanze ist der Lieblingsteil meiner Strecke, ist aber mit Gefahren verbunden, da ich hier die Grenze von Preußen nach Bayern überquere. Weiter unten zeugt eine alte Grenzmarkierung noch davon. Erstmal ausruhen und dann runterschießen…

Erstmal „chillen“.

Am heutigen Sonntag juckt es mich immernoch in den Füßen und zusätzlich lockt die Sonne auf ein viertes und letztes Läufchen diese Woche. Es geht auf eine sehr gemütliche Runde mit der Freundin meines Schwiegervaters-in-spe (ich nenne ihn jetzt mal so). Ich bin stolz auf sie, da sie lieber die 200 Höhenmeter komplett hochläuft, statt mit dem Auto 100 Höhenmeter zu übergehen. Und einfach sind die nicht zu laufen!
Ich hatte einen kurzen Lauf erwartet, aber bei dem Kaiserwetter sind ganz schnell 2 Stunden vergangen. Ein sehr entspannter, kurzweiliger Lauf der die Laufwoche schön abrundet. Gemeinsam vergeht die Zeit doch wesentlich schneller und auch irgendwie schöner 🙂
Ich stelle fest, dass ich von Donnerstag bis heute, die Mini-4-Trails absolviert habe. 40% der Kilometer und ganze 17% der Höhenmeter. Aber immerhin 😛

Das erste Halbjahr von 2013 ist Trailtechnisch auch schon ein wenig vorgeplant:

17.02.2013: TRAIL MAGAZIN: Revierguide Spessart
24.02.2013: TRAILRUNNING TAUNUS: 1000 HM Tour
22. – 24.03.2013: 1. TRAILRUNNING TAUNUS WEEKEND: über 100km/3000hm in 3 Tagen!
28.04.2013: THR33KY 7-HILL THRILL: 30km/1400hm im Siebengebirge
26.05.2013: Rheinsteig Extremlauf: 34km/1200hm
22.06.2013: Zugspitz BASETRAIL: 36km/1900hm
10. – 13.07.2013: Salomon 4-TRAILS: 160km/10000hm in 4 Tagen!

Kann es kaum abwarten, wenn ich das alles so lese!!! Und das ist ja nur das erste halbe Jahr 😉

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