Nicht lang‘ schnacken, Trail runterhacken. Die 4-Trails Odysee beginnt.

Seitdem bekannt ist, dass ich am TRAIL Magazin Revierguide teilnehmen kann, freue ich mich wie ein kleines Kind, zählte die Tage und hoffte, dass ich nicht krank werde oder etwas dazwischen kommt.
Dieser Lauf sollte mein persönlicher Startschuss für die Vorbereitung auf die 4-Trails werden. Ein kleiner Test sozusagen.

Ich musste mich im Vorfeld des öfteren als „Depp“ bezeichnen lassen, als ich versuchte ein wenig für diesen „Trehl Rannink“ (O-Ton: Wer ist denn dieser Trehl Rannink? Kennt man den?) zu missionieren oder den Leuten zumindest verständlich zu machen, warum das alles so geil ist.
Mein Mitbewohner will in seinen Geburtstag reinfeiern. Samstag auf Sonntag in unserer WG. Kein Problem, da wohne ich ja. Halt nicht in der Winterpause, da laufe ich bei meiner Freundin im Spessart rum. Also hinfahren, die letzten 3 – 4 Bier bis mindestens 10. Juli (Startschuss 4-Trails) trinken, so tun als ob man Gin Tonic trinkt (Statt Gin stilles Wasser, aber trotzdem pöbeln wenn kein Eis oder keine Gurke da ist). Bis Mitternacht muss ich dann den 30 Leuten (die Platz auf ca. 55qm Studentenwohnung finden) erklären, warum ich so früh wieder zu meiner Freundin fahren muss. Viel Kopfschütteln, aber auch viele Leute die das toll finden. So auch mein Mitbewohner, der Verständnis für meine Flucht hat.

Um 1:30 Uhr liege ich im Bett. Ich stehe um 5:30 Uhr auf, befülle den Trinkrucksack, atme ein Frühstück ein, wecke meine Freundin, die mich zum Bahnhof fährt. Von dort aus geht es erstmal 70 km nach Butzbach, wo die 2 anderen verrückten mich abholen und es dann nach Richtung Koblenz geht.
Im Auto wird über Core-Training, den perfekten Laufschuh, die neue Regenjacke und die Unterkunft für die 4-Trails gesprochen. Ich fühle mich wohl und weiss manchmal garnicht, was ich da rede. Ich rede einfach und hoffe, den Jungs nicht tierisch auf den Senkel zu gehen 😉

Chefredakteur Denis und die Guides. Super Typen.

Ehe ich mich versehe sind wird da, laufen hoch zum Treffpunkt und stehen vor einer Horde Menschen. Mein erster Gedanke: „Was für krasse Typen und Typinnen ;-)“.
Zunächst schäme ich mich ein bischen, da ich bis unter die Zähne ausgerüstet bin und so aussehe als könnte ich was und mich jemand anspricht:
„Du bist bestimmt schon ziemlich erfahren. Wie ist denn das mit den Stöcken so?“
„Weiss ich nicht, habe ich selber erst zweidreimal benutzt“

Alle gut gelaunt, tiefenentspannt und mit Grinsen im Gesicht. Die Leute sind ja ziemlich weit gefahren, bloß um „ein bischen zu laufen“. Uns wird erklärt was wir zu tun haben und es geht auch schon los. Die Gruppen teilen sich auf und von Start weg geht es auf sehr schöne Trails, hoch runter hoch runter. Schaut es euch erstmal ein bischen an:

Und das sind nichtmal alle…
Martin unterschreibt den Verzicht auf Schadensklage. Ich finds witzig 🙂

Die Gruppe wird aufgeteilt in schnelle und langsame 9 km, sowie in schnelle und langsame 19 km. „Gripmaster“. Jeder kennt Gripmaster, den Fotografen. Dieser rennt immer ein Stück vor, macht Fotos, rennt vor macht Fotos. Und das mit diesem Klunker an Fotoapparat in der Hand, als ob nichts wär. „Krasser Typ“ denke ich bei mir. Er lächelt, macht ein paar Sprüche und hat offensichtlich auch Spaß. Ich bin neidisch, weil ich weiss, wo dieser Mann schon überall war und welche Trails er schon betreten durfte.
Steffen gibt Gas und läuft bei den schnellen 19ern mit. Martin und ich bei den langsameren 19ern, wo auch Chefredakteur Denis mitläuft. Ich fühle mich 15 Jahre zurückversetzt, als ich als kleines Kind vor meinen Tischtennisidolen stand und mich nicht traute diese anzusprechen. Jeder der das TRAIL Magazin liest, weiss was Denis schon alles gelaufen ist und wo auch dieser schon gewesen ist und wieder bin ich neidisch. Sehr neidisch. Ich traue mich nicht ihn anzusprechen und schaue ein wenig zu. Mit Leichtigkeit rennt er die Steigungen hoch und noch leichter läuft er sie wieder runter…

Der erste schöne Downhill…

Auch den im obigem Bild. Aber nicht den Trampelpfad, den wir auch Laufen, sondern in direktem Weg runter. „Da war doch“ was denke ich mir. Mir fallen meine Begegnungen mit Rehen ein, die auf dem Weg standen und dann vor mir durch das Unterholz weghüpften. Jeder der ein Reh gesehen hat, was wie grazil diese sich bewegen. „Boa, das will ich auch“ denke ich weiter, warte bis ein wenig Platz ist und brettere runter, links und rechts an ein paar anderen Leuten vorbei. Bis ich fast den Abhang runtergehüpft wäre. Ich kann mich abfangen, blutgrätsche dabei fast die netten Damen vor mir ab, von denen eine diesen tollen Beitrag verfasst hat. Ich gestehe mir selbst den Übermut ein und gelobe mir selbst, ein wenig langsamer zu machen. Oh, wie sehr ich da falsch lag 😉

Irgendwann bleiben wird kurz stehen und Denis fragt die Leute, ob sie denn auch Spaß haben. Ich bin zu Tränen gerührt da ich irgendwie ein bischen im Mittelpunkt stehe 🙂
Als jemand ein Foto mit Denis macht, überwinde ich meine Angst und frage auch nach einem gemeinsamen Bild.
Diese Szene weckt (wieder) Erinnerungen:
Ich stehe neben meinem größten Idol und weiss nicht ob ich riskieren soll, ihm die Hand über die Schulter zu legen und noch so ein steifes Fan-Profi-Bild zu schießen, als er mir zuvorkommt und es selber tut:

Marek Klasek und Denis haben für mich jetzt viel gemeinsam. Durch Marek wurde ich damals Feuer und Flamme für den Tischtennissport, er hat es mir vorgelebt und ich wollte so sein wie er. Durch Denis bin ich zum Trailrunning erst gekommen, was ich ihm so auch sage und es gleich ein wenig bereue, da ich mich ein bischen wie ein Schleimer fühle =]
Nachher wiederrum wieder nicht, weil es ehrlich so gemeint ist und ich bis zum ersten Mal „TRAIL“ lesen garnicht wusste, dass es sowas gibt. Vielleicht spornt positive Resonanz ja an, dem Magazin ein paar mehr Seiten hinzuzufügen 😉

An dieser Stelle möchte ich auch „Schäfer Olaf“ erwähnen, der die Schäfchen in seiner Gruppe beisammen hielt und viel Spaß verbreitete. Haste juut jemacht. Aber es war ja noch nicht vorbei…

Geilster Downhill bisher…

Dieser Meilenstein ist bestimmt das meistfotografierte Objekt an diesem Tag, denn damit wurden wir im Vorfeld heiß gemacht und auf die Folter gespannt. Unser Schäfer Olaf wartete oben und warte die Leute nochmal, dass der Abstieg tatsächlich seine Tücken hat.
Schäfer: „Warum wartest du eigentlich?“
Ich: „Weil ich da schnell runterrennen möchte“
Schäfer Olaf grinst und freut sich. Oder denkt, dass ich saublöd bin.

Gripmaster wartet und fotografiert die Leute bei ihren Flugversuchen. Unten angekommen möchte ich das nochmal machen und Olaf spornt mich an: „Ja, dann lauf doch nochmal hoch, bischen Zeit ist noch“

„Geh‘ doch nochmal hoch“

So krieche ich an den Baumwurzeln vorbei um da nochmal runterzustürzen. Bis ganz noch oben laufe ich nicht, denn nach dem erneuten Abstieg wäre ich vor Erschöpfung wohl liegengeblieben. Wieder runter schießt wieder das Adrenalin in meine Adern und ich bin berauscht.
Unten sind schnelle und langsame Gruppe wieder vereint und Oberschäfer TriTo (Torsten) animiert die Leute zum weiterlaufen
Der Oberschäfer Torsten (TriTo) animiert beide Gruppen zum weiterlaufen, entweder auf dem Weg oder am See entlang. „Ist aber rutschig“.
Scheißegal, ich trage ja Speedcross. Sagts, rutscht aus und liegt auf dem Boden. Das passiert aber fast allen mindestens einmal am heutigen Tag, glaube ich. Den nächsten Anstieg gehen wir und ich bin heilfroh, weil ich plötzlich total platt bin. Weiter, weiter immer weiter…

Mittelerde lässt grüßen

Unser Guide Olaf sagt irgendwann: „Bleibt an dem Schild dort stehen“. Wir gehorchen und irgendwann folgt:
„Da geht es hoch“. Irgendwer ruft: „Da kann man hoch?“
Ich ziehe meine Stöcke aus dem Rucksack und bin heilfroh, diese mitgeschleppt zu haben, denn sie sind mir eine große Hilfe. Der extrem steile Anstieg wird vom aufgeweichten Boden und Moos erschwert, viele rutschen aus und irgendwer nimmt damit fast die halbe Gruppe hinter sich mit. Wer Herr der Ringe gesehen hat fühlt sich an dieser Stelle an die Hetzjagd der Orks auf die Hobbits erinnert. Alle sind dreckig, grunzen, rennen und fallen, stehen wieder auf, stürmen weiter hoch.
Zum Glück geht alles gut und uns wird versichert, dass es ab sofort „ganz entspannt, bischen hoch und runter“ weitergeht.

Irgendwann kommen wir wieder am Ausgangspunkt an und es geht leider zu Ende. Ich bin ein wenig traurig, denn wir haben keine Zeit „mit rüberzukommen“ und brechen auf. Ich bedanke mich bei Denis und allen Guides und hoffe keinen vergessen zu haben. Am liebsten würde ich aber jeden einzeln umarmen und jeden über seine Erfahrungen ausquetschen. Wie ein kleines Kind, dass in Toys’R’us eingesperrt wird fühle ich mich.

An diesem Tag ist jeder, der gekommen ist ein Held für mich. Jeder hat jeden Schritt zelebriert und jeder ist irgendwo ein „krasser Typ“ für mich. Wir laufen also zurück und Steffen mahnt mich, dass die 4-Trails kein Zuckerschlecken seien. Immerhin quasi 4 Bergmarathons nacheinander. Ich will es nicht hören, weiss aber, dass er recht hat und ich noch viel tun muss, bin zuversichtlich, dass ich das auch packen werde.

Ich habe mir einen Core-Trainingsplan von meinem Coach Martin machen lassen und wenn der letzte Medizinball angekommen ist geht es auch los. Steffen und Martin sind dabei mein gutes wie schlechtes Gewissen. Wir pushen uns gegenseitig und ich bin froh an diese zwei verrückten geraten zu sein, denn beide sind ähnlich bis größer motiviert als ich. Die nächsten Vorhaben werden geplant. 2013 wird ein tolles Trailjahr…

Bis demnächst!

2 Gedanken zu „Nicht lang‘ schnacken, Trail runterhacken. Die 4-Trails Odysee beginnt.

  1. Schön voller Begeisterung geschrieben.
    Gefällt mir.

    Gut Trail
    Soulrunner

  2. Steve Auch sagt:

    Mein erster Kommentar ist wohl verloren gegangen.

    Danke für diesen tollen Bericht.
    Je mehr ich von diesem Revierguide lese, desto mehr wird deutlich, mit welchem Spaß und welcher Leidenschaft ihr dabei wart.
    Gigantisch! Weiter so!

    keeping the passion alive

    Viele Grüße aus den Bergen

    Steve

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