Sonnentanz.

Auf der Rückfahrt aus dem Vogelsberg überlegte ich schon, welche Gegend ich als nächstes erkunden möchte.
Zu Hause ließ ich mich von der Wanderkarte des Spessarts inspirieren und beschloß, mich von meiner Freundin in Bad Orb aussetzen zu lassen um von dort zu ihr nach Hause zu laufen. Die potenzielle Route wurde in Google Earth begutachtet und um ein paar zusätzliche Hügel „frisiert“.

Vorweg: Dieser Lauf war ein kleines „Wechselbad der Gefühle“

Für die ersten 1400 Meter hatte sich die Anfahrt eigentlich schon gelohnt. Vom Friedhof in Bad Orb schlängelte sich ein schöner Trail den Hügel hinauf und erlaubte einen schönes Blick auf die Ortschaft. Gleich am Anfang ging es ziemlich steil bergauf und es passierte genau das, was ich so liebe an der Traillauferei.
Die Steigung hochächzend und den Blick auf die zwei Meter vor mich gerichtet trat ich – auf Gras laufend – irgendwann in einen dichtbewaldeten und grünbemoosten Wald ein (zweites Bild). Wälder, die ich sonst nur aus Harry Potter oder Herr der Ringe kenne 😉
Als ich die Kamera aufstellte ärgerte ich mich, dass ich so wenig Ahnung von der mich umgebenden Natur habe und noch nichtmal ein paar Bäume bennen kann.

  Irgendwann stehe ich also vor der oben dargestellten Abzweigung und der Wanderweg führt mich rechts an der „Alteburg“. Ich biege rechts ab und ärgere mich, dass ich den kleinen Berg links neben mir nicht mitnehme. Trailrunning ist ein Synonym für „Freiheit“. Das habe ich irgendwo aufgegriffen. Also laufe ich zurück, packe die Stöcke aus und kraxle den steilen Wurzelweg hinauf. Ich laufe weiter und stehe irgendwann auf meiner Lichtung und komme nicht weiter. Die Wege sind sehr grob und aufgewühlt. Wohl von Wildschweinen. Ich bin noch nie welchen begegnet, habe aber dauernd Angst, welchen zu begegnen und dann aufgefressen zu werden 😀
Ich umrunde den „Alteburg“ auf einem Weg, der von umgefallen Bäumen gesäumt und von Laub total bedeckt ist. Bildschön ist der Weg, doch mir ist ein wenig mulmig. Irgendwann laufe ich querfeldein, springe über einen kleinen Bach und bin wieder auf meinem Weg.

 
Um in den nächsten Wald zu kommen, muss ich eine Ortschaft durchqueren und verliere meinen ursprünglichen Weg. An dieser Stelle ärgere ich mich über die Wanderschilder, die auf einer Geraden ohne Abbiegemöglichkeiten dreimal darauf hinweisen, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde, an einer Kreuzung mit drei Auswahlmöglichkeiten jede Information vermissen lassen. Trial and Error, und dies mehrfach. Ich folge also dem anderen Wanderweg, der mich auch ans Ziel bringt und seine Beschilderung ziemlich penetrant an Bäumen anbringt.

Über Felder laufend komme ich endlich im nächsten Wald an und laufe eine knackige Steigung hoch. Die Wege sind völlig aufgeweicht und ich versinke mehrere Male im Matsch. Was weniger schlimm wäre, wenn ich nicht dauernd wegrutschen würde, da das Profil meiner Fuji Attack an seine Grenzen stößt.

An einer der schönsten Stellen werde ich vom Weg quer durch die Bäume auf die untere Ebene geführt. Ein klarer Weg ist nicht zu erkennen, ich sprinte durch die Bäume hindurch über Zweige springend und habe ein Grinsen im Gesicht.

Es wird dunkel und zu allem Überfluss nehme ich die „falsche“ Abzweigung, da der Weg mal wieder schlecht ausgeschildert ist, oder ich einfach zu blöd bin mich zu orientieren. Stur laufe ich durch den dunkler werdenden Wald, ich kenne mich hier nicht aus, weiss aber, dass ich in die richtige Himmelsrichtung laufe. Beklommenheit begleitet mich, ich bin ziemlich allein im Wald.
Irgendwann bin ich an einem Wanderparkplatz und finde wieder den Wanderweg, auf dem ich nach Hause laufen möchte. Es ist mittlerweile duster und ich packe meine Stirnlampe aus. Die Wege auf den ich laufe hören sich schön an, sehen tue ich allerdings wenig und knicke öfter um. Als ich eine Landstraße und eine Bushaltestelle kreuze, sehe ich das Wanderschild „Gaststätte Fernblick 11 km“. Ich war mittlerweile 25,5 km unterwegs und es ist stockfinster. Vor mir liegt noch stockdusterer Wald und bis nach Hause dürften es noch ca. 6-7 km sein. Von Ortskenntnis kann nicht die Rede sein und ich möchte in Dunkelheit nicht allein durch Wälder laufen. So krass bin ich dann doch noch nicht 😦

Ich rufe also meine Freundin an und lasse mich abholen. Auf der Rückfahrt stelle ich fest, dass ich nach 2 km auf den Wanderparkplatz gekommen wäre, von dem der örtliche Lauftreff losläuft. Ab dort hätte ich mich ausgekannt und wäre die restlichen 3 km auf Fahrradwegen nach Hause gelaufen.

Ich ärgere mich, dass ich mich so kurz vor Schluss abholen lasse. Es ist eine Schmach für mich, denn ich fühle mich gescheitert. Andererseits bin ich aber froh, dass ich nicht stur geblieben bin, denn alleine in der Dunkelheit und in einem unbekannten Wald ist doch noch eine Nummer zu groß für mich.

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