Geteilte Freude ist doppelte Freude

Dieser Beitrag braucht eine kleine Einleitung. Seit dem Mallorca-Urlaub im Mai/Juni bin ich begeisterter Leser des TRAIL Magazin’s und mittlerweile auch Abonnent. In jeder Ausgabe gibt es den „Revierguide“ wo jemand die lokalen Trails vorstellt und man als Leser gemeinsam mit Herausgeber läuft. Der nächste findet in Koblenz statt und zufällig habe ich an diesem Termin endlich mal Zeit, aber keine Fahrmöglichkeit.
Das ist wohl der Nachteil an Trailrunning. Die schönsten Trailreviere sind mit Bus und Bahn schwer oder garnicht erreichbar. Auf meinen Hilferuf in der Facebook-Gruppe meldeten viele hilfsbereite Menschen und am Ende war ich eine 3er-Fahrgemeinschaft. Facebook-Freundschaften wurden geknüpft und Whatsapp-Nachrichten ausgetauscht. Technik ist nicht immer mit Faulheit und Fettleibigkeit verbunden, sondern auch Mittel zum Zweck für tolle Naturerlebnisse 😉

Da an der Uni gerade Winterpause ist, muss ich keine Vorlesungen besuchen und diese Tatsache wollte ich gerne auskosten, um ohne schlechtes Gewissen auf längere Touren zu gehen. Die Grenzwanderung nach Bayern letzte Woche war nur ein Beispiel 😉

Auf dem Aussichtsturm des Hahnenkammes fand ich diese Schilder. Den ausgeschilderten Feldberg und Melibokus hatte ich schon bestiegen, den Taufstein leider noch nicht. So war eine Idee geboren, die ich mit meiner „Fahrgemeinschaft“ teilte.

So verabredeten wir uns am 1. Weihnachtsfeiertag am Hoherodskopf zum laufen. Um 6 Uhr in der früh stand ich auf und fuhr gleich los. Ich zweifelte ein wenig. Nicht, dass ich den Jungs ein Klotz am Bein bin. Immerhin hatten wir 50-60 km Anfahrt in Kauf genommen. Steffen traf ein, wir fachsimpelten über Laufklamotten, Schuhe, Ernährung und so weiter. Allein für die 5 Minuten Gespräch hatte sich die Anfahrt schon gelohnt, gehen doch meist die Scheuklappen runter, wenn ich mit irgendwem über Funktionstextilien und Trailschuhe reden möchte 😀
Martin stieß dann auch dazu. Eigentlich sollten Steffen und Martin gemeinsam kommen und für einen kurzen Augenblick dachte ich, dass es ein wenig Stunk wegen des Missverständnisses gibt, doch darüber wurden nur wenig Worte verloren. Alle waren heiß auf Laufen.
Zu meiner Überraschung hatte Martin einen vierten Läufer mitgebracht. Ben, der „Traildog“ sollte uns begleiten. Der Traildog war mir von Anfang an sympathisch, aber insgeheim fragte ich mich, ob Trailrunning mit Hund klappt. Es stellte sich innerhalb weniger hundert Meter raus, dass das sehr gut funktioniert 🙂

Der geschmolzene Schnee formte kleine Bäche auf den Wegen und so waren innerhalb weniger Minuten alle Füße naß. Das Lachen und Grinsen sollte auch nichtmehr aus meinem Gesicht weichen. Die Ausblicke waren atemberaubend und die Fernsicht große klasse. Die milden Temperaturen waren zumindest für uns eher vorteilhaft 🙂
„In Bayern ist es noch schöner“ sagte Steffen. Er musste sich auskennen immerhin war er den Zugspitz-Supertrail mitgelaufen. Ich kannte das nur von Bildern, aber für mich war Hessen schon ein schönes Laufgebiet, bietet meine Heimat (die rheinischen Kohletagebaugebiete) als Hügel nur aufgeschüttete Abraumhalden. Wenn die Verbesserung peu-à-peu kommt, kann man sie mehr genießen 😉

Vogelsberg-Idyll bei „Busenborn“
Auf dem Bilstein (666m)
Die Gesichtszüge entgleisen
The One and Only Traildog
Auch mit Gehhilfen kaum so schnell wie der Traildog
Die Gesichtszüge entgleisen. Wieder.
Auf dem Bismarckturm – Taufstein

Die größten Highlights für mich waren der erste große Downhill, durch einen dichtbewaldeten Wurzeltrail unter grünen Bäumen (waren’s Kiefern?) hindurch. Ständig darauf achtend, wohin man tritt. Dem Vordermann folgend, vom geschmolzenen Schnee begleitet. Am liebsten wäre ich noch 3 mal hochgelaufen um den Pfad ein paar weitere Male hinunterzulaufen. Steffen sagte Anfangs: „Das geht jetzt hier erstmal bergab, dafür gehts später nur noch bergauf“. Mit den Worten im Ohr versuchte ich vorsichtig weiterzulaufen und irgendwann war es soweit. Zunächst ging es auf den Wiesen hoch, bis wir irgendwann wieder im dichtbewaldeten Wald waren. Der Downhill quasi „in bergauf“. Der Weg wurde immer steiler, die Stöcke fanden endlich mal Verwendung und auch diesen Weg wäre ich gern mehrmals gelaufen, so schön war der.
Ärgerlich, dass ich von den beiden Wegen keine Bilder gemacht habe.
Der Weg führte rauf auf den „Bilstein“, wo der Felsen imposant in die Höhe ragt und einen guten Ausblick bietet. Dort sind auch die meisten Bilder entstanden.
Irgendwann ging es weiter. Nochmal auf den Taufstein rauf, den Bismarckturm bestiegen, die Aussicht genossen und wieder zurück zum Parkplatz. Leider war die Tour wegen Zeitmangel nach 16 km beendet. Am 6. Januar treffen wir uns wieder um in Koblenz den „Revierguide“ zu laufen.

Ich glaube, dass ich an diesem Tag zum ersten Mal den vielzitierten „spirit of trailrunning“ hautnah miterlebt habe. Es war ganz egal, wer wann wo was gelaufen ist. Wichtig war, dass wir uns getroffen haben um gemeinsam Spaß zu haben. Nie hatte ich das Gefühl, jemandem eine Klette am Bein zu sein oder gehetzt zu werden. Auch der Ultraläufer in unserer Gruppe ließ nie das Gefühl aufkommen, dass jemand ihm zu langsam oder er gelangweilt ist. Im Gegenteil, wenn man am Parkplatz vom „nächsten Mal“ spricht, zeugt das doch davon, dass alle Spaß haben und die Chemie stimmt.
Das flaue Gefühl, sich mit wildfremden Menschen frühmorgens mitten in der Wildnis zum Laufen zu verabreden, war eigentlich schon bei der Begrüßung der Euphorie gewichen. Man kommt um sich dreckig zu machen und die Natur zu genießen und nicht um Bestzeiten aufzustellen oder „Tempo zu bolzen“.

Muss unbedingt wiederholt werden!!!

2 Gedanken zu „Geteilte Freude ist doppelte Freude

  1. Sascha Rupp sagt:

    Klasse Bericht! Dass Laufen im Allgemeinen und Trailrunning im Speziellen sehr gut mit dem richtigen Hund klappt kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen 😉

  2. Orkan sagt:

    Hätte ich bisher nicht für möglich gehalten. Ich kenne meistens nur die Hunde, die einen anbellen und Herrchen/Frauchen dann sagte:
    „Der will nur spielen“
    „Der tut nix“ oder
    „Das macht der sonst nie“

    Auf so Beine kann man auch eigentlich nur neidisch sein 😉

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