The dog days are over.

Ich bekomme Besuch am Samstag und will eine Tour laufen, die so schnell nichtmehr aus den Köpfen geht! Tolle Trails sollen es sein und auf dem Weg will ich dem „Geo-Naturpark Bergstraße/Odenwald“ soviele Höhenmeter ausquetschen, wie es nur irgendwie möglich ist. Seitdem feststeht, dass mich die Jungs (Samstag wird es nur Martin sein, da Steffen krank ist.) besuchen, bin ich im Streckenwahn…
Hier kommt wieder der kleine Perfektionist zu Tage, der ich manchmal sein kann.

Der Kotelett-Pfad von Darmstadt nach Roßdorf war mein erster Kontakt zum Trailrunning und auch der erste gelaufene Trampelpfad. Im wahrsten Sinne, denn der Kotelettpfad entstand im 19. Jahrhundert, als die Darmstädter Bürger sich (meist Sonntag) auf den Weg nach Roßdorf machten, um – der Überlieferung nach – das beste Kotelett der Region zu verspeisen. Ein bischen Kultur muss auch beim Trailrunning sein 😉
Am Montag also mache ich mich auf den Weg, den Kotelettpfad (Teil 3 meiner Route) mit den ersten beiden Teilen zu verbinden. Ich möchte den irgendwie sinnvoll verbinden und wie der Zufall es so will, geht es dabei auch über den Dachs- und den Dommerberg. Ich kann also noch ein paar Höhenmeterchen abstauben und bin sehr zufrieden.

Mittwoch: Der Schnee ist geschmolzen und ich mache mich auf, die ersten beiden Teile der Route abzulaufen und meine neuen und schon heißgebliebten Sense Mantra an ihre Grenzen zu bringen. Seit Dienstag ist der Schnupfen nämlich weg, ich fühle mich fit und könnte wieder Bäume ausreißen! Ein Wiedersehen mit den Magnetsteinen steht an…

Blöd, wenn die Kamera umfällt.
So bin ich da hochgerannt. Genau so!
Mooooooos!
Magnetsteinpfad. Vorsicht, rutschig 😉
Magnetsteinpfad.
Magnetsteinpfad.
Magnetsteinpfad
Der Kräuter-Riech-Garten (heißt wirklich so).
Der Harry-Potter-Downhill.

In meinem Kopf male ich mir aus, wie es wäre, wenn man hier einen Revierguide abhalten würde. Ich würde gerne sehen, wie die schnellen Grazien von Start weg den höchsten Punkt der Strecke hochhechten. Ich würde gerne sehen, wie andere Leute den Magnetsteinpfad (mein absoluter Lieblingspfad) entlanglaufen, der in meinen unerfahrenen Augen sehr schwierig ist. Vorallem würde ich gerne jemanden sehen, der es schafft, die Himmelsleiter runterzurennen. Wirklich rennen. Die Steinstufen sind extrem glitschig und die Dreckspur daneben ist so verdammt steil und matschig, dass ich mich bisher noch nie (!) getraut habe, dort halbwegs schnell zu werden. Eigentlich möchte ich heute den Hügel mitnehmen, der zwischen dem ersten und zweiten Teil der Strecke steht. Aber heute habe ich da weder die Zeit noch die Lust zu. Doch was ist da? Ein kleiner Schlammpfad der diesen Hügel hochführt. Steil, sehr steil. Schnell vorbei und kurze Zeit darauf wieder auf dem ursprünglichen Weg zurück. Morgen…
Auf den Harry-Potter-Downhill bin ich besonders stolz. Eigentlich als Verbindungsstück gedacht, entfaltet er einen ganz besonderen Charme und hat sich selbst zu einem eigenständigen Element erhoben. Etwas surreal ist der Eingang zum Downhill ziemlich „angewuchert“ und sehr dunkel, der Weg an sich ein wenig „angemost“ und von Wurzeln durchtränkt. Man kann dort ziemlich schnell werden und ebenso schnell auf der Nase liegen. Toll, einfach toll.
Prinzenberg hoch, Flowertrail entlang. Das heutige Läufchen ist für heute fast beendet. Noch die Frage ob ich links oder rechts am Goethefelsen entlanglaufe. Hmmm. Warum nicht eine kleine Klettereinheit einlegen und geradewegs dort hoch?!? Gesagt, getan und dabei viel Spaß empfunden. Ich hätte mich gerne aus der Sicht der Wanderer gesehen, an denen vorbei ich wie Gollum die bemosten Felsen hochkraxle. Heute war ein guter Tag!

Der Donnerstag darauf möchte ich die Route komplett machen. Ich fahre mit dem Bus direkt in die „Mordach“ und will endlich Zugang zu diesem Hügel fnden. Basierend auf dem Schlammpfad den ich am Tag zuvor entdeckt hatte, gehe ich an Stöcken den Pfad hinauf. Ich mag die Mantras sehr, die Mantras mich jedoch nicht. Der Muskelkater in meinen Waden bringt mich fast um. Wie dem auch sei. Der Schlammpfad mündet an einer Kreuzung die vier (!) Abbiegemöglichkeiten bietet. Die erste führt mich zurück auf den ursprünglichen Weg. Also erstmal die zweite ausprobieren. Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber für mich gibt es nichts schlimmeres/gruseligeres als Zombiewege. Waldwege, die der Mensch einst in den Wald fräste, irgendwann aufgab und die der Wald sich nun zurückholt. Je tiefer ich diesem Weg folgte, desto zugewucherter wurde der Weg von Dornengestrüpp, Ästen und hohem Gras. Irgendwann war ein umgefallener, toter Baum vor mir und dahinter schin der Weg ganz urplötzlich einfach aufzuhören. Die Böschungs runter links neben mir war ein anderer Matschpfad, den ich mal in die Strecke einbinden wollte, also darauf und dem Weg folgen. Schon besser. Zumindest ein wenig. Diesem einsamen Hügel haftete die ganze Zeit etwas sehr mysteriöses an. Zwar habe ich jetzt einen knackigen Matschdownhill eingebaut, aber seltsam bleibt es trotzdem. Irgendwann habe ich den Berg einmal komplett umrunden und bin wieder zurück an der Kreuzung. Bleibt also nur noch ein Weg, den es zu erkunden gibt. Dieser Pfad ist halbverlassen und für mich auf eine Lichtung. Weiter vor mir ein überdachte Försterstuhl und auf der Lichtung ein Baumstumpf. Definitiv von Menschenhand dorthin gesetzt. Angekokelt und mit einem weissen Block besetzt. Meine Alarmglocken schrillen, ich renne sofort wieder den Weg zurück und will diesen Hügel so schnell es geht verlassen. Kein Zweifel. Das „Mordor“ aus Herr der Ringe hat seinen Namen und seine Schaurigkeit definitiv diesem Hügel entnommen!
Es entsteht ein surreales neues Teilstück der Strecke. Rechterhand ein schöner Blick in den Odenwald mit saftigen grünen Hügeln und idylliscen Dörfern. Bevor es in einen toten Wald auf eine spaßige Matschpiste geht. Unliebsam von Dornengestrüpp zugewuchert.

Ich ziehe ein persönliches Zwischenfazit. In Gedanken klopfe ich mir selber auf die Schultern, da die Route alles bietet, was man in der Luftlinie Seeheim-Darmstadt trailläuferisch erleben kann. Felsen, Wurzeln, viel Matsch, knackige Anstiege, halsbrecherische Downhill und und und…
Auf dem Rücken der Bergstraße hat man linkerhand einen guten Blick in die Rheinebene, der auf der Route mehrmals zu genießen ist. Rechterhand fängt der Odenwald an, ein Kontrast dazu. Ich habe es geschafft, jeden Höhenmeter mitzunehmen, den die Route hergibt und bin sehr gespannt auf Samstag!

Samstag: Gut geschlafen, noch besser gefrühstückt. Der Muskelkater von Donnerstag ist verflogen, Martin endlich da und los geht’s an den Startpunkt.

Ich bin ein wenig nervös. Martin ist 70 km nach Darmstadt gefahren und die Anfahrt soll sich für ihn lohnen. Vor zwei Tagen war ich noch stolz auf die Route und jetzt frage ich mich, ob die auch wirklich so toll ist, wie ich das meine. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich die Strecke und die Umgebung erkläre. Einerseits, weil ich das selber interessant fände, andererseits ein wenig rechtfertigend. Ich versuche einen Spannungsbogen zu erzeugen und hoffe, mein Pulver nicht schon auf den ersten 10 km zu verschießen. Denn die finde ich persönlich am besten. Wir kommen an den Magnetsteinen und der Burg Frankenstien vorbei, wo heute die meisten Fotos geschossen werden:

Wir laufen weiter nach „Mordor“. Die gruseligen Teile bleiben Martin glücklicherweise erspart. Ich stelle fest, dass es einen Pfad über die Kuppe dieses Hügels gibt und ärgere mich, als ich sehe, wie der auf der anderen Seite des Hügels wieder runterkommt, während ich meinen Gast auf der Waldautobahn um die Kuppe herumführe. Da ist mir eine Möglichkeit, Schotterpisten durch Trails zu ersetzen durch die Lappen gegangen. Man kann nicht alles haben. „Mordor“ wird wegen seines Matsch-Downhills durchquert und am Ende werden wir auf den ursprünglichen Weg wieder ausgespuckt und ziehen weiter.

Mordors Eingang

An einer Kreuzung angekommen muss Martin mal eine kurze Pause machen. Wir tingeln zur Bank, neben der ein dicker Baum steht. Als ich hinter den Baum gucke, sehe ich einen schmalen Pfad. Ich gehe zurück und prüfe, ob ich diesen Weg mit bloßen Auge von meinem Weg aus hätte entdecken können. Keine Chance. Der Baum verdeckt den Anfang und hohes Gestrüpp den Rest. Wieder eine Möglichkeit durch die Lappen gegangen, denn auf wir müssen wieder ein Stück Forstweg laufen. Dieses Stück hasse ich. Immerhin sind wir jetzt wieder im Wald, hier gibt es wieder nur Trails.

Als wir zwei Drittel hinter uns haben, stellen wir fest, dass uns die Zeit davon läuft. Immerhin müssen wir mit der Straßenbahn zum Startpunkt und dem Parkplatz von Martins Auto zurückfahren. Wir zollen meinem Studentendasein und der damit verbundenen Streckenplanung Tribut und beenden die Tour nach 20 km. Meine Laufuhr zeigt zwar „1116 Höhenmeter“, allerdings ist beim Update wohl eine Einstellung verrutscht und somit die Höhenmeter verfälscht. 900 – 1000 dürften es trotzdem sein. In der Straßenbahn zurück frage ich Martin, ob die Strecke ihm denn wenigstens gefallen hat, was er bejaht. Allerdings hatte er noch Muskelkater in den Waden und konnte das alles nicht ganz genießen. Kann ich sehr gut nachvollziehen. Die komplette Route bleibt also auch Steffen vorbehalten, der heute leider krankheitsbedingt zu Hause bleiben sollte. Aus der heutigen „Generalprobe“ ziehe ich folgende Schlüsse:

– es gibt mindestens zwei ungelaufene Trails auf dem Weg -> unbedingt ablaufen
– rund um die Magnetsteine gibt es noch einiges zu erkunden
– die Strecke muss auf exakte Höhenmeter abgelaufen werden
– der dritte Teil der Strecke muss detaillierter erforscht und geheime Trails entdeckt werden
– ich laufe wie ein halbes Hähnchen (die Videos zeigen es 🙂 )

Wie im Studium so auch beim Trailrunning. Viele Dinge lassen sich nicht analytisch sondern nur iterativ lösen. Nach jedem Durchlaufen der Schleife hat man ein besseres Ergebnis, auf diesem aufbauend man weiteriteriert und irgendwann an einem Punkt ankommt, an dem das Ergebnis befriedigend ist.

Halt. Stop! Der heutige Sonntag sollte eigentlich ein Ruhetag werden, aber ich fühle mich viel zu gut um nicht auch diesen Tag läuferisch zu verwerten. Mein Mitbewohner wird kurzerhand überredet, mit auf eine Trailtour zu kommen und wir nicht geschont. Er macht sich sehr gut! Mein nächster Plan ist also, ihm den Frankfurt-Marathon auszureden und ihn auf die Trailrunning-Schiene zu bringen 😉

P.S.: Ich ärgere mich wieder über Garmin. Das neue Update hat die Höhenmessung, die vorher tadellos war, wieder verhunzt…

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